Massens Supermarktinvestor wirft Kritikern Desinformation vor

dzAnsiedlungspolitik

Das geplante Einkaufszentrum in Massen ist umstritten. Investor Löer bietet Nachbarn das Gespräch an. Einigen Kritikern aber wirft er dabei auch vor, Unwahrheiten zu verbreiten.

Unna

, 13.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Robert Löer ist ein durchaus erfahrener Mann in seinem Geschäft als Immobilienentwickler. Dass sich Supermärkte nur selten ohne Gegenwind bauen lassen, ist ihm von daher bewusst. Doch was er bei seinen Plänen für die Massener Bahnhofstraße erlebt, verwundert auch ihn.

„Ich kann ja machen, was ich will – am Ende ist es doch wieder falsch“, erklärt er mit Blick auf die Vehemenz der Kritiker im Ort. Selbst Versuche, ihnen entgegen zu kommen, würden gegen ihn ausgelegt. Und was an Behauptungen dabei aufgestellt würde, seien nicht immer nur kritische Meinungsäußerungen, sondern Tatsachenbehauptungen, die oftmals schlicht falsch sind. Nun geht dem Entwickler offenbar die Geduld aus. In einem Gespräch mit unserer Zeitung will er aufräumen mit „einer Reihe von Unwahrheiten, die da unterwegs sind“.

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Ein aktuelles Beispiel hat mit einem Brief zu tun, den Löer nun an die unmittelbaren Anlieger seines Plangebietes gerichtet hat. Nach einem Beschluss des Unnaer Fachausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung, dass das Rathaus einen Bebauungsplan für Löers Projekt aufstellen solle, sah der Entwickler den Zeitpunkt gekommen, sich einmal bei den Nachbarn vorzustellen.

Dass in dem Beschluss ein Formfehler passiert ist, der nun noch mit einer Sondersitzung des Rates in der nächsten Woche behoben werden muss, spiele dafür keine Rolle: Das politische Signal sei eindeutig gewesen, und irgendwann – „so gehört sich das doch auch“ – wollte Löer mit den künftigen Nachbarn ins Gespräch einsteigen.

Löer wird sogar für seine Gesprächsbereitschaft kritisiert

Sein Büro schrieb fünf unmittelbare Anlieger an und bot persönliche Gespräche an, in denen die Pläne für das Einkaufszentrum unter anderem mit Edeka und Lidl vorgestellt werden könnten. Vier davon hätten dieses Angebot angenommen. Es seien gute Gespräche gewesen und zumindest dafür, dass er sie angeboten hat, hätten sogar Kritiker sich bedankt, erklärt Löer.

Dann aber wurde ihm ein Kommentar aus den „sozialen Medien“ des Internets vorgelegt, den Löer nicht nachvollziehen kann. Löers Schreiben an die Nachbarn setze „dem Ganzen die Krone auf“, wettert ein anonymer Verfasser dort.

Der Verfasser spricht von seiner Verwunderung darüber, dass Löer sich nun offiziell als Nachbar vorstelle, ohne das Grundstück gekauft zu haben. Was ihm dabei nicht bekannt ist: Löer hat es gekauft. Schon 2016, so bestätigt es auch eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch, ist ein Kaufvertrag notariell beurkundet worden.

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Die Liste der Falschbehauptungen in öffentlichen Stellungnahmen seiner Kritiker hat laut Löer inzwischen eine gewisse Länge angenommen. So habe er lesen können, dass durch sein Projekt 26.000 Quadratmeter Fläche neu versiegelt würden. Tatsächlich sei das Grundstück aber schon heute teils bebaut – und im Ganzen auch etwa 5000 Quadratmeter kleiner.

Auch vermeintliche Alternativflächen für Einzelhandelsansiedlungen in Massen würden von Kritikern zwar teils konkret benannt, kämen allerdings aufgrund der planungsrechtlichen Vorgaben gar nicht für Einzelhandelsflächen infrage.

Warum Kritiker nach bereits fünf Jahren Projektdauer davon sprechen, dass hier ein besonderer Zeitdruck aufgebaut werden solle, erschließe sich ihm nicht. Und auch Vorwürfe an Stadt und Rat, dass in Unna Politik für Investoren gemacht werde, lassen Löer eher schmunzeln.

„Üblicherweise bei solchen Projekten gibt es erst den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan, und dann muss der Investor Gutachten und andere Unterlagen beibringen. Hier hat es sogar eine Bürgerversammlung gegeben und es hieß, dass erst einmal ein Gutachten über die Verträglichkeit für den Einzelhandel vorgelegt werden müsse, bevor man überhaupt darüber nachdenken könne, ein Verfahren zu eröffnen.“

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Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan muss nach einem möglichen Formfehler wiederholt werden. Der Rat der Stadt kommt dafür zu einer Sondersitzung zusammen, und zwar am Donnerstag, 20. August, um 17 Uhr in den Räumen des Tanzcenters Kochtokrax am Südring.
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