Mit vielen Bildern: Dortmunder Straße in Massen gesperrt für 125 Tonnen schweren Bohrer

dzAltlastensanierung

Die Firmenhalle ist abgerissen, der Riesenbohrer steht bereit: In Massen-Nord kann die zweite Phase der Altlastensanierung beginnen. Die Dortmunder Straße ist deswegen nun komplett gesperrt.

Massen

, 23.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Austausch belasteten Bodens aus der früheren Kokerei von Zeche Massen III/IV geht weiter. Das Riesen-Bohrgerät steht bereits an seinem Einsatzort: mitten auf der Dortmunder Straße.

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Seit Anfang des Jahres wird die Baustelle auf dem Gelände des Autoverwertungsbetriebs und auf der Straße daneben eingerichtet. Phase 2 des fünf Millionen Euro teuren Projekts läuft. 2018 war Phase 1 über die Bühne gegangen: Auf dem Betriebsgelände war belasteter Boden ausgebaggert und ausgebohrt worden. Die Löcher wurden mit sauberem Material gefüllt.

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Bildergalerie Massen III/IV Stand der Arbeiten

23.03.2020
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30 Meter ragt der Großbohrer in den Himmel. Mit der Maschine werden die unteren Schichten aus einer über 1300 Quadratmeter großen Fläche gebohrt.© Marcel Drawe
In der jetzigen Phase der Altlastensanierung in Massen-Nord ist die Dortmunder Straße gesperrt. Im Lauf des Aprils soll sie wieder halbseitig befahrbar sein.© Marcel Drawe
Damit das möglich ist, wird das Gelände nach Westen unter anderem mit Stahlträgern abgefangen.© Marcel Drawe
Bevor der Spezialbohrer sich in die Tiefe frisst, erledigen konventionelle Baumaschinen einen Großteil des Erdaushubs.© Marcel Drawe
Sie tragen rund 5400 Kubikmeter Boden ab. Was teerölbelastet ist, wird zu Deponieren gefahren. Das betrifft vor allem tiefere Schichten.© Marcel Drawe
Im Februar war die langgezogene Firmenhalle an der Dortmunder Straße abgerissen worden.© Neumann
Das ältere Luftbild zeigt die Fläche des Autoverwerters vor Beginn der Arbeiten, mit der Dortmunder Straße am unteren Bildrand. Das Foto entstand im Februar 2018. Interessant ist der Vorher-Nachher-Vergleich...© www.blossey.eu
...mit dieser Aufnahme, die erst wenige Wochen alt ist.© Raulf

Phase 2 läuft vom Prinzip genauso ab, wird aber größer. „Wir rechnen mit etwa doppelt so viel Material“, sagt Ludwig Holzbeck. Er ist als Umweltdezernent beim Kreis Unna für das Projekt verantwortlich. Der Kreis finanziert die Bodensanierung gemeinsam mit dem Verband für Altlastensanierung und Flächenrecycling (AAV). Insgesamt werden in den kommenden Monaten rund 10.000 Kubikmeter Erde ausgebaggert. Ende Juli oder Anfang August soll das Projekt abgeschlossen sein.

Dortmunder Straße derzeit komplett gesperrt

Autofahrer kommen im Moment an dieser Baustelle nicht vorbei. Die Dortmunder Straße ist in Höhe des Betriebsgeländes gesperrt. Bauarbeiter errichten eine Bohrpfahlwand, um die Baugrube nach Westen abzustützen. Sie bauen eine Leitplanke mit Schrammbord auf, damit die Baustelle abgesichert ist in der Phase, in der wieder Verkehr halbseitig daran vorbeifahren kann. Holzbeck kündigt an, dass die Vollsperrung noch zwei bis drei Wochen andauern werde, „je nach Baufortschritt“.

Halle abgerissen

Auf der Betriebsfläche wurde in den vergangenen Wochen die komplette, langgezogene Halle entlang der Straße abgerissen. Die Firma musste das Gebäude räumen und sich ein Stück zurückziehen. Versorgungsleitungen wurden im Vorfeld umgelegt, damit der Betrieb weitergehen kann. Die Zufahrt erfolge nun über die Nordstraße, so Holzbeck.

Die Sanierungsfirma muss bis in sieben oder acht Meter Tiefe vordringen, um den giftbelasteten Boden zu entfernen. Darin wurden polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nachgewiesen (PAK). Sie werden landläufig Teeröl genannt und gelten als krebserregend. Zunächst wird die obere Bodenschicht mit normalen Baumaschinen abgetragen. Der Aushub wird zwischengelagert und untersucht. Je nach Belastung kommt die Erde zu bestimmten Deponien.

Bohrer wiegt 125 Tonnen

Es entsteht eine riesige Grube, in der rund 5400 Kubikmeter Material fehlen. Darin kommt dann ein Spezialbohrer zum Einsatz, der bereits vor Ort gut zu sehen ist: Die Maschine ist 30 Meter hoch und wiegt 125 Tonnen. Die Maschine wird ab Mai oder Anfang Juni rund 700 Löcher bohren und so Loch für Loch die gesamte Fläche quasi ausstanzen.

Grundwasser wird gefiltert

Bevor dieser Bohrer bohrt, sollen konventionelle Bagger möglichst viel erledigen, denn das Bohrgerät ist teuer. Rund 6000 Euro kostet ein Betriebstag. Es gibt aber einen Punkt, an dem es mit Baggern, Radladern und Raupen nicht weitergeht: „Sobald wir auf Grundwasser stoßen, müssen wir das Großbohrgerät einsetzen“, erklärt Holzbeck.

Apropos Grundwasser: Es gibt eine Reihe technischer Vorkehrungen auf dem Gelände, damit während der Bauarbeiten keine Giftstoffe freigesetzt werden. Dazu gehört auch eine Grundwasserreinigungsanlage. Pumpen fördern Wasser aus der Grube, dann wird es mit Kohlefiltern von Belastungen gereinigt.

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