Mahnung und Erinnern: Im Unnaer Rathaus wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht

dzHolocaust-Gedenken

Auch Unna erinnerte am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an die Opfer des Nationalsozialismus. Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums gestalteten die Gedenkfeier.

Unna

, 27.01.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Was passiert ist, darf sich nicht wiederholen.“ Die Botschaft von Bürgermeister Werner Kolter war klar, als er am Montagmittag im Unnaer Rathaus die Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz eröffnete: Der 27. Januar sei nicht nur eine Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, sondern gleichzeitig auch eine Mahnung an die heutigen Generationen, Verantwortung für die Zukunft zu tragen.

Mitarbeiter der Stadt, Leiter von Unnas Schulen, Repräsentanten der Bundeswehr und Ratsmitglieder waren eingeladen, sich in Unna an dem weltweiten Gedenktag zu beteiligen. Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums hatten dazu ein Programm gestaltet, das erlaubte, auf „die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte“ zurückzublicken, wie eine Schülerin eingangs in ihrer Rede erklärte.

Mahnung und Erinnern: Im Unnaer Rathaus wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht

Auch musikalisch wurde die Gedenkfeier gestaltet. © Udo Hennes

Dazu gehörten neben musikalischen Elementen auch von den Schülern gelesene Zeitzeugenberichte von Opfern des Nationalsozialismus. Die vorgetragenen Erlebnisse dreier Juden machten den Anwesenden im Ratssaal dabei deutlich, wie grausam die Nazis vorgegangen waren.

Geschichten von drei NS-Opfern

So wurde etwa die Geschichte der jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber vorgetragen, die am 6. Oktober 1944 im KZ Auschwitz in einer Gaskammer ermordet wurde, nachdem man ihr zuvor von einer Duschgelegenheit berichtet hatte. Beim Gang in die Kammer soll Weber noch für ihren Sohn das von ihr komponierte Schlaflied „Wiegala“ gesungen haben.

„Nachempfinden kann man sowieso nicht, was da passiert ist. Dabei ist es noch nicht mal ein Menschenleben her.“
Schülerin des EBG über die Gräueltaten der Nazis

Eine Vorstellung, die auch bei den Schülern Schaudern und Betroffenheit auslöste: „Nachempfinden kann man sowieso nicht, was da passiert ist“, hieß es. „Dabei ist es noch nicht mal ein Menschenleben her.“

Vertrieben: Unnaer Arzt Max Mond

Neben der Geschichte von Ilse Weber wurde auch die des Unnaer Arztes Max Mond erzählt: Im Jahr 1937 verließ er mit Gattin Else und zwei Kindern die Stadt in Richtung Bielefeld, ehe es ihm gelang, von dort in die USA zu flüchten. „Ihm wurde zwar nicht das Leben genommen, dafür aber die Heimat, der Beruf und die gesellschaftliche Existenz“, zeigten die Schüler auf.

Mahnung und Erinnern: Im Unnaer Rathaus wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht

Am Friedensstein in der Bürgerhalle legte Bürgermeister Kolter einen Gedenkkranz für die NS-Opfer nieder. © Udo Hennes

Zum Ende der Gedenkfeier gaben die Schüler das israelische Lied „Jerusalem aus Gold“ zum Besten und erinnerten abschließend noch einmal daran, aufkommendem Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten: „Lassen Sie uns gemeinsam eine Wiederholung unmöglich machen“, lautete die Aufforderung an die Anwesenden, ehe am Friedensstein in der Bürgerhalle ein Kranz für die Opfer niedergelegt wurde.

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