Nach Hausräumung in Unna: Warum betroffene Kinder nicht in die Schule müssen

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Das Mitgefühl der Unnaer mit der Familie, die das einsturzgefährdete Haus an der Klosterstraße 69 räumen musste, ist groß. Doch ist es richtig, dass die schulpflichtigen Kinder dort fehlen?

Unna

, 01.09.2019, 13:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Schock in der Nacht: Die Familie, die im Haus an der Klosterstraße 69 lebte, musste vor fast zwei Wochen raus: Einsturzgefahr. Das Haus ist eines der ältesten in Unna, doch ob es allein Altersgründe waren, die zum Einsturz einer Kellerwand führten, ist noch unklar.

Die sechsköpfige Familie, die in dem Haus lebte, kam vorerst bei Verwandten in Essen unter, sucht aber nach einer neuen Wohnung in Unna. Bis dahin müssen die Betroffenen Kompromisse machen – und die beiden bereits schulpflichtigen Kinder starteten nicht wie ihre Mitschüler ins neue Schuljahr.

Die beiden Kinder gehen nicht in die Schule. „Sie dürfen in dieser besonderen Situation zwei Wochen lang zuhause bleiben“, sagt ihre Mutter. Es liegt eine Einverständnis der Schulleitungen vor. Die Familie weiß aber auch: Das kann kein Dauerzustand sein.

Das sieht man freilich auch in der Unnaer Stadtverwaltung so. Und dennoch: Die jetzt gefundene Lösung ist vermutlich der beste Weg und zudem rechtlich nicht zu beanstanden.

Besondere Umstände

„In diesem Fall sind wir meilenweit entfernt von einer Verletzung der Schulpflicht“, spricht Stadtsprecher Oliver Böer Klartext. Es gebe immer wieder mal besondere Umstände, warum Kinder und Jugendliche die Schule nicht besuchen könnten – auch abseits von Krankheiten.

Die betroffene Familie sei genau den richtigen Weg gegangen, indem sie den Kontakt zur Schulleitung suchte und eine provisorische Vereinbarung traf. Formal werden die Kinder derzeit zuhause beschult.

Wie gut das in einer beengten Situation wie dieser – in Essen leben derzeit acht Menschen in einem Zwei-Personen-Haushalt – überhaupt möglich ist, sei dahingestellt. Außerdem haben die Eltern derzeit auch viele andere Sorgen.

Die Stadt Unna spielt bei möglichen Verletzungen der Schulpflicht übrigens ohnehin eher eine Nebenrolle. „Das wäre eine Sache der Schulträger – also für den Kreis Unna bei Grundschulen und die Bezirksregierung Arnsberg bei weiterführenden Schulen“, erklärt Böer. Die Stadt sei dann wieder gefragt, wenn es darum gehe, Maßnahmen durchzusetzen.

Sicher wünschen sich auch die derzeit in Essen lebenden Kinder, dass bei ihnen bald wieder Normalität einkehrt. Denn Schule – das ist für Kinder und Jugendliche eben nicht nur Lernen, sondern auch der Ort, an dem sie Freunde treffen. Und die brauchen die Kinder von der Klosterstraße aktuell mehr denn je.

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