Ein neueres Foto von Werner Kolter im Rathaus entstand bereits ohne Krawatte: Mit seinem Amt gibt der scheidende Bürgermeister viel Verantwortung ab - aber noch längst nicht alle Aufgaben. © Stadt Unna
Werner Kolter

Mit vielen Bildern: Der Bürgermeister nimmt Abschied und will ein engagierter Unnaer bleiben

16 Jahre als Bürgermeister, fast vier Berufsjahrzehnte für die Heimatstadt: Werner Kolter hinterlässt Spuren in Unna - und er will gern engagiert bleiben. Ein Porträt.

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November passiert es. Wenn die Amtszeit von Unnas neuem Bürgermeister Dirk Wigant beginnt, endet automatisch die Ära Werner Kolter. In 16 Jahren als Bürgermeister hat Kolter sich den Respekt und die Anerkennung vieler Menschen erworben, Gutes erreicht, aber auch schwere Entscheidungen begleiten müssen. Beides wirkt über seine Amtszeit hinaus.

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Corona-Krise überschattet Laufbahn-Abschluss

Deren Ende war von einer Krise geprägt, die Kolter in den fünfzehneinhalb Bürgermeisterjahren zuvor, überhaupt in 40 Jahren beruflicher Laufbahn nie erlebt hatte. Niemand, der wie der 1949 geborener Unnaer im Nachkriegsdeutschland aufgewachsen ist, hat einen Einschnitt wie Corona schon erlebt. In Unna sei bisher zum Glück viel Akzeptanz für die verhängten Schutzmaßnahmen spürbar gewesen, sagt Kolter, viel Verständnis dafür, „dass es hier um Solidarität geht“. Als seriöser Politiker, den viele schätzen, weist er zudem darauf hin, dass es nach seiner Einschätzung genauso sein muss, gerade jetzt, angesichts des neuen Halb-Lockdowns: „Ich habe immer persönlich das Gefühl gehabt, dass man das sehr ernst nehmen muss.“

Sorge, was Corona mit den Menschen macht

Ernst allerdings sind auch die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen auf viele Bereiche. „Ich kann die Sorgen teilen, die die Menschen haben“, sagt Kolter. Er nennt Gastronomen, Mitarbeiter in der Reisebranche oder Kulturschaffende als Beispiele. Gerade die vielen kleinen Selbstständigen stünden „im besonderen Maß mit dem Rücken zu Wand“, so Kolter. „Bei allen Hilfen bleibt es existenzbedrohend.“

Werden die Menschen wie im Frühjahr jetzt wieder überwiegend akzeptieren, was ihnen abverlangt wird? Kolter erklärt, die Hoffnung habe er, „aber auch Sorgen, dass die Bereitschaft, sich über einen längeren Zeitraum einzuschränken, in eine Bewährungsprobe gerät“.

2005, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, durfte Werner Kolter auf dem neuen Fußballplatz in Königsborn eine Runde kicken. Unna investierte trotz hohen Finanzdrucks in die sportliche Infrastruktur. © Archiv © Archiv

Die Stadt der Solidarität

Corona habe in diesem Jahr indes auch gezeigt, zu welch großer Hilfsbereitschaft die Unnaer Stadtgesellschaft imstande ist: Spendeninitiativen für Bedürftige, Aktionen in Künstlerkreisen und einiges mehr. „Vielleicht ist das Gefühl der Solidarität ein Stück gewachsen“, meint Kolter. Seine Heimatstadt schätze er ohnehin als einen Ort von überschaubarer Größe. „Hier kennen sich viele Menschen einfach noch.“ Kolter beschreibt die Netzwerke in der Stadtgesellschaft, die viele Projekte ermöglicht hätten, als ungeheuer nützlich. Ein Kind dieser Gesellschaft ist die 2006 gegründete Bürgerstiftung. „So etwas finden Sie nicht in allen Städten“, sagt Kolter, der dem Stiftungsrat vorsitzt.

Miteinander statt Hass

Unna sei eine Stadt des Miteinanders. Kolter zeigt sich zufrieden, ein Stadtklima mitgestaltet zu haben, das tolerant ist. Fremdenhass und Rassismus hätten in Unna kaum Chancen. Im Stadtrat gibt es keine rechtsradikalen Parteien, die AfD ist in Unna gar nicht erst zur Wahl angetreten. Gab es doch mal Versuche der Stimmungsmache, dann trat diesen immer ein großer Teil der Zivilgesellschaft entgegen, mit „bunten“ Feiern, multireligiösen Gebeten oder friedlichen Festen. „Und da gehört ein Bürgermeister dann auch hin“, sagt Kolter.

