Mutmaßlicher Drogendealer aus Unna: „Wollte niemanden nach Geld fragen“

dzProzessauftakt in Dortmund

Ein 28-jähriger Mann aus Unna soll in großem Stil mit Marihuana gehandelt haben. Zu Prozessbeginn am Dortmunder Landgericht legt er ein Geständnis ab - und kritisiert trotzdem die Polizei.

23.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft hat einen 28-jährigen Mann aus Unna wegen kiloschwerer Drogengeschäfte angeklagt. Spätestens seit November 2018 soll der junge Mann seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Marihuana verdient haben. Seinen Job hatte er damals gerade erst verloren.

Gleich zu Prozessbeginn legte der Angeklagte über seine Verteidiger ein Geständnis ab. „Nachdem ich meinen Job verloren hatte, wollte ich einfach niemanden mehr nach Geld fragen müssen“, hieß es in der Erklärung.

Kunden auf Partys kennengelernt

Seinen Kundenstamm habe er sich eigentlich relativ schnell und unkompliziert aufbauen können. Denn: „Meine Freundin und ich waren damals ziemlich oft feiern.“

Auf einer dieser Party machte der 28-Jährige schließlich eine Bekanntschaft, die ihm nun viel Ärger einbringen könnte. Denn der Freund, den er später für seine Drogenverkäufe einspannte, indem er ihn immer wieder mit kleineren und mittelgroßen Mengen Marihuana belieferte, war noch keine 18 Jahre alt.

Von diesem Umstand will der 28-Jährige allerdings erst kurz vor seiner Festnahme im Mai erfahren haben. „Als ich hörte, dass er erst 17 ist, war ich richtig schockiert“, so der Angeklagte. „Der Junge wirkte immer viel kräftiger als ich. Außerdem hatte ich ihn schon oft Auto fahren gesehen.“

Wohnungsdurchsuchung im Mai

Im Mai wurde schließlich die Wohnung des Angeklagten durchsucht - und die Beamten wurden dabei mehr als fündig. Insgesamt rund 250 Gramm Marihuana lagerten an verschiedenen Orten in der Wohnung. Eine Feinwaage und 730 Euro in bar nahmen die Polizisten ebenfalls mit auf die Wache.

Und dann waren da noch zwei Messer, was für den jungen Mann nun besonders unangenehm werden könnte. Kommen die Richter am Ende zu dem Schluss, dass der 28-Jährige die Waffen dazu verwenden wollte, sich im Fall einer Bedrohung zur Wehr setzen zu können, würde die Mindeststrafe fünf Jahre Haft betragen.

Drogenhandel mit Waffen?

Der Angeklagte will davon aber nichts wissen. „Die Messer hatte meine Freundin dort deponiert, weil sie Angst vor Einbrechern hatte“, sagte er. Ohnehin ist der 28-Jährige nichts besonders gut auf die Polizei zu sprechen. Bei seiner ersten Vernehmung - noch ohne Anwältin - sei ihm signalisiert worden, er solle lieber reden, denn das würde seine Strafe deutlich reduzieren.

„Deshalb habe ich mehr auf mich genommen, als wirklich wahr ist“, so der Angeklagte.

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