Von Notknopf bis Rollator: Wie die VKU Senioren fit fürs Bus fahren macht

dzMobilität

Einsteigen, Ticket zeigen, hinsetzen, losfahren: Eigentlich klingt Bus fahren einfach. Doch wer altersbedingt nicht mehr ganz so fit ist, den stellt das Fahren mit dem Linienbus vor Probleme. Ein „Bus-Training“ hilft.

Unna

, 15.08.2019, 15:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hannelore Lehmann ist sofort dabei. „Los, ich teste das jetzt. Mal gucken, ob ich einen blauen Fleck kriege.“ Gesagt, getan: Die Seniorin stellt sich mitten in die Tür des Linienbusses. Der Fahrer drückt auf einen Knopf, die Tür schließt sich – doch Hannelore Lehmann wird nicht eingequetscht. Die Sensoren in der Dichtung der Tür haben erkannt, dass da jemand steht – und Hannelore Lehmann kommt ohne blaue Flecken davon. „Das war ja wirklich ganz sanft, da merkte man ja gar nichts.“ Zusammen mit weiteren Senioren der CDU lernt Hannelore Lehmann an diesem Tag die Feinheiten eines Busses kennen – Teil des Busfahrtraining der VKU.

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Gaby Freudenreich heißt die Frau, die Hannelore Lehmann und die anderen Senioren fit für den Bus macht. Und am besten geht das, wenn man sich erstmal einen Überblick verschafft. „Was entdecken Sie hier?“, fragt die VKU-Mitarbeiterin die im Bus sitzenden Senioren. „Kameras!“ Stimmt, überall sind die halbrunden schwarzen Kugeln an der Decke zu sehen. „Ach, das sind die Kameras? Da hätte ich gar nicht gewusst, dass die so aussehen“, stellt eine Teilnehmerin des Bustrainings überrascht fest.

Von Notknopf bis Rollator: Wie die VKU Senioren fit fürs Bus fahren macht

Hannelore Lehmann macht den Test: Die Tür geht sofort wieder auf, wenn die Sensoren merken, dass jemand im Türbereich steht. © Anna Gemünd

Gaby Freudenreich erklärt nicht nur, wieso die Kameras so aussehen, sie verrät auch: „Es gibt hier keinen toten Winkel, Sie werden überall gesehen. Und das auch, wenn der Busfahrer den Motor schon abgestellt hat.“ Denn bis zu 15 Minuten danach zeichnen die Kameras weiter auf, was im Bus passiert.

Das nächste, was den Teilnehmern auffällt, sind die kleinen Hämmer. Die roten Nothämmer hängen an mehreren Stellen im Bus, festgebunden an einem Drahtseil. „Wann würden Sie die denn benutzen“, fragt Gaby Freudenreich. „Wenn Feuer ausbricht?“, mutmaßt ein Teilnehmer. Gaby Freudenreich schmunzelt, hat mit der Antwort schon gerechnet. „Das sollten Sie auf gar keinen Fall tun. Wenn hier ein Feuer brennen würde und Sie ein Fenster einschlagen, bekäme das Feuer nur noch mehr Sauerstoff.“

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Die letzte Option: Sind die Bustüren nach einem Unfall blockiert, bleibt die Fensterscheibe als Ausstiegsoption. Eingeschlagen wird dieser Notausstieg mit einem Nothammer - immer an einer Ecke der Scheibe, weil dort die Spannung am geringsten ist. © Anna Gemünd

Aber, so beruhigt sie sofort: „Dass ein Feuer im Fahrgastraum eines Buses ausbricht, ist mehr als unwahrscheinlich.“

Nein, der kleine rote Hammer kommt zum Einsatz, wenn die Türen des Buses beispielsweise durch einen Unfall blockiert sind. „Wenn der Bus auf der Seite liegt und die Türen versperrt sind, dann können Sie mit dem Hammer eine Scheibe einschlagen, um darüber hinauszuklettern. Wichtig: Schlagen Sie immer in einer Ecke auf die Scheibe, denn dort ist die Spannung am geringsten“, erklärt Freudenreich.

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Üben für den Ernstfall: Karin Maus öffnet die Tür des Linienbusses über den Drehknopf oberhalb der Tür. © Anna Gemünd

Inklusion


Das Projekt „JederBus“

  • Anfang 2013 hat der Kreis Unna die VKU beauftragt das Projekt „JederBus – Inklusion erfahren“ durchzuführen.
  • Ziel ist es, allen Menschen möglichst große Mobilität zu ermöglichen. Der Ansatz: Mobilität darf nicht von Beeinträchtigungen oder Alter abhängig sein. „JederBus“ arbeitet eng mit Betroffenen zusammen, um dieses Ziel zu erreichen.
  • Es finden regelmäßig Workshops statt. Die Teilnehmer überlegen, gemeinsam mit der VKU, wie sie ihre Mobilität besser gestalten können. Daraus ergaben sich viele, verschiedene Teilprojekte wie beispielsweise das Bustraining für Senioren, das es in ähnlicher Form auch für Kinder gibt.

Doch so weit muss es ja gar nicht erst kommen: Viel wahrscheinlicher als ein Unfall, in dessen Folge allein der Ausstieg durchs Fenster bleibt, ist die Situation, dass die Türen des Buses nicht aufgehen. „Stellen Sie sich vor, der Fahrer ist bewusstlos und kann die Türen nicht mehr öffnen. Was machen Sie dann?“ Den Knopf über der Tür haben alle Senioren sofort entdeckt. Über diesen Notknopf lässt sich die Tür mechanisch öffnen – wenn man weiß, wie es geht.

Karin Maus probiert es aus. „In Pfeilrichtung drehen, steht da. Das mache ich doch. Wieso funktioniert es denn dann nicht?“ Was auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist: Der Drehknopf befindet sich hinter einem Plastikdeckel. „Den sieht man aber gar nicht. Das muss man echt wissen, wie das geht“, findet nicht nur Karin Maus. Ist der Deckel erstmal aufgeklappt, geht es ganz schnell: Karin Maus dreht den Knopf, die Tür öffnet sich einen Spalt und die Seniorin kann mit wenig Kraftaufwand die beiden Türflügel auseinander schieben. „Dafür ist so ein Tag echt gut, dass man sowas mal ausprobiert“, findet sie.

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Wie steigt man mit einem Rollator richtig aus dem Bus aus? Gaby Freudenreich zeigt es den Senioren. © Anna Gemünd

Wie steige ich mit einem Rollator richtig in einen Bus ein und aus? Wo stehe ich im toten Winkel des Busfahrers? Und wie verhalte ich mich bei einer Vollbremsung? Auch diese Fragen werden im Bustraining der VKU geklärt. Am Ende des Tages sind alle Teilnehmer um einige Tipps reicher – und keiner hat blaue Flecken.

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