T-Shirts und Kapuzenjacken für den modebewussten Brummifahrer: So will ein Unnaer Lkw-Betrieb den Modemarkt aufmischen. In der ersten Kollektion steckt viel Liebe. Ob auch ein Geschäft drinsteckt, zeigt sich jetzt.

Königsborn

, 16.09.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

„My Truck“: So nennt Lisa-Marie Jende ihre neue Modelinie. Sie hat T-Shirts und „Hoodie“-Kapuzenjacken entworfen und fertigen lassen. Nach einem Jahr der intensiven Vorbereitung geht die Marke jetzt an den Markt. In ihrem Betrieb wurde die Modeidee anfangs etwas kritisch beäugt, denn bei Heisel und Heiner in Königsborn werden Laster verkauft und repariert. Mode ist weder für Mitarbeiter noch für Kunden das Kernthema. Inzwischen sind aber alle wie die Chefin gespannt, ob Mode für den stilbewussten Trucker ankommt.

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"My Truck": Werkstatt erfindet Modelabel für Trucker

T-Shirts und Kapuzenjacken für den modebewussten Brummifahrer: So will ein Unnaer Lkw-Betrieb den Modemarkt aufmischen. In der ersten Kollektion steckt viel Liebe. Ob auch ein Geschäft drinsteckt, zeigt sich jetzt.
16.09.2019
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Liebe zum Detail: Diese eingeprägten Schriftzüge auf Reißverschluss-Zippern gehören für Modeschöpferin Lisa-Marie Jende dazu.© Raulf
Mode für Leute, die es gern "heavy" mögen: Mitarbeiter ihrer Firma Heisel und Heiner ließen sich von der Juniorchefin gern als Models verpflichten.© Udo Hennes
Mit pfiffigen Marketing-Ideen wie dieser "Baustelle" bereitete Jende den Start ihres Modelabels vor.© Raulf
Im Hintergrund ist ein wahrer Berg Arbeit erkennbar. Lisa-Marie Jende sitzt an ihrem Schreibtisch im Lkw-Betrieb an der Hubert-Biernat-Straße - umgeben von Kartons voller Ware.© Raulf
Das Kerngeschäft von Heisel und Heiner in Königsborn war und bleibt ein anderes als Mode: Hier schrauben die Mitarbeiter Sebastian Klemp, Kevin Rose und David Groß (v. l.) an einer Zugmaschine.© Raulf
Und am Wochenende wurde gefeiert. Zum 65-Jährigen gab es auch für Kinder Abenteuer zu erleben. Tom übte das Baggerfahren, unter Aufsicht von Alexander Peter.© Udo Hennes

Chefin mit „verrückten Ideen“

Lisa-Marie Jende führt gemeinsam mit ihrem Vater Thomas Jende die Firma Heisel und Heiner. Und dass Lkw-Mechaniker nun anlässlich des 65. Firmengeburtstags als Models über eine Art Werkstatt-Laufsteg stolzierten, hat den Hintergrund, dass die Chefin ein Mensch mit „verrückten Ideen“ ist, wie sie selbst sagt.

Über Heisel und Heiner

65 Jahre Familienbetrieb in Unna

Der Lkw-Servicebetrieb Heisel und Heiner wurde vor 65 Jahren in Unna gegründet. Seit 2005 ist Thomas Jende der Inhaber, seine Tochter Lisa-Marie ist seit fünf Jahren im Unternehmen. Die Firma an der Hubert-Biernat-Straße hat 25 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Das 65-Jährige wurde am Wochenende groß gefeiert, mit einem „Fahrerstammtisch“ inklusive Angeboten für Kinder, zum Mitmachen und Informieren. Den Erlös einer Tombola will Heisel und Heiner an das Lebenszentrum Königsborn spenden.

Durch die tägliche Arbeit mit Lkw-Fahrern als Servicekunden bekam sie ein Gespür dafür, wie diese Menschen „ticken“. Die meisten identifizierten sich mit ihrem Beruf und würden das auch gern zeigen. Bisher gebe es aber nur die Möglichkeit, Kleidung beispielsweise von Fahrzeugherstellern zu tragen. Ihre Idee: richtige Mode. „Das ist für die Gruppe von Menschen, die sagt, ,ich fahre Lkw und bin stolz darauf‘“, so Jende. Und in dieser Gruppe seien die Leute nicht unbedingt arm. Wenn Brummifahrer bis zu 25.000 Euro für Lämpchen und andere Deko in ihren Fahrzeugen ausgeben, meint Jende, dann kaufen sie auch hochwertige Kleidung. Die gebe es für Autofans schon, für „Trucker“ auf dem deutschen Markt noch nicht.

