Mobile Wohnhilfen: Streetworkerinnen bieten auch beim Fall im Bornekamp Hilfe an

dzFrauenforum im Kreis Unna

Die Streetworkerinnen des Frauenforums im Kreis Unna unterstützen als mobile Wohnhilfen Frauen, die in Wohnungsnot geraten sind. Auch der obdachlosen Frau im Bornekamp soll geholfen werden.

Unna

, 28.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wohnungslose Frauen wie etwa die Camperin im Bornekamp aufzuspüren und ihnen Unterstützung anzubieten gehört zu den Aufgaben von Anke Brink und Zora Lachermund. Die Streetworkerinnen vom Frauenforum des Kreises Unna sind als mobile Wohnhilfen dafür zuständig, Bedürftige auf dem Weg in gesicherte Wohnverhältnisse zu begleiten. Die Sozialarbeiterinnen wissen: Gerade bei Frauen spielt sich die Wohnungsnot oft im Verborgenen ab.

„Viele der Frauen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, sind formal gar nicht obdachlos“, sagt Brink. Gegen diese Frauen stehen etwa Räumungsklagen an oder es droht der Wohnraumverlust aufgrund von Kostenrückständen.

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Auch lebe ein großer Teil der Betroffenen bei Partnern oder Freunden. Dabei handele es sich aber meist nicht um gesunde Beziehungen, sondern um Abhängigkeitsverhältnisse, bei denen auch Gewalt oder Missbrauch eine Rolle spielen. Für Brink und Lachermund heißt es dann, in kurzer Zeit einen sicheren Wohnraum zu akquirieren, damit eine tatsächliche Wohnungslosigkeit gar nicht erst entsteht.

Streetworkerinnen hinterlassen Flyer am Zelt der Obdachlosen

Trotzdem komme es in einigen Fällen dazu - so wie offenbar auch bei der Frau, die seit mehreren Wochen in einem Zeltlager im Bornekamp lebt. Auch diese möchten Brink und Lachermund mit dem Hilfsangebot des Frauenforums erreichen und zurück in gesicherte Wohnverhältnisse führen - sofern es von der Betroffenen gewünscht ist.

Dafür hinterlassen die Streetworkerinnen einen Informationsflyer über die mobilen Wohnhilfen samt Kontaktdaten an der notdürftigen Wohnstätte. Ob das Angebot dann angenommen wird, sei jedoch nicht vorhersehbar: „Manche Menschen wollen sich auch nicht helfen lassen“, sagt Brink, „entweder aus Scham oder weil sie diesen Lebensstil für sich akzeptiert haben.“

Vermutlich seit April hat sich eine Frau im Zeltlager an der Bornekampstraße häuslich eingerichtet.

Vermutlich seit April hat sich eine Frau im Zeltlager an der Bornekampstraße häuslich eingerichtet. © Archiv

Letzteren Eindruck habe Brink auch beim Anblick des Zeltlagers im Bornekamp: „Die Frau hat es sich so häuslich wie möglich eingerichtet“, sagt sie. Mittlerweile dienen etwa Blumenkompost als Bepflanzung vor dem Eingangsbereich sowie eine Hundeleine als Türriegel. Auch stehen Grabkerzen zur Beleuchtung bereit. Mit Romantik habe das aber wenig zu tun, weiß Brink: „So ungeschützt zu leben ist menschenunwürdig“, meint sie. Auch der strenge Geruch in Zeltnähe deute darauf hin, dass das Leben ohne sanitäre Anlagen kein angemessenes ist.

Schicksalsschläge und psychische Probleme oftmals ein Grund für Obdachlosigkeit

Verwunderlich sei es für Brink daher auch nicht, dass Obdachlosigkeit oft mit Alkoholismus einhergeht. ,„Irgendwie muss man ja den Tag überstehen“, sagt sie. Außerdem gingen einer solchen Lebensweise oft Schicksalsschläge voraus; entgegen aller Klischees seien daher auch intelligente Menschen betroffen, etwa aufgrund psychischer Probleme oder sozialer Isolation.

Darum sei bei der Rückkehr in gesicherte Wohnverhältnisse auch begleitende Untersützung statt bloßer Vermittlung notwendig: Aus eigener Kraft schafften es die Betroffenen oft nicht aus der Obdachlosigkeit heraus.

63 Klientinnen seit Projektbeginn der mobilen Wohnhilfen erreicht

Umso schöner ist es für die Sozialarbeiterinnen, dass sie seit Projektbeginn in mehreren Fällen erfolgreich gewesen sind: In sieben Monaten konnten bislang 63 Klientinnen erreicht werden, für 36 davon wurde geeigneter Wohnraum gefunden oder die ursprüngliche Unterbringung gesichert. 19 weitere Fälle werden weiterhin begleitet. Möglicherweise, das hoffen Anke Brink und Zora Lachermund, zählt auch bald die Wohnungslose aus dem Bornekamp dazu.

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