Stadt positiv entwickelt

Auch die Innenstadtentwicklung sei kooperativ erfolgt. Die Stadt habe sich gut entwickelt, „nicht nur in meiner Amtszeit“, so Kolter. Unna nehme einen sehr guten Platz ein unter den Städten in der Region, sagt der scheidende Bürgermeister auch mit Blick auf Gewerbe und Industrie, auf „sichere und gute Arbeitsplätze“. Teils unterschätzt werde auch der Wochenmarkt, „den wir sehr attraktiv entwickeln konnten. Das ist ein Magnet für Menschen, in die Stadt zu kommen“. Es passt ganz gut, dass am Wochenende, an dem Werner Kolters Amtszeit endet, das Projekt Christliches Klinikum Unna beginnt. Die Fusion der beiden einst wirtschaftlich und konfessionell getrennten Kliniken wird jetzt wirksam. Die Fusionsgespräche habe er als Aufsichtsratsmitglied im Evangelischen Krankenhaus von Anfang an begleiten dürfen. Das Ergebnis, das jetzt gefeiert wird, sei „für Unna von zukunftsweisender Bedeutung“.

Schwierige und unpopuläre Entscheidungen

Das Gesicht der Stadt trägt aber auch Narben. Das Freizeitbad wurde in Kolters Amtszeit geschlossen, und das Thema sei „in Massen immer noch eine offene Wunde, das ist mir bewusst“, sagt er. Man habe seinerzeit wegen hoher Kosten abwägen müssen und diese schwierige Entscheidung gefällt. Eine ähnliche Diskussion in jüngerer Vergangenheit um die Eishalle: Der Rat habe mehrheitlich entschieden. Dann gab es den Bürgerentscheid, der diesen Beschluss kassierte. „Da muss man jetzt sorgfältig dran arbeiten“, sagt Kolter.

Manches dauert eben länger. Für den Bürgermeister sei es mitunter eine Kunst, wichtige Projekte gleichmäßig zu priorisieren. „Einer muss mal warten“, sagt Kolter. Und er bedaure es, dass während seiner Amtszeit Bund und Land die Kommunen nicht in dem Maß finanziell ausgestattet hätten, wie es nötig war, sodass auch schmerzhafte und unpopuläre Schritte wie die Grundsteuererhöhung nötig geworden seien.

Trotz allem Investitionen in Sport und Bildung

Trotzdem gelangen in Unna Sportplatz-Neubauten, die notwendigen Sanierungen von Schulgebäuden oder der Stadthalle konnten angegangen werden. Kolter freut es, dass es inzwischen doch einen Beschluss gibt, eine „erstklassige neue Schule“ am Hertinger Tor zu bauen. Dass er sich diese ein paar Jahre früher gewünscht hätte, gibt Kolter zu. „Nicht um das rote Band durchzuschneiden. Ich hätte sie mir für die Stadt gewünscht.“ Jetzt endlich werde „mit voller Kraft“ geplant. Und so müsse es als Nächstes mit der Massener Realschule weitergehen.

Abschied „nur“ vom Bürgermeisteramt

Nun freut Werner Kolter sich, viele Termine nicht mehr zu haben, viel Verantwortung und Druck abgeben zu können. Von seinen Hauptaufgaben und den Menschen, die damit zu tun haben, hat der scheidende Bürgermeister in den vergangenen Wochen Abschied genommen. Es ist die Verwaltung seiner Heimatstadt, mit der er selbst seit über 40 Jahren beruflich verbunden ist.

2004 hatte er sich erstmals erfolgreich als Bürgermeister beworben – aus der Position des Beigeordneten heraus, wie nun sein Nachfolger. Zuvor hatte Werner Kolter nach seinem Verwaltungsstudium schon in den späten 70er- und den kompletten 80er-Jahren bei der Stadt Unna gearbeitet, um dann nach fünf Jahren in Oberhausen wieder im Unnaer Rathaus Verantwortung zu übernehmen. Dass Werner Kolter jetzt das Abschiednehmen an einigen Stellen sehr nah gegangen ist, dürfte nicht überraschen.

Der letzte Arbeitstag im Rathaus brachte eine kleine Überraschung und einige Tränen der Rührung. Mitarbeiter nahmen Abschied von ihrem Chef Werner Kolter. © Stadt Unna © Stadt Unna

Gerne weiterhin helfen, aber nicht einmischen

Für Unna zu tun hat Kolter aber auch als Altbürgermeister noch. Es gibt einige Aufgaben, die später auslaufen als seine Amtszeit. Kolter wirkte und wirkt mit in der Bürgerstiftung und in Sparkassengremien, beim Lebenszentrum und in der Krankenhausgesellschaft, er ist Vorsitzender des DRK in Unna und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft. Und darüber hinaus will er sowieso nicht weg, wie er unserer Redaktion verriet. Sein Unna liegt Werner Kolter weiter am Herzen. Er wolle sich nirgendwo von sich aus einmischen. Vielen Vertrauten aber bietet er an, auch später noch für Fragen oder Einschätzungen zur Verfügung zu stehen, sofern jemand Bedarf hat.

Er werde nun sicher auch mal spontaner mit seiner Frau zum Wochenendhaus an der Nordsee aufbrechen können. Aber den bereits aufkeimenden Gerüchten, dass er sich komplett dorthin absetzen werde, begegnet er mit einem Lächeln. „Ich ziehe nicht weg. Ich werde ein begeisterter Unnaer bleiben.“

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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