Unnas Stadtkirche hat ein weiteres Symboltier verloren. Der Wetterhahn wurde am Freitagnachmittag vom Turm der Stadtkirche abgebaut. Im November kann die Dachsanierung beginnen.

Unna

, 25.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Schraube musste dann doch gelöst werden über den Dächern der Stadt. Das Abnehmen des Wetterhahns von der Kirchturmspitze der Evangelischen Stadtkirche am Freitag war ein historischer Moment, gleichzeitig ein relativ simpler Vorgang. Nachdem der Abbau der zahlreichen Steinelemente inklusive der „Höllenhund“-Wasserspeier in diesem Jahr mehrere Tage sowie Werkzeug und Fachkunde von Steinmetzen erfordert hatte, brauchte es für dieses Tier nur zwei starke Männer.

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Demontage des Wetterhahns von der Stadtkirche

Ein historischer Moment: Der Wetterhahn, der sich jahrzehntelang über den Dächern von Unna im Wind drehte, wurde im Zuge der Turmsanierung abmontiert.
25.10.2019
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Gerüstbauer der Firma Weise ziehen seit fünf Wochen das Gerüst am Kirchturm bis hinauf zur Spitze.© Marcel Drawe
Tag für Tag wuchs die Konstruktion immer weiter, was viele Menschen in der Stadt verfolgten.© Marcel Drawe
Am Donnerstag erreichten die Gerüstbauer die Höhe des Wetterhahns. Mit seiner Demontage wurde nun die Dachreparatur eingeläutet.© Raulf
Das beinahe schon feierliche Abnehmen des Metalltiers verfolgten Schaulustige am Boden des Kirchplatzes. Einige durften mit hinauf zur Kirchturmspitze.© Marcel Drawe
Gerüstbauer Michael Jesgarz und Dietrich Schneider vom Evangelischen Kirchenkreis begutachteten den Hahn, mehr als 80 Meter über den Dächern der Stadt.© Ev. Kirchenkreis/Henryk Brock
Ekrem Uysal hob den Vogel schließlich von seiner Halterung...© Ev. Kirchenkreis/Henryk Brock
...und in diesem Moment war er frei.© Thomas Raulf
Der Gerüstbauer und trug den Hahn vorsichtig über das Gerüst zum Aufzug.© Raulf
Unten am Kirchplatz nahmen die Pfarrerinnen Barbara Dietrich (l.) und Renate Weißenseel den Hahn in Empfang.© Marcel Drawe
Der Vogel, der sich sonst über Unna im Wind dreht, war ein beliebtes Fotomotiv.© Marcel Drawe
Gern posierten sie für ein Erinnerungsfoto mit dem Hahn: die Pfarrerinnen Renate Weißenseel, Inga Schönfeld und Barbara Dietrich.© Marcel Drawe
Mancher nutzte die Gelegenheit, das rund einen Zentner schwere Metalltier zu fotografieren.© Marcel Drawe
Dieses Foto entstand im April 1959: Ein Bundeswehrhubschrauber hob nach einer Dachsanierung das mehrere 100 Kilogramm schwere Kreuz auf die Spitze des Kirchturms. Der Hahn wurde später aufgesetzt.© Privat

Eine Schraube hielt den Hahn

Der Wetterhahn stand mit einem Bein lose auf einem Stahldorn, der nach oben aus dem Kreuz ragt. Er drehte sich mit dem Wind und war daher nicht fest mit dem Kirchturm verbunden. Ganz ohne Werkzeug ging es aber auch nicht, wie sich zeigen sollte. Die Gerüstbauer Michael Jesgarz und Ekrem Uysal, die mit ihren Kollegen von der Firma Weise den Kirchturm eingerüstet hatten, begleiteten am Freitag eine Gruppe von Kirchenkreis-Vertretern, Journalisten und Fotografen hinauf zur Kirchturmspitze - erst per Aufzug, die letzten Gerüst-Etagen zu Fuß über Treppen und Leitern bis in 83 Meter Höhe. Denselben Weg musste dann noch einmal ein Schraubenschlüssel nehmen. Erst mit diesem Werkzeug konnte eine entscheidende Mutter gelöst werden, die den Hahn auf seinem Dorn festhielt.

