Musiktherapeutin Anna Görsch: Sie bringt die Beatles, Abba und Heavy Metal ins Hospiz

dzHeilig-Geist-Hospiz

Das Lieblingslied aus der Jugend oder seit Kindheitstagen bekannte Volkslieder: Für die Gäste im Hospiz bedeutet Musik oft Alltag. Anna Görsch gestaltet diesen Alltag als Musiktherapeutin.

Unna

, 09.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Zuhörer eines Konzertes einschlafen, kommt das für den Musiker einer Beleidigung gleich. Nicht so für Anna Görsch. Für sie ist es eines der schönsten Komplimente, wenn ihre Zuhörer während ihres Gesangs einschlafen. Die 24-Jährige arbeitet als Musiktherapeutin im Heilig-Geist-Hospiz.

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„Ich hatte eine Patientin, die große Angst davor hatte, einzuschlafen und überhaupt nicht entspannen konnte. Durch die Musik, die wir zusammen gemacht haben, hat es nach einigen Übungsstunden endlich geklappt, das war wunderbar, als sie endlich ganz ruhig einschlief, ohne die Sorge, gleich sterben zu müssen.“ Wenn Anna Görsch von ihrer Arbeit mit den Gästen des Heilig-Geist-Hospiz erzählt, spürt man, wie viel ihr diese Tätigkeit zurückgibt.

Wer im Heilig-Geist-Hospiz wohnt, wird in Kürze sterben. Entspannen, zur Ruhe kommen – das ist in so einer Situation nicht einfach. Seit anderthalb Jahren hilft Anna Görsch den Gästen im Hospiz dabei. Die studierte Musiktherapeutin ist einmal in der Woche im Haus und macht Musik – sie singt, spielt Klavier oder hört mit den Gästen deren Lieblingslieder.

Benefizkonzert

Musiktherapie ist auf Spenden angewiesen

  • Die Musiktherapie wird in vielen Kliniken und auch Hospizen bereits praktiziert, allerdings noch nicht von den Krankenkassen finanziell übernommen.
  • Auch Anna Görschs Stelle wird derzeit von der Stiftung des Hospizes bezahlt. Ihr Vertrag endet im Spätsommer – sowohl das Hospiz als auch Görsch selbst würden gerne weiter zusammen arbeiten und die Stunden gegebenenfalls aufstocken.
  • Doch dazu braucht es Spenden. Mit einem Benefizkonzert in der Katharinenkirche am Samstag, 11. Januar, sollen Spenden gesammelt werden.
  • Um 19 Uhr spielen dann Andreas Rinke und Alexander Nolte ein Trompeten- und Orgelkonzert. Der Eintritt ist frei, der Erlös kommt der Arbeit von Anna Görsch im Heilig-Geist-Hospiz zugute.

„Musik gehört zu unserer Kultur und ist damit ein Stück unseres Alltags. Und hier im Hospiz geht es immer darum, den Gästen ein Stück ihres Alltags zurückzugeben“, erklärt Anna Görsch den Hintergrund ihrer Arbeit. Hospiz-Leiterin Marion Eichhorn holte die junge Ennepetalerin nach Unna. Aus ihrer bisherigen Hospizarbeit kannte Eichhorn den Erfolg, den Musiktherapie bei Hospiz-Gästen haben kann und wollte dies unbedingt auch im Heilig-Geist-Hospiz etablieren.

Und so sitzt Anna Görsch jede Woche zunächst im „Wohnzimmer“ des Hospiz und singt dort mit den Gästen, die noch mobil sind. „Meistens sind es Volkslieder, an die sich viele der älteren Gästen noch gut erinnern“, sagt Görsch. Doch ihre Liedermappe umfasst ein breites Spektrum: Die Hits von Abba und den Beatles muss die Musiktherapeutin ebenso „drauf haben“ wie Schlager.

„Meine Mappe ist schon sehr umfangreich, aber ich lerne immer wieder neue Lieder dazu“, erzählt Anna Görsch. So bringt ihr ein Gast ostfriesische Volksweisen bei, während ein anderer sie einmal an die Grenzen ihrer musikalischen Möglichkeiten brachte: „Er hat mich gebeten, sein Lieblingslied zu singen, einen Heavy-Metal-Song.“ Allein mit ihrer Akustik-Gitarre für Görsch ein Ding der Unmöglichkeit. „Wir haben uns das Lied dann stattdessen zusammen angehört.“

„Es geht hier immer um den Moment, darum, das Leben lebenswert zu machen bis zum letzten Moment.“
Anna Görsch, Musiktherapeutin im Heilig-Geist-Hospiz

Gemeinsam Musik hören, von Konzerten der Lieblingsband berichten oder in Erinnerungen an die alten Lieder von früher schwelgen – genau dazu lädt Anna Görsch die Gäste im Hospiz ein. Sie stellt sich jedem Gast vor; ob er das Angebot der Musiktherapie annehmen möchte, liegt dann aber ganz bei dem Gast. „Jeder hat das Recht, nein zu sagen. Musik ist immer auch mit Emotionen verbunden, das schaffen nicht alle, denn hier sind ohnehin schon viele Emotionen im Spiel.“

Auch für Anna Görsch bleiben bei ihrer Arbeit Emotionen nicht aus. Gäste, mit denen sie in der einen Woche noch zusammen gesungen hat, können bei ihrem nächsten Besuch schon verstorben sein. „Das weiß ich und damit rechne ich. Und es geht hier letztlich immer um den Moment, darum, das Leben lebenswert zu machen bis zum letzten Moment.“

Wie wichtig Görschs Arbeit ist, zeigen die Rückmeldungen der Gäste. „Eine Frau hat mir mal gesagt, dass sie immer wenn ich da bin, ganz bei sich sein kann. Das war ein tolles Kompliment.“ Genauso schön, wie wenn ihre Zuhörer durch ihre Musik einschlafen können.

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