„Einfach so“ hat Miu, mit bürgerlichem Namen Nina Graf, eine außergewöhnliche Musikkariere gestartet. Auch in Unna kam die Hamburgerin und ihre Band ausgesprochen gut an. © Sebastian Pähler
Konzert

Miu erobert die Herzen mit ihrer Musik – für den Kopf gibt es Meinung

Mit Miu hat es eine Künstlerin nach Unna verschlagen, die nicht nur mit ihrer Musik Eindruck zu machen versteht. Von der Bühne gibt es auch klare Statements an die Gesellschaft. Unna schätzte beides.

Wohlfühl-Pop aber mit Gehalt und jeder Menge Soul brachte am Mittwochabend Sängerin Miu mit ihrer Band auf den Platz der Kulturen. Die Lindenbrauerei hatte die Hamburgerin eingeladen und die zeigte sich froh, endlich auf der Bühne in Unna stehen zu können. Schließlich könnten grade Kulturschaffende „ein Lied davon singen“, so Miu, wie schwierig das vergangene Jahr für viele gewesen sei.

Ohne Corona-Beschränkungen verlief auch dieses Konzert nicht, aber mit festen Plätzen und reichlich Abstand war es schließlich möglich und das Publikum erschien zahlreich.

Einfach so Musikkariere

„Einfach so“, das könnte ein Lebensmotto von Miu, mit bürgerlichem Namen Nina Graf, sein. Einfach so entschied sie sich nach New York zu reisen, und dort im legendären Club „The Bitter End“ aufzutreten. Dabei eiferte sie Idolen wie Donny Hathaway oder Stevie Wonder nach. Es klappte, doch Plattenfirmen interessierten sich zunächst nicht für ihren „Modern Retro Soul“.

Einfach so entschied sie sich 2019 dann, ihr gleichnamiges Album mit Hilfe von Crowdfunding selbst zu produzieren und es schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der Soulcharts.

Mit „Modern Retro Soul“ wussten Sängerin Miu und ihre Band zu begeistern. © Sebastian Pähler © Sebastian Pähler

Es folgte ein Auftritt als erster Popact in der Hamburger Elbphilharmonie und eines ihrer Lieder fand 2020 in einem Hollywood-Film Verwendung.

Und trotz allem gab es für Miu nichts Schöneres, als wieder vor Menschen auftreten zu können. „Ich freue mich seit anderthalb Jahren auf den Moment, in dem man wieder in Gesichter schauen darf“, stellte sie fest. Und diese Gesichter brachte sie mit ihrer Musik zum Lächeln.

Eine runde Mischung

Der Soul sticht aus Mius Musik klar heraus und kontrastiert den leichtherzigen Pop, der gut ins Ohr und schnell in die Beine geht. Tanzen war zwar unter den Auflagen nicht möglich, doch „ihr dürft jetzt sehr energisch auf euren weißen Gartenstühlen rumruckeln“, erklärte die Hamburgerin bei der Ankündigung des Funk-Party-Blocks.

Doch auch leisere Balladen, über die Liebe und die Enttäuschungen des Erwachsenwerdens und amüsante Anekdoten in Liedform hatte sie im Programm und schließlich wurde es auch politisch.

Als Kind unserer Stadt war das Konzert am Mittwoch für Gitarrist Magnus Landsberg auch ein bisschen Heimatbesuch. © Sebastian Pähler © Sebastian Pähler

Die vergangenen Monate haben ihr Angst gemacht, so Miu, sie hätten gezeigt, wie eine Krise die Gesellschaft paltet und fragil werden lässt. Besonders geärgert habe sie sich über Äußerungen von Corona-Leugnern, die sich mit Sophie Scholl oder Anne Frank verglichen. Die Antwort der Band darauf war das Lied „The Reminder“ für dessen Video sie mit Zeitzeugen von NS- und SED-Diktatur zusammengearbeitet haben.

Dafür gab es vom Publikum kräftigen Applaus. Und das Gitarrist Magnus Landsberg ursprünglich aus Unna stammt, mag auch ein bisschen geholfen haben, die Zuschauerinnen und Zuschauer für diese außergewöhnliche Sängerin und ihre Band einzunehmen.

Unna am Abend

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