„Ganz Massen-Nord erstickt in Gülle“: Unnaerin beschwert sich über massiven Gestank

dzLandwirtschaft

Derzeit düngen viele Landwirte ihre Felder. Eine Massenerin beschwert sich über den Gestank, der dieses Jahr unerträglich sei. Diese Wahrnehmung hat mehrere Gründe, erklärt ein Landwirt.

Massen

, 02.04.2020, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits seit einer Woche ärgert sich eine Massenerin jeden Tag auf Neue: „Man kann nichts im Garten machen, man kann keinen Kaffee auf der Terrasse trinken und man kann nicht mal mehr lüften.“ Das Problem, über das sich die 72-Jährige beschwert, ist geruchlicher Natur: Seit einigen Tagen sind die Landwirte auf den Feldern unterwegs und gießen Gülle aus. Dieses Jahr, so empfindet es die Massenerin, ist es besonders schlimm.

„Ich habe mich sonst nie darüber beschwert“, sagt sie. „Aber jetzt ist man durch die aktuelle Situation sowieso schon angeschlagen, und dann kann man nicht mal mehr in den eigenen Garten gehen“, sagt sie. „Es stinkt überall, ganz Massen-Nord erstickt in Gülle.“

Mehrere Gründe für deutlichere Geruchswahrnehmung

Landwirt Tobias Clodt aus Lünern kann den Unmut der Massenerin nur bedingt verstehen: „Momentan kommen natürlich mehrere Dinge zusammen“, sagt er. „Zum einen sitzen die Menschen jetzt vermehrt zuhause, wo sie sonst unterwegs wären. Dadurch nehmen sie den Güllegeruch rund um die Uhr wahr.“

„Es stinkt überall, ganz Massen-Nord erstickt in Gülle.“
Eine 72-jährige Frau aus Massen

Zum anderen finde die Dünung derzeit aber tatsächlich in einem geballteren Zeitraum statt: Weil es im Februar rund dreimal soviel geregnet hat wie sonst, sei der Ackerboden zu dieser Zeit kaum befahrbar gewesen. Folglich habe sich auch das Güllen verschoben: „Die Menge, die ich sonst in zwei Monaten fahre, musste ich jetzt innerhalb von zwei Wochen fahren“, sagt Clodt. Aber: Mehr Gülle verteile er dennoch nicht. „Der Inhalt bleibt ja gleich, nur der Zeitraum ist eben komprimierter“.

Bauer Tobias Clodt versteht den Ärger der Bürger nur bedingt. „Wir geben schon unser Bestes“, sagt er.

Bauer Tobias Clodt versteht den Ärger der Bürger nur bedingt. „Wir geben schon unser Bestes“, sagt er. © Marcel Drawe

Auch Petra Drees-Hagen vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband kann den Eindruck, dass die Bauern derzeit vermehrt auf den Feldern sind, bestätigen: „Viele Landwirte reduzieren die Gaben, fahren dafür aber häufiger raus“, sagt sie. „Kleine Mengen sind für die Pflanzen effektiver“. Dennoch seien die Vorgaben, wie viel Gülle verteilt werden darf, streng reglementiert. Daran hält sich auch Tobias Clodt: „Wir Bauern können es uns nicht erlauben, mehr zu düngen, das gibt hohe Strafen.“

20 bis 25 Kubikmeter Gülle pro Hektar

Er selbst fährt derzeit etwa 20 bis 25 Kubikmeter Gülle pro Hektar aus. Diese wird mittels sogenannter Schleppschläuche möglichst bodennah auf den Feldern verteilt. Diese Technik soll dafür sorgen, dass der typische Geruch nicht in der Luft verteilt wird. „Wir geben schon unser Bestes“, sagt er. Mehr können wir nicht tun.“

„Die Menge, die ich sonst in zwei Monaten fahre, musste ich jetzt innerhalb von zwei Wochen fahren.“
Tobias Clodt, Landwirt aus Unna-Lünern

Außerdem bemühe der Landwirt sich, nur werktags von sieben bis sieben Uhr auf dem Feld zu arbeiten. Selten komme es vor, dass er das Güllen in die Abendstunden verschiebt, etwa, wenn der Boden morgens noch zu frostig ist.

Landwirt vermutet Besserung der Geruchsbelästigung ab Ostern

Das hat auch die Massenerin wahrgenommen: Als sie zuletzt nach 21 Uhr vom Einkaufen nach Hause gekommen sei, habe sie die Güllewagen immer noch auf den Feldern gesehen. „Das muss ja nicht sein,“ sagt sie. Deshalb hofft die 72-jährige, dass das Düngen bald ein Ende hat.

Tobias Clodt zeigt sich optimistisch: „Am Dienstag bin ich damit fertig“, sagt er. Der Landwirt vermutet, dass seine Kollegen bis Ostern ebenfalls ihr Soll erreicht haben. Dann dürfte die Massenerin ihren Kaffee wieder auf der Terrasse genießen können - und dabei kräftig durchatmen.

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