Neben Kaffee und Backwaren verkauft Norbert Szekely im Rad-Café „Stahlhaufen“ ausgewähltes Zubehör für Radfahrer. © Udo Hennes
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Nach Eröffnung mitten im Lockdown: So geht es dem Rad-Café „Stahlhaufen“

Vor zwei Monaten hat Familie Szekely ihr Café „Stahlhaufen“ in Unna eröffnet. Trotz des Lockdowns wagte die Familie sich an den „To-go“-Betrieb heran. Dennoch bleibt der Wunsch nach Normalität.

„Wir haben doch einfach nur aus der Not eine Tugend gemacht.“

Norbert Szekely zur Café-Eröffnung mitten im Lockdown

„Ihr seid aber mutig“: Diesen Satz hat Norbert Szekely in den vergangenen zwei Monaten oft gehört. Warum, versteht er gar nicht genau: „Wir haben doch einfach nur aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt er. Schließlich sei das Café nach monatelangen Umbauarbeiten im November endlich bereit zur Eröffnung gewesen, die entstandenen Kosten müssten nun mal gedeckt werden. „Wir zahlen hier ja auch Miete, sind also auf Einnahmen angewiesen“, so Szekely.

Große Kundenanströme bleiben unter der Woche aus

Demnach sei auch die mögliche Verlängerung des Lockdowns über den Januar hinaus nervenzehrend für die Betreiber: „Auch wir hoffen natürlich, im Februar normal öffnen zu können. Das ist nicht der Betrieb, den wir uns bei der Planung vorgestellt haben.“ Angedacht sei etwa gewesen, ein Frühstücksangebot mit Müsli-Bowls, verschiedenen Stullen und Rührei anzubieten. Stattdessen heißt es derzeit vorerst: Trockene Backwaren für „auf die Hand“.

Unter der Woche gibt es keine Torten mehr: Das hausgemachte Bananenbrot eignet sich hingegen gut für den „To-go“-Verkauf. © Udo Hennes © Udo Hennes

Und trotz größter Bemühungen merken auch die Szekelys, dass große Kundenanströme ausbleiben: „Wir hatten uns gerade am Dienstag aufgrund des Wochenmarktes mehr Besucher erhofft, aber das ist nicht der Fall“, sagt Norbert Szekely. Daher überlege die Familie, die aktuellen Öffnungszeiten zu verkürzen: Statt von Dienstag bis Sonntag soll der „Stahlhaufen“ künftig nur von Mittwoch bis Sonntag öffnen. „Am Wochenende ist deutlich mehr los“, sagt Szekely. Deshalb biete die Familie Kuchen und Torten mittlerweile auch lediglich am Samstag und Sonntag zum Verkauf an. „Es ist schade, wenn wir diese unter der Woche sonst wegschmeißen müssen.“

Vater und Sohn arbeiten in weiteren Jobs

Denn wie alle anderen Gastronomen auch, müsse Familie Szekely in diesen Zeiten gut kalkulieren. Große Rücklagen durch vergangene Einnahmen gebe es nicht, staatliche Unterstützung, die darauf beruhen würden, ebenfalls nicht. Daher sind Vater und Sohn weiterhin auf ihre ursprünglichen Jobs angewiesen. Denn erst, wenn der Lockdown beendet ist, wird der Traum, vom eigenen Café leben zu können, vielleicht wahr.

Über die Autorin
Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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Vivien Nogaj
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