Am Leben in der Stadt teilhaben - das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Unna geht jetzt einen neuen Weg, um die Integration aller Bürger zu fördern. Und dabei geht es um viel mehr als Migration.

Unna

, 10.07.2019, 15:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht um das behinderte Kind, das Unterstützung im Kita-Alltag braucht. Es geht um die ältere Dame, die zu vereinsamen droht. Es geht um die jungen Mütter mit Migrationshintergrund, die gerne Deutsch lernen möchten, aber nicht wissen, wie sie ihre Kinder während eines Deutschkurses betreuen können. Kurz gesagt: Es geht um Integration.

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Wie diese in Unna funktionieren kann, darüber machen sich gerade viele Menschen Gedanken. Es sind die „üblichen Verdächtigen“, die Fachleute aus dem Rathaus, externe Berater und soziale Dienstleister, die darüber beraten, wie alle Menschen in Unna am gesellschaftlichen Leben in der Stadt teilhaben können.

Integration geht alle Bürger an
„Integration ist mehr, als dass der Ausländer jetzt dabei sein darf.“
Till Knoche, Bereichsleiter für Wohnen, Soziales und Senioren der Stadt Unna

Aber sie sind es nicht alleine. Denn wer den Alltag aller Unnaer verbessern will, der sollte diejenigen fragen, um die es geht. Und deshalb sind alle Unnaer in diesen Wochen aufgefordert zu sagen, wo es hakt bei der Integration, wo wirklich gleichberechtigter Zugang zum gesellschaftlichen Leben noch nicht vorhanden ist.

In mehreren Stadtteilgesprächen sind Till Knoche, Bereichsleiter für Wohnen, Soziales und Senioren der Stadt, und Unnas Integrationsbeauftragter Cengiz Tekin derzeit dort, wo die Unnaer sind: Vor Ort in vier definierten Stadtteilen Unnas. Massen bildete den Auftakt, jetzt war Königsborn an der Reihe, im Herbst folgen der Süden und der Osten. Die Resonanz bisher: Mäßig bis gut.

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Integration - da denken die meisten Menschen an Deutschkurse für Migranten und ehrenamtliche Betreuer für Flüchtlingskinder. Doch das, was gerade in Unna auf die Beine gestellt wird, fasst den Integrationsbegriff viel weiter. Wohl am deutlichsten bringt es Till Knoche auf den Punkt: „Integration ist mehr, als dass der Ausländer jetzt dabei sein darf.“

Königsborn ist beispielhaft für die Vielfalt der Integrationsangebote

Am Leben in der eigenen Stadt teilhaben, ganz unabhängig von der eigenen Nationalität, Religion, dem Alter oder der sexuellen Orientierung - darum geht es bei der Integration.

Migration, Alter, Behinderung: So will Unna die Integration aller Bürger fördern

Beim Stadtteilgespräch zum Integrationskonzept in Königsborn sammelten die Teilnehmer die aus ihrer Sicht größten Herausforderungen, vor denen ihr Ortsteil steht, um die Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. © Anna Gemünd

Wie vielfältig die Integrationsangebote sein können, die damit gemeint sind, zeigt sich am Beispiel von Königsborn sehr deutlich: Im Falken-Kinderclub kommen Kinder und Senioren zum Spielen zusammen, im Kinder- und Jugendtreff „Taubenschlag“ kochen Jugendliche verschiedenster Nationalitäten gemeinsam und die „Aktive Hilfe Königsborn“ ermöglicht Familien von schwer kranken Kindern so etwas wie einen normalen Alltag.

Es sind Angebote wie diese, die Till Knoche und Cengiz Tekin Mut machen, dass Unna auf einem guten Weg ist. Die Vielfalt von Unnas Ortsteilen haben sie dabei stets im Blick. Mit rund 16.000 Einwohnern, von denen jeder Dritte einen Migrationshintergrund hat, liegt ein Schwerpunkt der Integrationsarbeit in Königsborn naturgemäß auf der Integration von Migranten.

„Ein Integrationskonzept aus der Schublade wird nicht funktionieren.“
Till Knoche

In den ländlich geprägten Ostdörfern Unnas spielt dagegen die Einsamkeit im Alter eine wesentlich größere Rolle. „Ein Integrationskonzept aus der Schublade wird daher nicht funktionieren“, ist Till Knoche überzeugt. Es liegt auf der Hand: Ein älterer Mensch in Hemmerde steht vor anderen Herausforderungen als ein syrisches Mädchen in Königsborn; doch beide wollen und sollen am Leben in Unna teilhaben können. „In einer Stadt, die sich gegenseitig inspiriert statt disqualifiziert, die voneinander lernt, anstatt sich voneinander zu entfernen.“ - So fasst es der Integrationsbeauftragte Cengiz Tekin zusammen. Der erste Schritt dorthin ist gemacht.

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