Rosi Pohl und ihr mann Günter nutzen den 1. Mai für ihre 2. Impfung. Der Vorteil am Feiertag ist, dass sie ihre Schwiegertochter zum Impfzentrum fahren konnte. © Christoph Schmidt
1. Mai in Unna

Maifeiertag: Spazieren, Radfahren, lange Schlange am Impfzentrum

Den Maifeiertag nutzten die Menschen in Unna vor allem für Sport, einen Spaziergang oder den Gang zum Impfzentrum. Ordnungsbehörden hatten kaum zu tun, mussten aber einige Menschen an Regeln erinnern.

Es ist kurz vor 14 Uhr am 1. Mai und vor dem Eingang zum Impfzentrum in der Kreissporthalle Unna hat sich eine bestimmt hundert Meter lange Schlange gebildet: mittendrin Rosi Pohl. „Das ist heute mein zweiter Impftermin und die erste habe ich schon sehr gut vertragen“, sagt die 83-Jährige. Dass sie lächelt, sieht man trotz Maske an ihren Augen. Sie ist mit ihrem Mann Günter hier.

1. Mai – ein attraktiver Impftermin

„Wir haben extra den 1. Mai als Termin genommen, damit uns meine Schwiegertochter herfahren kann, die hat nämlich frei.“ Schwiegertochter Senay steht hinter ihr und hat ihre Hände auf die Griffe des Rollstuhls gelegt, in dem Rosi Pohl sitzt. „Das ist gar nicht meiner. Die Mitarbeiter aus dem Impfzentrum haben mir den gebracht, damit ich nicht stehen muss“, erklärt sie und hebt leicht die Gehhilfe in ihrer rechten Hand. „Sehr aufmerksam die jungen Leute hier“, strahlt sie.

Als es Zwei schlägt setzt sich die Schlange in Bewegung. Für einen Schichtwechsel war der Eingang kurz geschlossen worden, wodurch die Reihe der Wartenden angewachsen ist. „Jetzt geht‘s weiter“, sagt Rosi Pohl und winkt, als sie von ihrer Schwiegertochter langsam Richtung Eingang geschoben wird.

Familien zieht es in den Bornekamp

Rasanter geht es im Bornekamp zu, wo Familie Emminghaus auf Fahrrädern unterwegs ist. „Wir fahren zum Bombentrichter, da kann ich dir mal zeigen, wie ich da runterfahre“, sagt Emil zum Papa René, beide sitzen auf sportlichen Mountainbikes. „Wir nutzen das schöne Wetter immer gerne zum Radfahren“, sagt Mutter Ines Emminghaus.

Familie Emminghaus ist ganz sportlich unterwegs am 1. Mai. Durchs Bornekamp geht es zum Bombentrichter, wo Sohn Emil zeigen kann, was er auf dem Mountainbike drauf hat. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

„Da sind auch schon mal Touren zu den Großeltern nach Fröndenberg drin. Wobei ich ja ein bisschen mogele“, sagt sie und deutet auf den Akku ihres E-Bikes. Für ein schnelles Familienfoto reicht die Zeit noch, dann geht es weiter in Richtung rasante Abfahrt. „Ich hab für alle Fälle immer einen Verbandskasten dabei“, sagt Mutter Ines noch, bevor sie ihren Männern hinterherfährt.

Vor der Kulisse der Windräder, kurz hinter dem Siebenklang, steht Familie Engel zusammen. Der achtjährige Luc wischt sich gründlich mit einem feuchten Tuch die Hände ab. „Wir haben gerade unfreiwillig ein bisschen Pflanzenkunde betrieben“, erklärt Vater Thorsten und holt sein Smartphone hervor. „Luc hatte eine sehr interessante Pflanze gefunden und ein bisschen auseinandergepflückt“, erklärt er, während er mit dem Finger über das Display wischt.

Giftige Pflanze gefunden

„Mit Google Lens haben wir dann herausgefunden, dass es ein gefleckter Aronstab ist. Dass die Pflanze sehr giftig ist, haben wir leider erst etwas zu spät herausgefunden“, sagt Mutter Romy Engel.

Familie Engel nutzt das schöne Wetter für einen Spaziergang in der Natur und eine kleine Lehrstunde in Sachen Botanik. Sohn Luc hatte einen gefleckten Aronstab gefunden – sehr giftig. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Gut, dass man in der Corona-Zeit immer Reinigungsmaterial dabei hat. Gemeinsam mit Tante Daniela Engel aus Soest nutzt die Unnaer Familie den Maifeiertag zum Wandern. „Wir versuchen, so oft es geht raus zu kommen, man verbringt ja genug Zeit zu Hause, da muss man die Gelegenheit nutzen, die Natur zu genießen.“

Polizei: Ruhiger Maifeiertag im Kreis Unna

Sowohl Ordnungsdienste als auch Polizei hatten die Einhaltung von Corona-Regeln zu überwachen. Aus polizeilicher Sicht war der Maifeiertag ruhig. „Mir ist bislang nicht gemeldet worden, dass Völkerwanderungen mit Bollerwagen stattfinden würden“, sagte ein Sprecher der Polizei-Leitstelle in Unna am Nachmittag. Und auch am Sonntag hatte sich die Lageeinschätzung nicht geändert. Sie konnte nicht über herausragende Ereignisse im Kreis Unna berichten, wie unsere Redaktion am 2. Mai erfuhr.

Maskenmuffel auf Spielplätzen

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld berichtet, dass es aus ordnungsamtlicher Sicht gerade auf den Spielplätzen etwas Belehrungsbedarf gegeben hätte: „Während im Bornekamp und den Parkanlagen vor allem Familien und Paare coronakonform unterwegs waren, mussten die Kollegen vom Ordnungsamt auf den Spielplätzen die eine oder andere Ansprache halten, denn die Erwachsenen haben sich oft nicht an die Maskenpflicht gehalten.“

Junggesellenparty aufgelöst – Imbissfenster geschlossen

Zudem musste das Ordnungsamt in Mühlhausen auf dem Bolzplatz eine kleine Junggesellenparty mit fünf Personen auflösen. Ueberfeld: „Das ist aber alles mit einer freundlichen Ansprache erledigt gewesen. In der Regel ist es dann damit gegessen.“

Apropos Essen: Am späten Abend musste auch an einem Imbissbetrieb in Unna behördlich eingegriffen werden. Wie der Stadtsprecher berichtet, habe der Betreiber deutlich nach 22 Uhr – und damit länger als erlaubt – Kunden durch sein Ladenfenster bedient. Auch hier hätten die Außendienstler des Ordnungsamtes mit einer mündlichen Ermahnung das Ziel erreicht.

Bis 1 Uhr habe das Ordnungsamt die Stadt bestreift, auch bis in die Stadtteile, wo es teils beliebte Treffpunkte gibt. Die Gesamtbilanz lautet: ein ruhiger 1. Mai.

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1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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