Mit Erdnussbutter zum Sieg: Literaturpreis für junge Autorin aus Unna (19)

dzKultur

Eine Lesereise durch ganz NRW und das eigene Gedicht auf einer Postkarte: Darauf kann sich Michelle Giering jetzt freuen. Die Abiturientin aus Unna hat einen Literaturpreis gewonnen.

Unna

, 23.10.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erdnussbutter. Mit Erdnussbutter hat Michelle Giering den Nachwuchspreis des Landeswettbewerbs „postpoetry.NRW“ gewonnen. Ihr Gedicht „Erdnussbuttertage“ überzeugte die Jury – und bringt die junge Unnaerin nun auf eine Lesereise durch ganz Nordrhein-Westfalen.

Doch zuvor geht es nach Wuppertal. In der dortigen Stadtbibliothek findet am 8. November die öffentliche Preisverleihung mit Kurzlesungen und Gesprächen statt. 1500 Euro bekommt Michelle Giering für ihren Nachwuchspreis; zusätzlich wird sie im Rahmen eines Workshops von einem der erwachsenen Preisträger gecoacht.

Überzeugt hat die 2000 geborene Michelle Giering, die bereits 2011 einen Schreibwettbewerb im ZIB gewann, mit ihrer lyrischen Beschreibung des Genusses von Erdnussbutter. „Fast wie die Beschreibung einer Filmszene liest sich die Eröffnung des Gedichtes - der Leser folgt einem Sonnenstrahl über Einmachgläser und Krümel auf dem Boden einer Küche. Das Gefühl einer Lähmung, einer Mischung aus Resignation und Eifer macht sich breit“, so die Jury in ihrer Laudatio.

Erdnussbuttertage

Sonne durch Fensterscheiben

bricht sich an Einmachgläsern und beleuchtet

die Krümel in der Masse, auf dem Küchenboden.

Zeit tropft zähflüssig durch meine Finger,

verklebt die Luft erdrückend süß.

Der Geschmack ist was für Kenner, sagst du schmatzend,

und ich weiß das Ungewöhnliche nicht zu schätzen.

Du schmierst Worte um deine Lippen

und ich lecke sie ab.

Erdrückend schmiegen sich Erwartungen an meinen Gaumen.

Mein Hals schwillt an:

Ich bin allergisch.

„Elegant erweckt die Lyrikerin Gefühle von Hilflosigkeit - ein taten- und machtloses Zuschauen und -hören, fehlendes Verständnis, eine Atmosphäre so dick, dass man sie nicht atmen kann und schließlich erstickt“, so die weitere Begründung der Jury für die Auszeichnung des Gedichts von Michelle Giering.

Geschrieben habe sie schon immer gerne, sagt Giering in ihrer Kurzbiografie über sich selbst. „Nachdem ich meine Kindheit damit verbracht habe, Geschichtenanfänge auf dem Familiencomputer in die Tasten zu hauen, und in meinen Teenagerjahren endlich mal ein paar Kurzgeschichten fertiggestellt habe, versuche ich mich seit einer Weile auch an Lyrik“, so Giering. Offenbar ziemlich überzeugend, wenn man dem finalen Satz der Laudatio glaubt: „Wie Erdnussbutter zwischen den Zähnen hängt, so wird man das Gedicht nach dem Lesen einfach nicht los.“

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