Dieser Abend war ein Genuss – da waren sich die allermeisten Besucher der 21. Auflage des Klassik Open Air einig. Die Neue Philharmonie Westfalen und der Pianist Martin Stadtfeld glänzten.

Unna

, 01.09.2019, 21:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kann sich eine Stadt sympathischer präsentieren als an diesem Sonntagabend? Wohl kaum – die stimmungsvolle Atmosphäre in Unnas guter Stube, auf dem Alten Markt, dürfte seinesgleichen suchen.

Mehrere hundert Menschen waren gekommen, um der Neuen Philharmonie Westfalen und dem Pianisten Martin Stadtfeld zuzuhören. Dafür reichten natürlich auch in diesem Jahr die aufgestellten Stühle nicht aus. Und auch die Gastronomie auf dem Marktplatz hatte keine Plätze mehr frei.

Besucher bestens vorbereitet

Die Besucher kennen das bereits und waren bestens vorbereitet. Viele brachten Klappstühle mit, andere fanden einen Platz auf dem Eselsbrunnen und viele blieben auch einfach stehen. So ungewöhnlich ein Marktplatz als Ort für ein Klassikkonzert ist – in Unna ist das längst ein Selbstläufer.

„Ich glaube, es werden jedes Jahr mehr Leute“, freute sich Generalmusikdirektor Rasmus Baumann als Leiter der Neuen Philharmonie Westfalen über die tolle Resonanz. Das Orchester und das Verastaltungsformat Klassik Open Air sind in einem Zuge zu nennen. Nur einmal bestritt nicht die Neue Philharmonie das Konzert, sondern die „Zwölf Hellweger Cellisten“.

Baumann: „Nahezu ideales Wetter“

Nach dem Gewitter in der Nacht zum Sonntag und dem Regen am Vormittag des Veranstaltungstages hielt das Wetter glücklicherweise, was die Meteorologen vorher versprochen hatten. Der Himmel klarte auf, Baumann sprach von „nahezu idealem Wetter“. Der Dirigent erinnerte an den Auftritt seines Orchesters in der Villa Hammerschmidt. Dort seien die Musiker bei über 30 Grad an ihre Grenzen gegangen.

Zwischen dem Auftritt in Bonn und dem Konzert in Unna lagen nicht nur einige Grad Celsius, sondern auch die Sommerpause der Neuen Philharmonie. Das 21. Klassik Open Air war nach sechs Wochen der Einstieg in die neue Saison.

Klassik-Neulinge im Publikum

Unnas Bürgermeister Werner Kolter dankte den Sponsoren, die die Freiluftveranstaltung überhaupt erst möglich machen: Das sind die Kulturstiftung der Sparkasse Unna-Kamen, die Stadtwerke Unna, der Kreis Unna und der Hellweger Anzeiger.

Durch dieses Engagement ist das Klassikkonzert seit jeher für Besucher kostenlos. Und so finden sich in den Reihen der Zuhörer immer wieder auch Menschen, die sonst keine Konzertsäle aufsuchen.

Es ist so etwas wie „barrierefreier Klassikgenuss“, den die Menschen genießen können. Da sei es verziehen, dass es auch zwischen den einzelnen Sätzen Applaus gab. Der zeugt nämlich vor allem von der großen Begeisterung des Publikums. Zurecht, denn die Musiker glänzten bei beiden aufgeführten Werken.

Brahms zum Auftakt

Den Auftakt machte Johannes Brahms‘ 2. Klavierkonzert. Baumann erklärte dem Publikum, dass es auch Kritiker gibt, die sagen, das Werk sei gar kein echtes Klavierkonzert, weil Orchester und Pianist viel miteinander in Dialog treten. „Das ist kein Virtuosenkonzert wie bei Chopin oder Liszt. Es geht nicht darum, den Pianisten zur Schau zu stellen“, erklärte der Dirigent dem Publikum.

