Machtprobe bei der Wahl des festen Kolter-Vertreters

dzErster Beigeordneter

Es geht um den zweithöchsten Kopf im Rathaus, vielleicht um das Sprungbrett für einen Bürgermeisterkandidaten, ganz sicher aber um die Frage, wer den politischen Kurs in Unna bestimmt: Die Wahl eines neuen Ersten Beigeordneten wird zur Machtprobe.

Unna

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Spätestens seit dem Heidler-Debakel im April weiß die SPD in Unna, was der Unterschied zwischen einer „größten Fraktion“ und einer „Mehrheitsfraktion“ ist. Mittags noch verkündete der damalige SPD-Fraktionschef Volker König in Büros des Rathauses, genug Stimmen für Kerstin Heidler als Abwesenheitsvertreterin des Bürgermeisters beisammen zu haben. Ein paar Stunden später wurde den Genossen vor Augen geführt, dass politische Mehrheiten gegen die SPD durchaus möglich sind. Mit diplomatischem Fleiß hatte CDU-Fraktionschef Rudolf Fröhlich eine Allianz fast aller gegen die Sozialdemokraten organisiert. Und jetzt leitet bei Urlaub und Krankheit des Bürgermeisters ein CDU-Mann die Stadtverwaltung: Dirk Wigant. An diesem Donnerstag geht es nun um die wichtigere Position des „Allgemeinen Vertreters“, also des Ersten Beigeordneten. Nach der Pensionierung von Karl-Gustav Mölle ist die zweithöchste Position in der Rathaushierarchie neu zu vergeben. Prognosen zum Wahlausgang wären reine Spekukation. Vom Ergebnis aber wird man einiges ableiten können.

Voraussichtliches Duell: Wigant gegen Toschläger

Dass die CDU abermals Dirk Wigant ins Rennen schicken wird, ist kein Geheimnis. „Von der Erfahrung her spricht alles für ihn“, sagt CDU-Fraktionschef Rudolf Fröhlich. Dass dies alleine unerheblich ist, wenn er nicht wieder eine Mehrheit organisieren kann, weiß er allerdings auch. Auf der anderen Seite könnte die SPD entweder den Technischen Beigeordneten Jens Toschläger ins Rennen schicken oder erneut Kerstin Heidler. Sicher ist nur eins: „Wigant will ich nicht“, sagt der kommissarische Fraktionschef der SPD, Bernd Dreisbusch. Wen die SPD stattdessen vorschlägt, werde sich vielleicht erst in der Vorbesprechung der Fraktion kurz vor der Ratssitzung an diesem Donnerstag zeigen. Diesmal ist es die SPD, die intensiver die Gespräche mit anderen Fraktionen sucht.

Einiges deutet auf Jens Toschläger als Kandidat der SPD hin. Im Dienst der Stadt Unna ist er erst seit Mitte März – also noch zwei Wochen weniger als Dirk Wigant. Doch Beobachter bescheinigen dem jungen Mann einen überzeugenden Start. „Jens Toschläger: Super. Gute Figur, bürgernah, anpackend“, sagt SPD-Vize Dreisbusch.

Höhere Bezüge gibt es wohl nicht

Vor der Wahl geht es noch um die Frage, was der Erste Beigeordnete verdienen soll. Über die Höherstufung um eine Besoldungsgruppe entscheidet der Stadtrat vor der Personalentscheidung. Sowohl Fröhlich als auch Dreisbusch lehnen sie ab. Es gehe zwar nur um 5.500 Euro jährlich plus Pensionsansprüchen, aber eben auch um ein Signal.

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