Begleitet von Gerüstbauern, Fotografen und Pfarrern

Und dann war er frei. Vorsichtig trugen Jesgarz und Uysal das rund einen Zentner schwere, wertvolle Tier nach unten - die obersten Gerüst-Etagen zu Fuß über Leitern und Treppen, den Rest per Aufzug. „Ein bewegender Moment“, kommentierte Jürgern Düsberg, früherer Pfarrer an der Stadtkirche, der selbst zu den Zuschauern auf dem Gerüst gehörte.

Unten nahmen die Pfarrerinnen Renate Weißenseel, Barbara Dietrich und Inga Schönfeld den Metallvogel auf dem Kirchplatz in Empfang. Rund 60 Jahre hatte der Hahn auf der Kirchturmspitze gethront. Er ist weitgehend unversehrt, zeigt aber einige Spuren von Wind und Wetter der vergangenen Jahrzehnte, darunter ein Loch im Kopf. Es stammt vermutlich von einem Blitzeinschlag. Der Hahn war nach der letzten großen Dachsanierung in den 1950er-Jahren auf den Kirchturm gekommen. Zuvor war das deutlich schwerere Kreuz hoch oben installiert worden - mit einem Hubschrauber.

Als nächstes kommen die Dachdecker

Wann der Hahn wieder seinen angestammten Platz einnehmen wird, ist noch unklar. Für das weitere Vorgehen aber gibt es einen Plan. Noch im Herbst soll nun die Kupfer-Eindeckung des Turmdachs abgenommen werden. Bis ins kommende Jahr hinein werden dann die Dachdeckerarbeiten dauern, bis der Turm wieder neu eingedeckt ist.

Eine Fiale ist schon in der Steinmetzwerkstatt

Mit den Steinelementen vom Kirchturm geht es auch weiter. Eine der steinernen Fialen, die in diesem Jahr von den Ecken des Turms abgenommen worden waren, ist in die Werkstatt eines Steinmetzes transportiert worden. „Sie wird dort restauriert“, sagte Kirchenkreis-Architekt Christoph Schulte. Ein Auftrag für weitere Steinmetzarbeiten soll in Kürze vergeben werden.

Feuchtigkeit in Kombination mit baulichen Fehlern aus der Vergangenheit ist das Grundproblem der Sandsteinelemente. Viele wurden vor Jahrzehnten mit Mitteln behandelt, die sie vor dem Eindringen von Wasser schützen sollten. Heute weiß man, dass diese Schutzschicht nicht ganz dicht war und sogar die Verwitterung beschleunigt: Sie verhindert, dass Wasser aus dem Stein wieder nach außen entweichen kann.

Mit vielen Fotos: Der Hahn hat den Kirchturm der Unnaer Stadtkirche verlassen

Im April waren diese Fialspitze und ihr Unterbau von einer Ecke des Kirchturms abgebaut worden. Später folgten weitere der Schmuckelemente. Sie werden nun restauriert. © Sebastian Smulka

Kirche braucht Fördermittel

Der Kirchenkreis und die Stadtkirchengemeinde hatten bereits angekündigt, dass auf dem Kirchplatz Bauhütten eingerichtet werden sollen. Wann und wie es dort vorangeht, soll sich in den kommenden Wochen klären.

Allzu viel Zeit dürfen sich die Verantwortlichen mit dem Projekt nicht lassen. In der Finanzierung stecken Fördermittel, die noch in diesem Jahr eingesetzt werden müssen. Da die Baustelle auf dem Kirchplatz wachsen wird, kann der Platz deswegen nicht wie in früheren Jahren als Fläche für den Weihnachtsmarkt dienen. Davon betroffen sind insbesondere Vereine. Die Präsenz in Weihnachtsmarkthütten ist für die gemeinnützigen Initiativen eine wichtige Einnahmequelle.

Kirche braucht Spenden

Wichtig für das Sanierungsprojekt Stadtkirche sind Spenden, kleine wie große. Es gibt verschiedene Projekte, mit denen Geld für diesen Zweck gewonnen wird, wie die Steinpatenschaft, die im Rahmen des Stadtfests ins Leben gerufen worden war, oder das Kalenderprojekt. Überdies gibt es immer die Möglichkeit, Geld zu spenden, um die Sanierung des Kirchturms möglich zu machen.

Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten des Kirchenkreises unter www.unna-evangelisch.ekvw.de

Der Kirchenkreis hat zwei Spendenkonten eingerichtet. Sparkasse Unna: IBAN: DE27 4435 0060 1000 4233 82 Volksbank Unna: IBAN: DE73 4416 0014 6459 8902 01 Verwendungszweck: Stadtkirche
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