Brummifahrer mögen Blümchen und Leopardenmuster

Stahlgrau sind die Shirts und Hoodies, die die 28-Jährige in den vergangenen Monaten hat fertigen lassen. „Heavy“ ist ein Stichwort, mit dem sie den Stil beschreibt. Sie ist aber auch sicher, dass Farbakzente in ihrer Zielgruppe gut ankommen. So gibt es das „My Truck“-Logo auf den Sachen in acht verschiedenen Varianten. Das Ergebnis eines kleinen Tests offenbarte eine erstaunliche Vorliebe der Lkw-Fahrer für die beiden Logos mit Blümchen oder pink umrahmtem Leopardenmuster. „Harte Schale, weicher Kern“, sagt Jende.

„My Truck“: So mischt eine Lkw-Werkstatt aus Unna den deutschen Modemarkt auf

Logos auch auf den Kartons: Lisa-Marie Jende hat die T-Shirts, Kapuzenjacken und das „Drumherum“ selbst entworfen. © Raulf

Kreativität bringt Unternehmen voran

Als sie ihrem Vater vor einem Jahr die Idee eröffnete, eine Modelinie herauszubringen, erntete sie nicht unbedingt Begeisterung. „Wenn du sonst keine Baustellen hast“, entgegnete ihr Vater, wie sich die Tochter erinnert. Doch nach und nach habe der Seniorchef erkannt, dass das mit der Mode vielleicht doch keine ganz abwegige Idee war. Erste Kunden, die schon Artikel gekauft haben, bestätigten das. Mit Ideen voranzugehen, dass sollte einen Unternehmer ausmachen, meint Lisa-Marie Jende. In der Firma sei nicht nur sie kreativ. Auch die durchweg noch recht jungen Abteilungsleiter brächten das Unternehmen immer wieder mit Innovationen nach vorne. Und schnell wurde auch ihr Vater zu einem wichtigen Berater beim Modethema. „Wir ergänzen uns perfekt“, sagt Jende.

Keine Billigware, keine Kinderarbeit

Auf die Idee mit der Mode folgte die Umsetzung mit sehr viel Arbeit. Die 28-Jährige gründete eine eigene Modemarke und ließ sie mit Hilfe eines Markenanwalts offiziell anmelden. Sie recherchierte, wie und wo sie die Kleidung herstellen lässt. Billigware aus Asien sei für sie nicht infrage gekommen. „Kinderarbeit oder Ausbeutung, das will ich nicht“, sagt die junge Frau. Bezahlbar muss die Kleidung trotzdem sein. Einen guten Kompromiss zwischen fairen Herstellungsbedingungen und angemessenen Kosten habe sie bei einem Hersteller in der Türkei gefunden. Die Logos werden in Frankreich hergestellt. Nur dort habe sie einen Lieferanten mit guter Qualität gefunden. Von einem Grafiker aus Unna lässt Jende die Motive in einem aufwendigen Verfahren auf den Stoff aufbringen.

„My Truck“: So mischt eine Lkw-Werkstatt aus Unna den deutschen Modemarkt auf

Details wie diese sind nicht zwingend erforderlich, aber für die Modeschöpferin gehören sie dazu. © Raulf

Liebe auch zum kleinsten Detail

„Ich bin sehr detailverliebt“, sagt die Modeschöpferin. Die Logos hat sie ebenso selbst entworfen wie den „My Truck“-Schriftzug. Dass dieser auch in die Reißverschluss-Zipper geprägt wird - „das müsste eigentlich nicht sein“, sagt Jende selbst. Aber für sie gehört das dazu, wie die Nackenbänder mit winzigen Bildern von Kolben oder Luftfiltern, wie die ledernen, geprägten Enden der Kordeln in den Kapuzen. Deswegen darf „My Truck“ auch eher in das mittlere Preissegment eingeordnet werden, nicht in das günstige. Diese Details haben die Erfinderin aber auch gefordert. 18 Stunden an sieben Tagen - so hätten die zurückliegenden Wochen für sie meist ausgesehen, berichtet Jende. „Das hatte ich ein wenig unterschätzt.“ Ihren Master-Studiengang in „Finance und Accounting“, der auch noch nebenher läuft, hat sie durch das Modethema ein wenig vernachlässigen müssen. Dafür ist sie mit ihrer ersten Kollektion nun mehr als zufrieden. „Ich bin stolz darauf, dass wir das so hinbekommen haben.“

Die erste Kollektion der Modelinie für Trucker wird über einen Online-Shop vertrieben: www.mytruck-shop.de
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