Millionenvermögen, aber kaum Zinsen: So bringt Stiftung trotzdem Geld für gute Zwecke auf

dzBürgerstiftung Unna

Eine Erbschaft erhöht das Kapital der Bürgerstiftung Unna auf 6,7 Millionen Euro: Rekord. Doch dieses Riesenvermögen bringt wenig Zinsen. Das Gemeinwohl fördert die Stiftung vor allem aus einer anderen Quelle. Jeder kann helfen.

Unna

, 27.10.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Familie Gröpper in Bönen gibt es nicht mehr, ihr Name aber wird nun ewig mit Wohltätigkeit im Raum Unna verbunden sein. Schon vor Jahren hatte die Familie per Testament geregelt, dass ihr nennenswertes Vermögen der Bürgerstiftung Unna zugute kommt. Zu jener Zeit lebten noch die betagte Mutter und ihre zwei Kinder, und es war klar, dass diese keine Nachkommen mehr bekommen. Die Gröppers hatten von der Unnaer Stiftung erfahren, die in Bönen kein Pendant hat, und an welchen Stellen sie Gutes tut.

Geld für Projekte in der Region

Projekte, die in die Region hineinwirkten, hätten die Familie überzeugt, erinnert sich Werner Overwaul vom Vorstand der Bürgerstiftung. Das Heilig-Geist-Hospiz, die Werkstatt im Kreis Unna, die Lebenshilfe und das Lebenszentrum sind Einrichtungen, die Menschen aus der Region in verschiedenen, schwierigen Lebenslagen unterstützen, sei es schwere Krankheit, schlechte Berufschancen oder eine Behinderung. Und die Bürgerstiftung fördert diese Einrichtungen verlässlich.

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So funktionieren Bürgerstiftungen

Der größte Stiftungsfonds in Unna

Mangels Erben hatten die Gröppers bereits einen Stiftungsfonds mit hohem Kapital unter dem Dach der Bürgerstiftung eingerichtet. Und in diesem Jahr nun sei die letzte Person aus der Familie verstorben, so Overwaul. Eine Erbschaft in Höhe von 740.000 Euro fällt der Bürgerstiftung Unna zu. Der Familie-Gröpper-Stiftungsfonds wächst damit auf über 1,3 Millionen Euro Kapital und ist damit der größte der inzwischen 28 Einzelfonds.

Aufbau

Stiftung, Stifter und Fonds

  • 572 Personen, Familien oder Unternehmen sind Stifter in der Bürgerstiftung Unna. Privatleute stiften mindestens 250 Euro, Firmen 1000 Euro.
  • Ab 25.000 Euro Kapital können Personen oder Familien Stiftungsfonds unter ihrem Namen einrichten lassen. Sie haben dann die Möglichkeit, mit zu bestimmen, wofür Erträge aus ihrem Kapital verwenden werden. 28 Stiftungsfonds gibt es bisher.
  • Grundsätzlich hat die Bürgerstiftung vier Förderschwerpunkte: Kindern und Jugendlichen Perspektiven geben, benachteiligten Menschen helfen, Begegnung zwischen Bürgern fördern sowie Umwelt- und Naturschutz. Geförderte Projekte sind im Raum Unna.

  • Weitere Infos gibt es im Internet auf der Seite der Bürgerstiftung unter buergerstiftung-unna.de

Eine weitere Erbschaft aus dem Vermögen der Familie steht noch aus. „Wir rechnen noch einmal mit einem nennenswerten Betrag bis Ende dieses Jahres“, sagt Overwaul.

Die Bürgerstiftung kümmert sich in diesem wie in anderen Fällen um die gesamte Abwicklung. Dazu gehören etwa das Auflösen von Konten, letzte Steuererklärungen oder auch der Verkauf wertvoller Besitzstände und Immobilien. Diese Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Sie wird von Mitgliedern des Stiftungsvorstands geleistet, die wiederum auf Hilfe aus den Reihen der Stiftung bauen können. Die Bürgerstiftung hat 13 Jahre nach ihrer Gründung inzwischen 572 Mitglieder. Und darunter sind eben auch Leute, die wissen, wie sich Schmuck oder antike Möbel möglichst gewinnbringend verkaufen lassen. „Und diese Erbschaft ist für uns als Stiftung steuerfrei“, betont Overwaul.

Bedrückende Zinssituation

Immer mehr Menschen tragen den Stiftungsedanken in Unna mit, das Kapital wächst immer weiter. Doch es gibt ein großes Problem, das jeder Sparer kennt: Die Niedrigzins-Lage hat zur Folge, dass auch die Bürgerstiftung Unna kaum noch Zinserträge hat. „Die Zinssituation bedrückt uns“, sagt Overwaul. Vor allem in Unternehmensanleihen, Aktien und offenen Immobilienfonds werde Geld angelegt. Insgesamt aber seien Kapitalerträge gering. „Durch die Zinspolitik der EZB wird das in den nächsten Jahren so bleiben“, sagt der frühere Sparkassendirektor Overwaul.

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Spenden wichtiger denn je

Die Stiftung darf ihr Kapital nicht anrühren, nur Erträge ausschütten. Und so ist eine andere Einnahmequelle inzwischen wichtiger denn je: Spenden. Stifter legen einmalig Kapital an. Jede Privatperson, jede Familie oder Firma hat aber die Möglichkeit, die Stiftung mit Spenden zu unterstützen. Rund 200.000 Euro im Jahr schüttet die Bürgerstiftung für wohltätige Zwecke in Unna aus. Und etwa 70 Prozent davon kommen aus Spenden. So sind runde Geburtstage, Firmenfeiern oder Beerdingungen immer Möglichkeiten, der Bürgerstiftung Geld zukommen zu lassen. Auch diese Spenden sind durchweg steuerlich abzugsfähig, wie die Stiftung betont. Und dieses Geld kann direkt in Projekte fließen.

Millionenvermögen, aber kaum Zinsen: So bringt Stiftung trotzdem Geld für gute Zwecke auf

Einen Satz neuer Gießkannen für den Südfriedhof in Unna hat die Bürgerstiftung bezahlt - eines von vielen Projekten, in das Kapitalerträge und vor allem Spenden fließen. © Archiv

Am besten ist ein Dauerauftrag

„Wir wollen auch in den nächsten Jahren verlässlich Projekte wie Sportangebote für Unnas Grundschulen fördern“, sagt Overwaul. Regelmäßige Spenden seien deshalb für die Stiftung von besonders hohem Wert. Die Stifter erhalten in diesen Tagen Briefe mit der Bitte, zusätzlich zu ihrem einmal gestifteten Kapital einen regelmäßigen, freiwilligen Förderbetrag zu überweisen. Die Stiftung sei dankbar, so Overwaul, dass auf diese Weise schon jeder dritte Stifter auch ein verlässlicher Förderer geworden sei. Und jedermann, ob Stifter oder nicht, kann auf diese Weise das Projekt Bürgerstiftung unterstützen.

Spendenkonto: IBAN DE97 4435 0060 0000 0880 88 (Sparkasse Unna-Kamen)
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