Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Der Rauswurf von Thomas Wiese im Aluwerk ist auch von den Aktionären der Gesellschaft bestätigt worden. Im Rahmen der außerordentlichen Hauptversammlung sind schwere Vorwürfe laut geworden.

Unna

, 10.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Thomas Wiese soll das Werk zuletzt nicht nur erfolglos geführt, sondern direkt gegen die Interessen der Aktiengesellschaft und der Aktionäre gehandelt haben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Yanjie Tang spricht von einer Vielzahl von Verfehlungen, deren Aufarbeitung jetzt erst anlaufe. Eine davon: Thomas Wiese soll ohne Wissen des Aufsichtsrates Leasingverträge für drei Luxus-Sportwagen verlängert haben, die das Unternehmen rund 400.000 Euro kosten. Dabei handelt es sich um einen Mercedes SL 63 AMG Black Series, einen Gumpert Apollo und einen Mosler. Gefahren wurden diese Fahrzeuge kaum, denn die Leasingverträge sahen Laufleistungen von maximal 500 Kilometern pro Jahr vor, wie Aluwerk-Vorstand Volker Findeisen ergänzt. Genutzt wurden die Autos offenbar eher als Schaustücke – unter anderem bei Veranstaltungen des Reitsportzentrums Massener Heide. Dort ist Thomas Wiese Mitglied der Geschäftsführung.

Luxus-Sportwagen auf Rechnung des Aluwerks Unna

Thomas Wiese galt als Erfolgsmensch. Der Aufsichtsrat des Aluwerkes stellt ihm nun aber ein verheerendes Zeugnis aus. © Michael Neumann

Der frühere Aluwerk-Betriebsrat Thomas Wiese wurde im Jahr 2000 Mehrheitsaktionär des Unternehmens, als er von den Voreigentümern in Österreich 72,7 Prozent der Anteile übernahm. Neben der Arbeit im Werk baute der Kaufmann Wiese in den Folgejahren eine Firmengruppe außerhalb der Aktiengesellschaft auf. Die Wieses waren treibende Kraft des Reitsportzentrums, zu dessen Ablegern ein Reitsportfachgeschäft, eine Hengststation und zwei Gastronomiebetriebe zählen. Unter dem Dach der Familie Wiese GmbH befindet sich auch die W.B. Metallverarbeitung Service GmbH. Bis vor Kurzem stellte diese Firma als Personaldienstleister ein Drittel der Arbeiter im Aluwerk. Sie unterhält aber auch eine Anbieterseite beim Online-Automarktplatz Autoscout24. Dort zum Verkauf angeboten werden unter anderem ein Mosler, ein Gumpert und ein AMG-Mercedes, durchweg mit sehr niedrigen Tachoständen.

Seine Anteile am Aluwerk hatte Wiese im Sommer 2017 an den chinesischen Branchenriesen Zhongwang verkauft. Wiese blieb danach jedoch geschäftsführender Vorstand – bis ihm der Aufsichtsrat im November 2018 überraschend das Vertrauen entzog. Wiese wurde vom Aufsichtsrat durch den früheren Vorstand Volker Findeisen ersetzt. Findeisen hatte das operative Geschäft des Aluwerkes bereits bis März 2015 geleitet. Damals war es Wiese, der dem Manager das Vertrauen entzogen hatte, weil die Gewinne des Werkes nicht den Erwartungen entsprachen. Sie lagen knapp oberhalb einer Million Euro. Unter Wieses Führung indes schrieb das Aluwerk zuletzt rote Zahlen.

Wieses Rauswurf bestätigt – doch überraschend sind die Gründe

Dass die Personalentscheidung des Aufsichtsrates von der außerordentlichen Aktionärsversammlung am Donnerstag bestätigt würde, war im Prinzip reine Formsache. Zhongwang hält 99,72 Prozent aller Anteile und dominiert die Aktionärsversammlung ebenso eindeutig wie den Aufsichtsrat. Mit Spannung war die Aussprache über die genauen Gründe der Wiese-Abberufung erwartet worden. Auf jene Fragen durften auch die letzten Aktionäre des Streubesitzes Antworten erwarten.

„Gegen die Interessen des Unternehmens gehandelt“

Drei Dinge wurden dabei exemplarisch hervorgehoben. Zum einen ging es um den Konflikt zwischen dem Aluwerk und Wieses Zeitarbeitsfirma W.B. Metallverarbeitung Service GmbH. Dass das Aluwerk noch unter Wieses Führung als Vorstand und Mehrheitsaktionär Vorauszahlungen von teilweise fünf Millionen Euro an die Tochter der Familie Wiese GmbH geleistet hat, wertet der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft als ein Handeln gegen die Interessen der Firma: Derlei Vorleistungen hielt der Aufsichtsrat für nicht begründet. Daher sei es die Pflicht des Vorstandes Thomas Wiese gewesen, dieses Geld ins Aluwerk zurückzuholen. Diese Erwartungen des Aufsichtsrates habe Wiese nicht erfüllt.

Aufsichtsrat rügt Alleingang bei Investitionsprogramm

Zudem lastet der Aufsichtsrat Wiese einen Alleingang bei einem Investitionsprogramm an. Unterstützung bei einer sinnvollen Modernisierung des Werkes hatte die neue Eigentümerin Zhongwang durchaus in Aussicht gestellt. Allerdings hatten die Chinesen die Erwartung, auch in Details des Programms einbezogen zu werden und mitzuentscheiden. Wiese hingegen habe bereits mit der Umsetzung eines Programmes angefangen, ohne dass es eine Freigabe durch den Aufsichtsrat gegeben hätte. Unter anderem seien im Aluwerk schon Gebäude abgerissen worden. Bei näherem Hinsehen kam der Aufsichtsrat zu der Einschätzung, dass Wieses Pläne von Wachstumsszenarien ausgegangen waren, die das Marktvolumen gar nicht hergebe. Zumindest vermisst der Aufsichtsrat eine entsprechende Marktsondierung.

Sportwagenverträge für das Aluwerk ohne Nutzen

Die Verlängerung der Sportwagenverträge gibt den Kontrolleuren Rätsel auf. Es ist schlichtweg nicht ersichtlich, welchen Vorteil das Aluwerk davon hätte haben können, drei solcher Fahrzeuge vorzeigen zu können. Zudem sei auch diese Vertragsverlängerung ohne Kenntnis des Aufsichtsrates erfolgt.

Wie der Aufsichtsratsvorsitzende Yanjie Tang am Donnerstag erklärte, muss die Zahl der Verfehlungen aus Sicht der Kontrolleure erheblich gewesen sein. Die investigative Arbeit laufe allerdings erst an. Welche weiteren Schritte das Unternehmen schließlich ergreifen mag, lasse sich erst nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden.

Aufsichtsrat begrüßt Ausbau der Stammbelegschaft

Wichtig sei nun, dass das Aluwerk wieder auf Kurs gebracht wird, so Yanjie Tang. Die Übernahme von bereits über 100 ehemaligen Leiharbeitern der W.B. in die Stammbelegschaft des Aluwerks hält Tang für einen guten Schritt, weil auch sie sich nun als Aluwerker identifizieren können. Tang lobt das Engagement der Belegschaft und betont, dass die wirtschaftliche Lage des Werkes von der bisherigen Führung zu verantworten sei. „Es ist auch für die Mitarbeiter enttäuschend, wenn sie hervorragende Arbeit leisten, teilweise über lange Zeit keinen Urlaub nehmen und am Ende doch Verluste da sind.“

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt