Wie ein Verein nahe Hannover zu legalen Strecken fürs Mountainbiken kam

dzMountainbiken in Unna

Für die Stadt Unna ist klar: keine Mountainbikes im Bornekamp. Dabei hält man es beim Kreis Unna für möglich, das Biken aus der Verbotszone zu holen. Dass das funktioniert, zeigt ein Blick nach Niedersachsen.

Unna

, 16.09.2019, 13:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Trails im Deister genannten Wald bei Barsinghausen, knapp 20 Kilometer südwestlich von Hannover, wollen mittlerweile sogar die umliegenden Gemeinden touristisch werben. „Da machen wir aber nicht mit. Wir pflegen die Trails und haben keine Lust, dass uns irgendwer aus Hamburg hier die Strecken ohne Gegenleistung zerpflügt“, sagt Oliver Reich.

Der 52-jährige Jurist ist Vorsitzender der Deisterfreunde. Ein Verein, der sich 2013 gegründet hat und mittlerweile rund 450 Mitglieder in seinen Reihen weiß, die in einem Waldstück des Niedersächsischen Landesforstes (NLF) drei offizielle Strecken auf einer Gesamtlänge von rund drei Kilometern nutzen – in einem Gebiet, das wie der Stadtforst im Bornekamp als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Verein kümmert sich um seine offiziellen Strecken

Das Gemeinschaftsprojekt zwischen NLF, der Region Hannover als Kommunalverbund der Stadt und umliegenden Gemeinden sowie den Deisterfreunden ist deutschlandweit einzigartig. Der Verein übernimmt Kosten für Pacht und Baumschau, Bau, Instandhaltung und Versicherung der Trails und kümmert sich um Rückbau inoffizieller Strecken auf dem Gebiet der Revierförsterei.

Muss der Revierförster entlang der Strecken arbeiten, bekommt der Verein einen Hinweis, die Strecken werden für die Dauer der Arbeiten gesperrt. „Der Förster stand uns anfangs auch kritisch gegenüber, hat sein Meinungsbild aber mittlerweile komplett geändert“, sagt Oliver Reich.

Jetzt lesen

Gutachten entlastet die Mountainbiker

Der Vereinsvorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass die bürokratischen Hürden hoch und der Prozess zur Ausnahmegenehmigung für offizielle Trails ein langer war. Um den Einfluss von Mountainbikern auf die Natur zu ermitteln, investierte die Region Hannover gar 130.000 Euro in ein Gutachten. Ergebnis: Die offiziellen Trails sind grundsätzlich umweltverträglich.

Negative Einflüsse wie Freifahren von Wurzeln, Abgraben von Boden oder Bodenverdichtung auf den Pfaden lassen sich durch entsprechende Streckenplanung verhindern – sensible Stellen können beispielsweise durch Holzelemente, sogenannte North Shores, überbrückt werden.

Ganz gelöst ist der Zwist aber auch im Deister nicht: So gibt es neben den offiziellen Strecken der Deisterfreunde zahlreiche inoffzielle, mitunter auch durch Waldstücke in Privatbesitz. Momentan ist die Situation auch hier festgefahren, da Mountainbiker und Waldbesitzer nicht auf einen Nenner kommen.

So sieht Mountainbiken im Deisterwald bei Hannover aus:

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Trotz Nachwuchsproblem

Vereinsgründung: Was sich die Marinekameradschaft Unna davon verspricht

Meistgelesen