Überwiegend mit großer Vorfreude blicken die Wirte rund um das Morgentor der Umgestaltung entgegen. Ab 2020 gibt es mehr Außengastronomie. Künftig gibt es aber auch weniger Parkplätze. Und das finden nicht alle gut.

Unna

, 13.08.2019 / Lesedauer: 4 min

„Mega-positiv“: So findet Vladimir Mijovic die Planung für den „Platz am Morgentor“, die ab Herbst dieses Jahres umgesetzt werden soll. Er ist einer der Gesellschafter der Gaststätte Tortuga am Morgentor und freut sich darauf, ab 2020 auch draußen in größerem Umfang Gäste zu bewirten. Bisher stehen dem Gasthaus ein paar Außensitzplätze an der Seite zur Morgenstraße zur Verfügung. Demnächst liegt gegenüber, zwischen Gaststätte und Ostring, der größte Biergarten des Ausgehviertels. Auf rund 90 Quadratmetern können Gäste dann an Tischen sitzen. „Das ist eine Superentwicklung“, sagt Wirt Mijovic. Die Außengastronomie werde dem Viertel einen neuen Wert verleihen. Gerade in der warmen Jahreszeit seien Außensitzplätze ein enormer Zugewinn. Das Tortuga werde sich dann auch weiterentwickeln können und Essen anbieten.

Platz am Morgentor: Wirte im Viertel freuen sich drauf, vermissen aber schon Parkplätze

Vladimir Mijovic (l.) und Robert Beck vom Tortuga am Morgentor wollen demnächst auch Essen anbieten. Die geplante Außenterrasse eröffnet ihnen neue Möglichkeiten. © Marcel Drawe

Drei schwierige Sommer ohne Café-Terrasse

Diese neuen Möglichkeiten seien auch notwendig, so Mijovic, um so eine große Gaststätte dauerhaft zu betreiben. denn schließlich seien die „goldenen Gastronomiezeiten“ früherer Jahrzehnte vorbei. Ein Haus weiter, im Waffelstübchen, blickt man zwar etwas skeptisch, aber doch zuversichtlich in die Zukunft. Denn die jüngere Vergangenheit sei schwierig gewesen für das Café. Aufgrund der Problembaustelle hatte die Stadt die Terrasse gesperrt, die zuvor Außenbewirtung für das Waffelstübchen ermöglicht hatte. Drei Sommer, erst mit Bauarbeiten, dann mit Sperrung, seien nun mit entsprechenden Umsatzeinbußen vergangen, umso mehr freuten sie sich nun auf 2020 mit - hoffentlich - einer neuen Terrasse, teilen die Betreiber im Gespräch mit unserer Redaktion mit. Rund 40 Quadratmeter sollen an der Stadtmauer als Café-Garten eingerichtet werden.

Platz am Morgentor: Wirte im Viertel freuen sich drauf, vermissen aber schon Parkplätze

Die Terrasse des Waffelstübchens war zunächst einen Sommer lang stark von der Kortelbach-Baustelle beeinträchtigt. Danach wurde sie für zwei Sommer gesperrt. Die Betreiber hoffen auf einen Neustart nach dem Neubau: 2020. © UDO HENNES

Neuer Anziehungspunkt als Konkurrenz zum Marktplatz

Und noch ein Stück den Güldenen Trog hinauf geht es weiter mit der Entwicklung. Er kämpfe schon seit Jahren für mehr Außengastronomie, berichtet Francisco Valero, Wirt des Gaststätten-Doppels Tapas und Bodega. Seine 30 Plätze am Tapas seien „völlig in Ordnung“, so Valero. Aber der Vinothek Bodega fehle diese Möglichkeit. „Die Leute wollen im Sommer nach draußen. Wenn du da keine Außengastronomie hast...“, sagt der Wirt mit 17 Jahren Erfahrung am Standort und zuckt mit den Schultern. Nun sind schräg gegenüber weitere 70 Quadratmeter als „Wein-Garten“ für das Bodega geplant. „Das kommt mir super entgegen“, sagt Valero. Die ganze Ecke werde nun sehr schön, meint der Wirt. Er spricht bereits von einem neuen Anziehungspunkt in Unna und hofft, dass man künftig mehr Gäste vom Marktplatz zum Bereich am Ring herunterlocken kann.

