„Neh“ und „Eärh“: Wie eine Mutter am Schrei ihres Babys erkennt, was es wirklich will

dzKurs für Eltern

Ob das Baby nun schlafen, gestillt werden oder doch ein Bäuerchen machen will, ist am Geschrei zu erkennen: Das behauptet Meike Gräfingschulte aus Unna und beruft sich auf Studien.

Unna

, 30.08.2019, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit April diesen Jahres gibt Meike Gräfingschulte einen Kurs, der zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig klingt: Sie bringt Eltern die „Sprache“ ihrer Babys bei. Die Laute, die ein Säugling von sich gibt, sollen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Rückschlüsse auf seine Bedürfnisse geben.

Gräfingschulte schult in ihrem Kurs „Hör auf dein Baby“ seit einem halben Jahr Mütter in der Kommunikation mit ihrem neugeborenen Kind.

Keine primitive Form des Ausdrucks

Fast revolutionär kommt die Behauptung daher, dass das Geschrei von Kindern in wissenschaftlicher Hinsicht keine primitive Form des Ausdrucks sein soll, sondern schlichtweg ein Code, den es zu entschlüsseln gilt.

Gräfingschulte, die über viele Jahre hinweg als Ingenieurin arbeitete, ist sich sicher: „Menschen haben irgendwann mal die Sprache der Babys verstanden. Das haben sie wahrscheinlich im Laufe der Zeit verlernt, weil es nirgendwo aufgeschrieben wurde“, erklärt die 39-Jährige.

Verloren gegangenes Wissen

Was sie in Unna lehrt, soll quasi eine verlorengegangene Fähigkeit sein, die es frisch gebackenen Müttern ermöglicht, ganz anders auf die Bedürfnisse ihres Säuglings eingehen zu können.

Beobachtung von australischer Opernsängerin

Allzu alt sind die jüngsten Erkenntnisse aber trotzdem nicht: Die Forschung resultierte um die Jahrtausendwende aus den Beobachtungen von der australischen Opernsängerin Priscilla Dunstan, die nach der Geburt ihres Kindes auf einen Zusammenhang zwischen dem Klang der Laute ihres Kindes und seinen Bedürfnissen stieß.

Das löste im englischsprachigen Raum eine Reihe von Studien aus. Die Ergebnisse der Studien bestätigten ihre Eindrücke. Durch die US-amerikanische TV-Show von Oprah Winfrey erfuhr 2006 erstmals die breite Öffentlichkeit von diesem Phänomen.

Dass es knapp zehn Jahre dauerte, bis sich Menschen in Deutschland mit diesem Thema beschäftigten, erstaunt Gräfingschulte. Als sie davon hörte, bildete sie sich sofort weiter und ist heute eine von fünf Frauen, die in NRW Kurse zur Dunstan-Babysprache geben.

Für den Umgang mit ihrem eigenen Kind ist es allerdings zu spät: Ihr kleiner Johann ist inzwischen ein Jahr alt. Stattdessen möchte sie die Erkenntnisse an Frauen in Unna weitergeben.

Erst Theorie, dann Praxis

Jeder Kurs von Gräfingschulte ist klar strukturiert. Zunächst gibt es eine historische Einordnung, dann einige Verweise zu den Studien. Anschließend tauchen die Teilnehmer tief in die Praxis ein.

Fünf verschiedene Baby-Laute

Laut Dunstans Lehre stoßen Babys in den ersten drei Monaten fünf Laute aus, die auf verschiedene Bedürfnisse hindeuten können, aber nicht in jedem Fall müssen. Demnach stehen die Laute „Neh“ für Hunger, „Eärh“ für Bauchweh, „Auh“ für Müdigkeit, „Eh“ für den Wunsch nach einem „Bäuerchen“ und ein mehrfach gehecheltes „Heh“ für ein allgemeines Unwohlsein.

Das könne vorkommen, wenn es dem Baby zu heiß oder zu kalt ist, oder etwa bei einer allergischen Reaktion. „Manchmal ist es auch nur ein Etikett am Kleidungsstück, das nervt“, erzählt Gräfingschulte.

Kurse für Hebammen

Skeptikern begegnet die 39-Jährige mit ihrer guten Referenz. So zählen neben werdenden Eltern und Großeltern inzwischen auch Hebammen zu ihren Kursteilnehmern. „Bisher waren alle begeistert. Manche haben gar das Gefühl, dass sie sich ihrem Baby näher fühlen“, sagt Gräfingschulte.

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