Für Saturn und Co. scheint Unnas Innenstadt keinen fruchtbaren Boden zu bieten

dzMühle Bremme

Doch kein Elektronikmarkt, stattdessen ein Fitnessstudio im XL-Format: Pläne für die Mühle Bremme sorgen in dieser Hinsicht für Enttäuschung. Vielleicht nehmen sie einen neuen Trend vorweg.

Unna

, 22.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Elektronikmarkt mit der „Machart“ von Saturn galt in einem frühen Stadium der Planungen schon als gesetzt für den Handelsbesatz im künftigen Einkaufszentrum an der Mühle Bremme. In der aktuellen Fassung, die der Investor Ten Brinke kürzlich mit der Politik diskutiert hat, fehlte diese Besetzung plötzlich. Stattdessen war die Rede von einem Fitnesscenter, das neben Edeka und einem noch nicht benannten Drogeriemarkt zu den Hauptmietern im künftigen Handelskomplex zählen soll.

Muskeln stählen auf 1000 Quadratmetern – dies als Besatz einer Handelsfläche sorgte in den Reihen der Unnaer Volksvertreter für eine gewisse Überraschung. Planer Peter El-Dessouki erklärte den Wechsel mit einer einfachen und nachvollziehbaren Begründung: Es sei einfach nicht gelungen, ein Unternehmen aus dem Elektronikfachhandel unter Vertrag zu nehmen. Die Branche scheint in Unna keinen ausreichend fruchtbaren Boden zu sehen. Die Fitnessbranche dagegen boome.

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Hoffnungen darauf, dass das Warenangebot in der Innenstadt um ein größeres Elektroniksortiment erweitert würde, sind damit zunichte gemacht. Der letzte großflächige Elektronikmarkt in der Innenstadt war die Zweigstelle von Berlet. Die Kette zog sich 2015 von der Massener Straße zurück und konzentriert sich seitdem in Unna auf den Markt im Zurbrüggen-Komplex an der Feldstraße. Die damalige Begründung von Berlet scheint die Erfahrungen, die der Mühlen-Investor nun bei der Mietersuche gemacht hat, vorwegzunehmen: Laufkundschaft spiele kaum noch eine Rolle. Ein großer Markt in teurer Innenstadtlage sei daher nicht sinnvoll.

Elektrohandel stark von der Online-Konkurrenz betroffen

Im Einzelhandelsverband Westfalen-Münster wird die Situation differenzierter gesehen. Dass Fußgängerzonen für den Elektronikfachhandel grundsätzlich kein geeigneter Standort mehr seien, würde Geschäftsführer Thomas Schäfer so nicht unterschreiben.

„So etwas kann in jeder Innenstadt funktionieren“, sagt der Handelsexperte. Allerdings sei zu beobachten, dass die Branche zurzeit kleinere Flächen bevorzugt, die geringere Kosten verursachen. Eine mögliche Erklärung dafür: „Der Elektronikfachhandel ist neben Textil die Handelsbranche, die am stärksten von der Konkurrenz des Online-Handels angegriffen wird“, so Schäfer. Als Reaktion darauf versuchen es die Ketten mit Hybridmodellen, einer Verbindung von stationärem Handel und Versand. „Das neue Gerät kann ich mir dann zwar als Vorführmodell ansehen, aber vielleicht nicht in jedem Fall gleich mit nach Hause nehmen. Stattdessen wird es mir dann geschickt.“ Ob dieses Geschäftsmodell funktioniert, werde die Zeit zeigen.

In Zukunft gehören Ladenlokale nicht mehr nur dem Handel

Dass anstelle eines Elektronikmarktes ein Fitnesscenter auf die 1000 Quadratmeter der Fläche gehen soll, ist für Thomas Schäfer keine untypische Wahl. „Die Städte müssen sich darauf einstellen, dass frei werdende Flächen nicht allein durch Handel besetzt werden. Auch Dienstleister, Handwerk und sogar verträgliche Arten der Produktion werden künftig eine Rolle spielen“, zeigt Schäfer einen Trend auf.

Ob Unna mit seinem durchaus beachtlichen Angebot an Sportstudios noch Platz für einen weiteren Anbieter hat, ist eine Frage, die von Politikern bei der Vorstellung der aktualisierten Pläne für die Mühle Bremme kritisch aufgeworfen wurde. Handelsexperte Schäfer hält eine Diskussion darüber für entbehrlich: „Im Zweifelsfall regelt das der Markt“, sagt er.

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