Platz am Morgentor: Wirte im Viertel freuen sich drauf, vermissen aber schon Parkplätze

Giuseppe Muratore, Wirt im Ollen Kotten, regt eine weitere Belebung der Morgenstraße an. © Smulka

Anregung: „Lebendigere“ Morgenstraße

Dafür müsste allerdings die Morgenstraße lebendiger werden, meint Giuseppe Muratore, der Wirt des Ollen Kottens. Er regt attraktivere Geschäfte wie Boutiquen an, vielleicht ein Eiscafé, damit die Planung mehr Sinn ergibt. Als Wirt des Ollen Kottens ist Muratore zwar unmittelbar Teil des Gastronomielebens rund um das Morgentor. Von der Neuplanung ist er aber nicht direkt betroffen. Muratore hat einen recht großen Biergarten und daran soll sich auch nichts ändern.

Neuer Platz zwischen Altstadt und Ring

Das „Drumherum“ allerdings soll spätestens 2022 ganz anders aussehen als jetzt. Den Planern schwebt ein gepflasterter Platz zwischen dem Alten Landratsamt und dem Güldenen Trog vor, zum Ring abgegrenzt durch unterschiedlich hohe Abschnitte einer Natursteinmauer, die der historischen Stadtmauer nachempfunden wird. Fußgänger sollen über den Platz flanieren. Sie sollen anders als heute die vorherrschende Verkehrsart darstellen, neben Fahrradfahrern, für die an zwei Enden Radparkanlagen eingerichtet werden. Poller vor dem Ollen Kotten sollen den Auto-Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung verhindern.

Platz am Morgentor: Wirte im Viertel freuen sich drauf, vermissen aber schon Parkplätze

So wird die neue Außengastronomie am Morgentor geplant: Auf rund 200 Quadratmetern insgesamt entstehen Wein-, Café- und Bier-Garten-Sitzplätze. © BSL Landschaftsarchhitekten

Skepsis wegen Parkplatzmangel

Etwas skeptisch ist Muratore mit Blick auf die Parkplätze. Von heute 20 soll etwa die Hälfte wegfallen. Die Parkplatzsituation ist schon heute angespannt. Eine Anwohnerin des Burgviertels wies in einem Leserbrief besorgt auf den Parkplatzmangel hin. Dieser würde sowohl Bewohner als auch Besucher treffen, wenn sie das Auto nutzen wollen oder müssen. Das bereitet auch Tortuga-Wirt Mijovic Kopfzerbrechen. Zumindest ein Parkplatz in der Nähe der Gaststätte wäre ihm wichtig, auch weil er es für gefährlich hält, wenn er oder Mitarbeiter nachts nach Feierabend weit zu Fuß gehen müssten. Er würde auch für einen solchen Platz bezahlen, sagt Mijovic.

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Stadt: Verweilqualität ist das Ziel, nicht Parken

Insgesamt sei das Ziel, die Verweilqualität am Morgentor zu erhöhen, betont Stadtsprecher Christoph Ueberfeld. Dass künftig Parkplätze wegfallen, sei eine Folge daraus. Um das Beliefern der örtlichen Gaststätten zu ermöglichen, verzichte man auf eine Tonnage-Begrenzung für die geplante Pflasterfläche. Parkplätze vor oder neben den Gastronomiebetrieben sind aber in der bisherigen Planung nicht vorgesehen. Die neue Verkehrsfläche, den „Shared Space“ gibt es laut Stadt in der Straßenverkehrsordnung nicht. Sie soll rechtlich behandelt werden wie der verkehrsberuhigte Bereich heute: Das Parken ist nur in dafür ausgewiesenen Flächen erlaubt.

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