Tatsächlich legte sein Orchester nicht nur den Klangteppich für das Spiel des europaweit geachteten Pianisten Martin Stadtfeld. Nachdem die Philharmonie und Stadtfeld bereits Mozart und Beethoven gemeinsam musiziert hatten, gab es nun also Brahms.

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21. Klassik Open Air Unna

Beim 21. Klassik Open Air in Unna musizierte die Neue Philharmonie Westfalen gemeinsam mit dem bekannten Pianisten Martin Stadtfeld. Veranstaltungsort war einmal mehr der Alte Markt in Unna – nur sechs mal musste das Konzert in der Vergangenheit wetterbedingt verlegt werden.
01.09.2019
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Mit Klapp- und Regiestühlen waren viele Besucher ausgestattet.© Udo Hennes
Der Alte Markt war voller interessierte Konzertbesucher.© Udo Hennes
Die Neue Philharmonie Westfalen gestaltete das Konzertformat schon zum 20. Mal.© Udo Hennes
Martin Stadtfeld spielte das 2. Klavierkonzert von Brahms.© Udo Hennes
Die Neue Philharmonie Westfalen beendete mit dem Konzert ihre Sommerpause.© Udo Hennes
Ein eindrucksvolles Bild: Die gute Stube Unnas als Konzertort.© Udo Hennes
Generalmusikdirektor Rasmus Baumann hatte als Dirigent der Neuen Philharmonie Westfalen die Gesamtleitung.© Udo Hennes
Die Streicher sind wichtiger Bestandteil eines jeden Orchesters.© Udo Hennes
Platz ist auf der kleinsten Ecke – wie hier am Eselsbrunnen.© Udo Hennes
Selbst der Hund Bella hatte offensichtlich Vergnügen am Spiel der Musiker.© Udo Hennes
Applaus auch in der ersten Reihe. Neben Bürgermeister Werner Kolter und Landrat Michael Makiolla waren auch Sponsorenvertreter dabei.© Udo Hennes
Verstehen sich prima: Generalmusikdirektor Rasmus Baumann (rechts) und der Pianist Martin Stadtfeld, der erstmals in Unna spielte.© Udo Hennes

Für das Publikum wurde die Darbietung ein Genuss. Die Harmonie zwischen Orchester und Pianist war beeindruckend. Mucksmäuschenstill verfolgten die Zuhörer den Vortrag von der großen Bühne. Und selbst Menschen, die den Marktplatz am Rande passierten, schenkten der Veranstaltung den nötigen Respekt. Sie verhielten sich in der Regel ruhig – da konnte schon eher das im Landeanflug auf Dortmund befindliche Flugzeug als Störung empfunden werden.

Kompositionen aus glücklichen Zeiten

Leider verließen in der Pause einige Besucher den Alten Markt. Möglicherweise war nicht jedem bewusst, dass noch ein zweiter Teil folgen sollte, in dem das Orchester – dann ohne Martin Stadtfeld – Robert Schumanns 3. Sinfonie musizierte.

Die Freundschaft zwischen Brahms und Schumann machte Baumann zum Motto des Konzertabends. Tatsächlich aber unterscheiden sich die beiden Werke deutlich voneinander. Gemein haben sie, dass sie geschrieben wurden, als ihre Komponisten glückliche Zeiten erlebten.

„Bravo“-Rufe für die Musiker

Schumanns 3. Sinfonie – bekannt als „Die Rheinische“ – ist besonders. So besteht sie entgegen aller Regeln der damaligen Zeit aus fünf Sätzen, der vierte ist eingeschoben. Selbst Schumanns Frau Clara habe gesagt, dass sie diese Musik nicht verstehe, erklärte Baumann.

Ob ungewöhnlich oder nicht: Das Piublikum war begeistert. Und zwischen den einzelnen Sätzen gab es trotz eines versteckten Hinweises des Dirigenten nicht nur wieder Applaus, sondern sogar „Bravo“-Rufe.

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