Mit „Baggerschaufeln im Kleinformat“ zum Erfolg

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Stahlbau Merten kennen die Unnaer als die „Männer, die die Schilder aufstellen“. Doch das Familienunternehmen am Zimmerplatz in Königsborn ist weltweit aktiv - und das nicht mit Schildern.

Königsborn

, 06.11.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neue Tempo 30-Schilder am Ringtunnel, die Verankerung des Bronzereliefs am Alten Markt und natürlich auch Poller, sei es im Bornekamp oder am Pestalozzi-Gymnasium: Wenn die Mitarbeiter von Stahlbau Merten in Unna zu sehen sind, dann wird in aller Regel etwas verschraubt, befestigt oder neu aufgebaut. Dass das Familienunternehmen das, was es am Zimmerplatz in Königsborn produziert, auch in alle Welt ausliefert, wissen die wenigsten.

„Baggerschaufel im Kleinformat“ nennt Christian Merten das, was im Fachjargon „Elevator-Becher“ heißt. Tatsächlich haben die Behälter aus Stahl etwas von Schaufeln und genau wie Schaufeln dienen sie dazu, Material zu transportieren - von unten nach oben. „Alles, was senkrecht nach oben befördert werden muss und Schüttmaterial ist, wird über solche Elevator transportiert“, erklärt Christian Merten.

In Zementwerken, im Bergbau aber auch in der Lebensmittelindustrie kommen die Kisten zum Einsatz. „Das kann Kies, Zement, Kalk, aber auch Glasperlen oder Kaffee sein, was damit bewegt wird“, sagt Merten. Entsprechend klein oder groß fertigen die Metallbauer in Königsborn die Kisten dann auch an: Von 8 Millimetern bis zu zwei Metern Größe reichen die Maße, die Mertens produzieren kann.

„Das hat schon mein Großvater gemacht. Da solche Kisten ein Verschleißartikel sind und in vielen verschiedenen Branchen gebraucht werden, ist das ein wichtiger Geschäftszweig für uns“, erklärt Christian Merten, wieso er auf die Produktion der „Baggerschaufeln im Kleinformat“ setzt.

Die Firma im Porträt

Stahlbau seit 1926

  • Die Idee: Mit selbst gefertigten Stahlprodukten für den Anlagenbau und die Fördertechnik hat Stahlbau Merten seine Nische gefunden. Die Königsborner fertigen Förderzubehör für Zementwerke, bauen Anlagen für Kraftwerke und stellen individuelle Schaufelbecher (sogenannte „Elevator-Becher“) für Unternehmer her, die Schüttgut wie Kies, Granulat, Kohle oder auch Kaffee transportieren müssen. Für Privatkunden baut Stahlbau Merten Tore, Gitter und Zaunanlagen. 2000 kam der Bereich Verkehrstechnik hinzu. Dieser umfasst alle Arten von Baustellen-Beschilderungen, Schilder-Montage und auch die Fahrbahnmarkierung.
  • So machen sie das: 1926 gegründet, entstand 1950 die heutige Produktionsstätte am Zimmerplatz. Diese wurde 1980 vergrößert. Seit 1986 steht mit Christian Merten die dritte Generation an der Firmenspitze; sein Sohn Jonathan (21) ist ebenfalls Metallbauer. Die Firma beschäftigt aktuell 20 Mitarbeiter und bildet drei Lehrlinge aus.
  • So geht es ihnen: Mit der Spezialisierung auf die „Elevator-Becher“ hat sich Merten einen Namen gemacht und liefert weltweit aus. Die Umstellung auf eine moderne, energieeffiziente Technik ist mit der neuen Laserschneideanlage in vollem Gange.

Als Zulieferer für diese Spezialanfertigungen hat sich das Unternehmen aus Königsborn einen Namen gemacht und liefert mittlerweile weltweit aus. „Es gibt deutschlandweit vielleicht drei oder vier Betriebe, die sich darauf spezialisiert haben“, weiß Christian Merten.

Er ist bereits die dritte Generation Merten, die den Stahlbetrieb führt. Vor über 90 Jahren machte sich sein Großvater als Kunst- und Waffenschmied selbstständig. „Das war noch eine ganz andere Zeit. Vieles von dem, was mein Großvater gelernt hatte, gilt heute als Kunstschmiedearbeit“, schwärmt Christian Merten von den früheren Handwerksarbeiten. Selbst geschmiedete Lampensockel oder eine kunstvoll verzierte Spitze eines Zaunelements zeugen von der Kunstfertigkeit des Firmengründers.

Kunstschmied hat auch Christian Merten nicht mehr gelernt. Er ist Metallbauer - genauso wie sein Sohn Jonathan, der in wenigen Wochen seine Abschlussprüfung in dem Metier ablegt und als vierte Generation Merten in den Startlöchern steht.

„Natürlich hilft das, wenn man sich als Familienunternehmen über viele Jahrzehnte einen Namen gemacht hat“, sagt Christian Merten, „doch man darf trotzdem nicht übersehen, dass im Handwerk gerade ein großer Umbruch stattfindet. Man muss sehr aufpassen, dass man die aktuellen Entwicklungen nicht verpasst.“

Mit der Anschaffung einer neuen Schneideanlage, die mit der Faser-Lasertechnologie arbeitet, hat Christian Merten auf diese Umbrüche im Stahlbau reagiert. „Sie schneidet Bleche, die bis zu 35 Milimeter dick sind“, erklärt Merten. Wie filigran die Maschine dies macht, mag man von Außen kaum vermuten, sieht sie doch auf den ersten Blick aus wie das klobige Anbauteil eines Raumschiffs.

Mit „Baggerschaufeln im Kleinformat“ zum Erfolg

Firmeninhaber Christian Merten zeigt eine Silhouette aus Edelstahl, die die neue Laserschneideanlage binnen Sekunden geschnitten hat. Mitarbeiter Björn Grabarczyk bedient die Maschine. © UDO HENNES

Doch der Laser in ihrem Innern arbeitet höchst präzise: Binnen Sekunden schneidet er eine vorher einprogrammierte Silhouette von Unna in ein Edelstahlblech - und sogar die dünnen Beinchen des Unnaer Esels gelingen mühelos. „Das würde man von Hand vermutlich nur unter allergrößten Mühen hinbekommen“, meint Merten.

Es sind solche Technologien, die auch in der Ausbildung eine viel größere Rolle spielen sollten, findet Merten. „Die Ausbildung ist schon etwas verstaubt. Ich finde, dass da gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel einiges getan werden müsste“, sagt Merten.

Dass sich in Unna in diesem Jahr viel getan hat, diverse Baustellen zu beschildern waren und neue Poller gesetzt wurden, war für Stahlbau Merten ein Gewinn. Dennoch macht die Verkehrstechnik nur den kleineren Teil der Betriebstätigkeit aus. Und stimmt er denn, der Eindruck, den viele Unnaer haben, dass ihre Stadt die Poller-Hauptstadt schlechthin sei? Christian Merten muss schmunzeln: „Wir sind ja im ganzen Kreisgebiet unterwegs, was Verkehrstechnik angeht und ich muss sagen: Unna liegt mit seinen Pollern nicht über dem Durchschnitt.“

Hier geht es zur Homepage von Stahlbau Merten
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