Moderne Kardiologie in Unna ist digital und doch menschlich

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Nach seinen ersten 100 Tagen zieht Unnas neuer Kardiologie-Chefarzt zufrieden Zwischenbilanz. Das Katharinen-Hospital stehe für ein herzliches Miteinander ebenso wie für Hightech-Medizin.

Unna

, 17.12.2018, 21:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir sind hier locker auf universitärem Niveau“, sagt Privatdozent Dr. Georg Nölker. Wer mit dem Internisten und Kardiologen spricht, erlebt einen ruhigen und sachlichen Westfalen. Worte, die wie Lob klingen, haben also besonderes Gewicht. Nölker hat vor 100 Tagen seinen Posten als Chefarzt der Inneren Klinik II/Kardiologie am Katharinen-Hospital angetreten und zeigt sich nun im Rahmen einer Zwischenbilanz begeistert. Nach seinem Wechsel vom bekannten Herzzentrum in Bad Oeynhausen nach Unna sei er an jeder Stelle positiv überrascht gewesen angesichts der medizinischen Qualität. Im noch jungen Anbau des Katharinen-Hospitals, in dem die Patienten mit Herzerkrankungen behandelt werden, wurde erst vor wenigen Wochen das dritte Katheterlabor auf den neuesten Stand der Technik umgerüstet. Allen Patienten, die nicht operiert werden müssen, könne in Unna optimal geholfen werden, sagt Nölker. Und aufgrund moderner Verfahren (siehe Text rechts) sei eine Herzoperation inzwischen immer seltener notwendig.

Das Katharinen-Hospital ist akademisches Lehrkrankenhaus. Angehende Ärzte absolvieren in Unna also ihr praktisches Jahr zum Abschluss der Uni-Ausbildung. Unter den vermutlich sechs neuen Nachwuchsärzten, die bald in Nölkers Klinik anfangen werden, sind aber auch welche, die in anderen Lehrkrankenhäusern ausgebildet wurden –  sich aber für Unna entscheiden, wenn es um die erste Anstellung geht. Für Chefarzt Nölker ein weiterer Beleg für Qualität und Renommee. Noch strukturierter als bisher sollen die Assistenzärzte demnächst ihre ersten Schritte in das Berufsleben tun. Nölker und sein Team denken über die Einführung eines Mentorenprogramms nach, bei dem erfahrene Ärzte die neuen quasi an die Hand nehmen.

Entscheidend für die Patienten ist eine gute Versorgung. Und Nölker hat in seiner bisher kurzen Zeit schon einige Fälle erlebt, die auch ihn als Profi beeindruckt hätten, wie er sagt. Da war die Weihnachtsfeier der Dialysepatienten, an der er teilnehmen durfte: Schwer kranke Menschen, denen das Team der Nephrologie „mit unheimlich großem Engagement“ begegne, so Nölker. „Diese Patienten danken es spürbar.“ Oder der Fall eines 20-Jährigen, gerade erst passiert: Schwer herzkrank sei der junge Mann von weit her nach Unna verwiesen worden. Mit einer speziellen Weste, sozusagen einem Defibrillator zum Anziehen, hat das Kardiologie-Team den Patienten ausgestattet – richtig und rechtzeitig. „Diesem Menschen haben wir das Leben gerettet“, sagt Nölker.

Es war nicht die erste Lebensrettung in Nölkers ersten 100 Tagen als Chefarzt. Und es wird sicher nicht die letzte gewesen sein. Seine Fälle zu zählen, sagt der Westfale Georg Nölker, sei aber nicht seine Aufgabe. „Wir müssen sie behandeln.“

Klinik wird noch moderner

Bei einem akuten Herzinfarkt kommt es auf Minuten an. Wertvolle Minuten gewinnt die Notfallversorgung in Unna nun, indem EKG-Daten noch aus dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Katharinen-Hospitals gefunkt werden. Das neue System war bereits in Planung, als Dr. Georg Nölker Kardiologie-Chefarzt wurde. Er konnte die Umsetzung anschieben. In seiner Verantwortung wurden nun acht elektronische EKG-Geräte angeschafft. Schon bald soll es der Vergangenheit angehören, dass die elektrische Herzaktivität auf Papier dargestellt wird, kündigt Nölker an. Die Patientenakten im gesamten Krankenhaus sind ohnehin schon digitalisiert, was viel Zeitersparnis bedeute.

Eine von Nölker eingeführte neue Behandlungsmethode hat schon 20 Patienten mit Kammerflimmern geholfen. Normalerweise wird zur Behandlung in dem Fall Gewebe an der Lungenvene im Herzen mit Hitze verödet. Ein neues Katheterverfahren verödet nun schonender mit extremer Kälte. Kryoablation heißt die Methode. Weitere Verfahren zur Behandlung von Vorhofflimmern, an deren Entwicklung Nölker beteiligt war, sollen im kommenden Jahr in Unna eingeführt werden.

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