Macht und Eitelkeiten: Politik diskutiert Chef-Besetzung im Jobcenter

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Uwe Ringelsieps Vertrag als Geschäftsführer des Jobcenters läuft Ende des Jahres aus. In der Diskussion um die künftige Besetzung geht es vor allem um Eitelkeiten.

Kreis Unna

, 12.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Jobcenter verhält es sich ein bisschen wie im Profisport: Läuft’s, wird der Trainer gefeiert – wenn nicht, wird er gefeuert.

Die Trainerfigur ist beim Jobcenter dessen Geschäftsführer Uwe Ringelsiep. Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus. Hinter den Kulissen wird bereits über seine Zukunft diskutiert. Es geht um Machtverteilung und vor allem um Eitelkeiten; aber weniger um Uwe Ringelsiep selbst.

Jobcenter: Das sind die Erfolge von Uwe Ringelsiep

Der muss sich um seine Zukunft als Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna nämlich keine Sorgen machen, zumal er handfeste Erfolge vorweisen kann.

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So war das Jahr 2019 das sechste Rekordjahr in Folge, in dem die Arbeitslosigkeit im Kreis Unna auf einem noch nie dagewesenen Tief gelegen hat – und zwar erstmals in der Geschichte des Jobcenters unter der 10.000er-Marke. Im NRW-Vergleich mit anderen Behörden hatte das Jobcenter Kreis Unna in den zurückliegenden Jahren fast ausnahmslos auf Spitzenplätzen gelegen.

„Uwe Ringelsiep ist unser Mann.“
Martin Wiggermann (SPD)

„Uwe Ringelsiep ist unser Mann“, sagt denn auch Martin Wiggermann (SPD), der als Vorsitzender der Trägerversammlung so etwas wie der Chefaufseher ist. „Als Geschäftsführer ist er überhaupt nicht strittig“, berichtet Wiggermann von den politischen Gesprächen im Hintergrund. Insofern gilt es als sicher, dass er es bleibt. Zumal auch Arbeitsagenturchef Thomas Helm sagt: „Wir haben ein großes Interesse daran, dass Uwe Ringelsiep gerade jetzt in schwierigen Zeiten weiter die Geschicke des Jobcenters lenkt.“ Allein über die weitere Ausgestaltung des Vertrages gibt es in der Politik offenbar unterschiedliche Auffassungen.

Leiten die Geschickte des Jobcenters: Geschäftsführer Uwe Ringelsiep (Mitte) mit Martin Wiggermann (SPD, rechts) als Vorsitzendem der Trägerversammlung und dessen Stellvertreter Gerhard Meyer (CDU, links).

Leiten die Geschickte des Jobcenters: Geschäftsführer Uwe Ringelsiep (Mitte) mit Martin Wiggermann (SPD, rechts) als Vorsitzendem der Trägerversammlung und dessen Stellvertreter Gerhard Meyer (CDU, links). © Kreis Unna / Archiv

Das Jobcenter ist eine gemeinsame Einrichtung von Bundesagentur für Arbeit und Kreis Unna, entsprechend teilen sich die Partner die Führungsaufgaben. Dafür ist eigentlich ein Wechsel im fünfjährigen Turnus vereinbart: Fünf Jahre lang stellt die Bundesagentur den Geschäftsführer, danach fünf Jahre lang der Kreis Unna. Ein Passus, der vor allem Eitelkeiten bedient. Um die Machtverhältnisse gerecht aufzuteilen, soll der jeweils andere den Vorsitz der Trägerversammlung bekommen.

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Gemäß dieser Vereinbarung hätte die Geschäftsführung schon mit Beginn des Jahres 2016 auf den Kreis Unna übergehen müssen; der verzichtete nach einem Kreistagsbeschluss damals aber auf seinen Führungsanspruch. Nun, fünf Jahre später, kocht das Thema also wieder hoch.

Zur Sache

Keine vollen fünf Jahre mehr

Uwe Ringelsiep wird im Juli 62 Jahre alt. Eine weitere fünfjährige Amtszeit als Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna wäre demnach seine letzte – und die würde er mit Blick auf seine Pensionierung nicht mehr vollständig erfüllen. „Bis zu meiner Pensionierung würde ich gerne weitermachen“, sagt Ringelsiep.

Laut Wiggermann gibt es Bestrebungen, den Passus über den Wechsel der Geschäftsführung nach fünf Jahren in dem Vertrag zwischen Bundesagentur und Jobcenter zu streichen. „Ich halte so einen Passus für nicht sehr zukunftsfähig“, sagt er. „Am Ende muss es doch darum gehen, dass der oder die Beste Geschäftsführer wird.“ Auch Agenturchef Helm plädiert für die Zukunft für eine Bestenauslese.

Kreistag soll noch vor der Kommunalwahl abstimmen

Laut Wiggermann gibt es Stimmen in der Politik, wonach die kommunale Option auf die Geschäftsführung erhalten bleiben soll. Diese Diskussion drehe sich allerdings „nur um eine Formalität“, nicht um Ringelsiep selbst. Der Zeitplan sieht eine Einigung noch vor der Kommunalwahl im September vor, damit der Kreistag noch in seiner jetzigen Besetzung über die Zukunft Ringelsieps abstimmen kann.

SPD war 2015 noch anderer Auffassung

Übrigens waren Wiggermann und seine Genossen in der gleichen Diskussion 2015 noch anderer Auffassung. In einem gemeinsamen Antrag von SPD und CDU zu Führungsfrage des Jobcenters hieß es damals ausdrücklich: „Weiterhin sollen der Geschäftsführer und der Vorsitz der Trägerversammlung abwechselnd von den jeweiligen Trägern gestellt werden.“

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