Särge von Verstorbenen, die mit oder an dem Coronavirus gestorben sind, werden als „infektiös“ gekennzeichnet. Manchmal werden Todesfälle erst mit wochen- oder monatelanger Verspätung offiziell. © dpa
Pandemie

Meldung von Corona-Toten teilweise erst Monate nach dem Sterbetag

Mehr als 300 Menschen aus dem Kreis Unna sind bereits mit Corona gestorben. Für Verwunderung sorgt, dass einige Sterbefälle erst Wochen oder gar Monate nach dem Sterbetag offiziell werden.

An allen Werktagen meldet das Kreisgesundheitsamt, wie viele Corona-Neuinfektionen nachgewiesen worden sind, wie viele Menschen genesen sind, aber eben auch, wie viele Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind. Mehr als 300 sind dies inzwischen seit dem Beginn der Pandemie.

Üblich ist auch, dass der Kreis Unna in seinem Update auch die Sterbedaten nennt. Dabei fällt auf, dass der Todestag nicht selten sehr weit zurückliegt. So vermeldete der Kreis Unna etwa am 14. Januar auch noch Todesfälle aus dem November und Dezember – und das ist nur eines von vielen Beispielen.

Später Eingang von Totenscheinen

Wie aber kommt es zu diesen Verzögerungen bei der Meldung von Todesfällen? Das fragen sich auch mehrere unserer Leser. Kreissprecher Max Rolke verweist darauf, dass der späte Eingang der Totenscheine die Ursache ist: „Wir nehmen lediglich die Verstorbenen in die Statistik auf, wenn wir die Information darüber bekommen, dass jemand im Zusammenhang mit Corona verstorben ist.“

Das Ausstellen der Totenscheine ist die Aufgabe von Ärzten. Im Rahmen der Leichenschau müssen sie eine Todesursache ermitteln und bescheinigen. Mitunter müssen Hausärzte die Ursache mit „unklar“ angeben.

Ermittlung der Todesursache ist oft kompliziert

„Es ist oft nicht einfach, eine Todesursache zu benennen“, sagt Dr. Thomas Huth, Geschäftsführer des Gesundheitsnetzes Unna. Ihm sind die Verzögerungen durchaus bekannt.

Stichwort

Corona als Todesursache

Ob eine Covid-19-Erkrankung ursächlich für den Tod eines Menschen ist, teilt der Kreis Unna nicht mit. Das ist nachvollziehbar, denn in vielen Fällen litten die Betroffenen an Vorerkrankungen, die ebenfalls ursächlich sein können. Deswegen übernimmt unsere Redaktion in der Regel die manchmal umständlich klingenden Formulierung, dass ein Mensch „im Zusammenhang mit dem Coronavirus“ oder „mit Corona“ gestorben ist.

In Zweifelsfällen müsse zuweilen auch ein Amtsarzt hinzugezogen werden; auch eine Obduktion kommt, zum Beispiel bei staatsanwaltlichen Ermittlungen, in Betracht. Eine Feststellung der genauen Todesursache könne daher unter Umständen auch drei bis vier Wochen dauern.

Hinzu kommt dann noch die Zeit, die für den Transport des Totenscheines bis zum Gesundheitszentrum und dessen Bearbeitung dort benötigt wird. Ist ein Fall abgeschlossen, wird er bei der nächstmöglichen Veröffentlichung berücksichtigt.

Die Folge dieser Verzögerung ist auch, dass die gemeldeten Todeszahlen die aktuelle Lage nicht darstellen können. Übrigens ist die Verzögerung auch kein Alltag: So wurden am Dienstag, 26. Januar, drei neue Todesfälle bekannt. Alle Betroffenen waren am selben Tag gestorben.

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Redaktion Unna
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