Grüne: „Ohne Baumschutzsatzung sind wir blind, was Unnas Baumverlust angeht“

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Die Fällung einer großen Esche in Massen hat erwartungsgemäß die Grünen auf den Plan gerufen. Sie kritisieren die Tatsache, dass Unna immer mehr Bäume verliere, ohne dass es bemerkt würde.

Unna

, 04.04.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich Björn Merkord, umweltpoltischer Sprecher der Unnaer Grünen und Vorsitzender des Umweltausschusses, zu der Fällung der Esche an der Mittelstraße in Massen äußern würde, war zu erwarten. Doch der Grünen-Politiker kritisiert nicht nur die Fällung an sich, sondern wirft vor allem die Frage auf, ob die Stadt Unna überhaupt noch mitbekäme, wie viel Grün sie eigentlich durch solche Fällungen verliert.

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„Die fehlende Baumschutzsatzung macht uns blind dafür, was in Unna an Bäumen tatsächlich verloren geht“, sagt Merkord im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit einer solchen Satzung, die das Fällen von Bäumen auf Privatgrundstücken regelt und die Unna 2014 abgeschafft hatte, wäre bereits vor der Fällung des Baumes an der Mittelstraße darüber in der Öffentlichkeit diskutiert worden. „Und eben nicht erst nachher, wie es jetzt der Fall ist und wo sich wilde Spekulationen hochschaukeln“, findet Merkord.

Über Generationen hinweg hat die Blutbuche am historischen Postgebäude den Norden der Innenstadt geprägt und verschönert. Ende November 2019 wurde sie gefällt - unheilbar geschädigt durch die Buchenkomplexkrankheit, also vermutlich auch durch den Klimawandel.

Über Generationen hinweg hat die Blutbuche am historischen Postgebäude den Norden der Innenstadt geprägt und verschönert. Ende November 2019 wurde sie gefällt - unheilbar geschädigt durch die Buchenkomplexkrankheit, also vermutlich auch durch den Klimawandel. © Udo Hennes

Der Vorteil einer Baumschutzsatzung liege für ihn darin, dass man über Bäume, die Bürger fällen lassen wollen, diskutiere, bevor sie gefällt werden, und man auf diese Weise auch Alternativen zur Fällung erarbeiten könne. „Natürlich wurden auch mit der Baumschutzsatzung Bäume gefällt, aber oft wurden auch gemeinsam mit den Bürgern einvernehmliche Lösungen gefunden, bei denen der jeweilige Baum stehen bleiben konnte.“

Die gut 100 Jahre alte Kastanie am Ortseingang von Kessebüren musste im November 2018 gefällt werden, weil sie von Pilzen befallen war - sie stand auf Privatgrund.

Die gut 100 Jahre alte Kastanie am Ortseingang von Kessebüren musste im November 2018 gefällt werden, weil sie von Pilzen befallen war - sie stand auf Privatgrund. © UDO HENNES

Ohne die Satzung sei der entstehende Aufwand bei der Stadtverwaltung ungleich größer als mit, nimmt Merkord an. „Der Fall in Massen zeigt dies doch ganz deutlich: Die Menschen sehen, dass da ein Baum fehlt und rufen bei der Stadt an. Dann muss das Umweltamt jedem Einzelnen erklären, wieso die Stadtverwaltung darüber nichts weiß und auch nichts machen kann. Ich möchte nicht wissen, wie viele Arbeitsstunden darauf verwendet werden müssen.“ Mit einer Baumschutzsatzung sei die Öffentlichkeit einer geplanten Fällung jedoch eindeutig hergestellt und auch klar zu beantworten.

Großer Verlust: Über 80 Buchen mussten Ende 2019 am Waldstadion gefällt werden, weil sie krank oder beschädigt waren und so Waldbesucher und Anwohner gefährdeten.

Großer Verlust: Über 80 Buchen mussten Ende 2019 am Waldstadion gefällt werden, weil sie krank oder beschädigt waren und so Waldbesucher und Anwohner gefährdeten. © Anna Gemünd

Und noch etwas stört Merkord: „Ohne die Satzung wissen wir nicht, wie viel Grün Unna tatsächlich durch private Fällungen verliert; wir sind faktisch blind.“ Dass Unna in den vergangenen Jahren immer mehr Bäume verloren habe, sei bekannt - allein durch die beiden Trockensommer 2018 und 2019 und die schweren Sturmschäden vor allem durch „Friederike“. Merkord: „Unna braucht mehr Grün, das steht fest. Und dazu braucht es Instrumente wie eine Baumschutzsatzung, damit wir nicht noch mehr Bäume verlieren.“

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