Testosteron-Handel: Unnaer wollte Sexualhormone verkaufen

dzJustiz

Testosteron ist eines der bekanntesten Dopingmittel und soll die Leistungsfähigkeit steigern. Ein Unnaer witterte ein lukratives Geschäft – und ist nun ein verurteilter Straftäter.

von Dirk Becker, Jana Peuckert

Unna

, 22.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

7000 Euro Geldstrafe muss ein Mann aus Unna zahlen, weil er gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen und sich wegen Hehlerei strafbar gemacht hat.

„Das sah für mich ziemlich lukrativ aus“, begründete der Angeklagte sein Verhalten. Am 17. November 2017 hatte er einem Kumpel, der bei einem Unnaer Pharmaunternehmen gearbeitet hatte, 70 Packungen Testosteron für 500 Euro abgekauft. Den Stoff im Gesamtwert von 1722,70 Euro wollte der ehemalige Kraftsportler verkaufen.

Testosteron

Leistungssteigerndes Sexualhormon

Testosteron kennen viele Menschen als Dopingmittel. Weil es gut nachweisbar ist, ist es im Profisport kein großes Thema mehr. Kraftsportler, die ihre Leistung illegal steigern wollen, nutzen es aber auch im Amateurbereich.
  • Testosteron ist ein Sexualhormon (Androgen), das bei allen Geschlechtern vorkommt. Als „männliches Geschlechtshormon“ fördert es das Wachstum (insbesondere den Aufbau von Muskelmasse und Fettspeicher) und sorgt für die Spermienproduktion. Ein künstliche Testosteronzufuhr bei Frauen kann zu einer Vermännlichung führen – etwa durch eine tiefere Stimme, mehr Muskulatur und eine stärkere Behaarung. Transsexuelle Menschen, die sich zum Mann entwickeln wollen, können Testosteron einnehmen.
  • Bodybuilder und Ausdauersportler, die Testosteron als Dopingmittel verwenden, wollen ihren Muskelaufbau beschleunige. Mediziner warnen, eine Überdosis könne zu ernsthaften urologischen Problemen führen. In der Regel wird das Testosteron über den Schwarzmarkt bezogen. Der Zoll entdeckt immer wieder auch gefälschte Präparate, die weitere Gefahren bergen.

Dazu sei es nach Aussage des 27-Jährigen allerdings gar nicht mehr gekommen. Denn: Nur wenige Tage nach dem Deal habe sich der Kumpel bei ihm gemeldet und ihm gesagt, die Polizei sei bei ihm gewesen. Der Angeklagte sollte das Testosteron schnell verschwinden lassen. Das habe er auch getan, erklärte der angeklagte Unnaer.

Ankauf Teil des Handels

Retten konnte ihn das aber nicht: Handeltreiben umfasse sämtliche Vorgänge und damit auch das Besorgen der Ware, erörterte der Richter, nachdem die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ein Handeltreiben aufgrund der Vernichtung des Stoffes verneint hatte. Das Abkaufen des Testosterons, das der Kumpel zuvor auf illegale Weise beschafft hatte, stellte eine Hehlerei dar.

Der Richter bezeichnete das Vorgehen des Angeklagten als kaltschnäuzig, da der Verkauf des Stoffes nicht ungefährlich sei. Für den Unnaer war es die erste Straftat in seinem Leben.

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