Sorge vor Lokführermangel: Verkehrsverbund VRR lässt Eurobahn nicht auf die S4-Linie

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Um den regionalen Bahnverkehr gibt es Streit. Ab Dezember sollte in Unna die Eurobahn eine weitere Strecke übernehmen. Aber der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zieht die Notbremse. Die Eurobahn habe nicht genügend Lokführer.

Unna

, 18.09.2019, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) kündigte am Mittwoch eine Kündigung und eine Notvergabe an. Die Eurobahn soll nicht wie geplant die S-Bahnlinie S4 übernehmen, die Unna mit Dortmund verbindet. Der VRR geht davon aus, dass der Eurobahn-Betreiber, die private Bahnfirma Keolis, nicht in der Lage sei, ausreichend Lokführer einzusetzen. Keolis weist die Kritik von sich und erhebt wiederum Vorwürfe gegen den VRR.

VRR: Hälfte der Lokführer fehlt

Der Vergabeausschuss des Verkehrsverbundes habe beschlossen, einen zum 15. Dezember dieses Jahres startenden Verkehrsvertrag mit Keolis zu stoppen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbunds. Eurobahn-Züge sollten auf den S-Bahnlinien S1 und S4 verkehren. Bisher sind dort Züge der Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio im Einsatz. Der VRR erklärt, er habe veranlasst, dass der heutige Betreiber über eine Notvergabe die Betriebsleistungen auf den beiden Linien erbringt. Der Hintergrund ist fehlendes Vertrauen in den Vertragspartner Keolis. Die Maßnahmen seien notwendig, so der VRR, weil Keolis „etwa die Hälfte der notwendigen Planstellen nicht mit Triebfahrzeugführern besetzen“ könne. Das Unternehmen könne damit „keinen für den Fahrgast zuverlässigen Betrieb der Linien ab Mitte Dezember garantieren“. Der VRR habe sich daher zur Sicherung der Daseinsvorsorge im Öffentlichen Nahverkehr zu diesem Schritt entschlossen.

Abmahnung schon Ende 2018

Der Zwist zwischen dem Verbund und seinem Partner Keolis währt schon länger. Auch darauf weist der VRR hin. So hatten der VRR und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) Ende des vergangenen Jahres gegenüber Keolis eine Abmahnung ausgesprochen. Die Rede war seinerzeit von „Organisationsversagen“ sowie „massiven Nicht- und Schlechtleistungen“ und von einer steigenden Zahl von Zugausfällen. Der NWL vermutete unter anderem Personalmangel als einen Grund. Insbesondere nach dieser Abmahnung „müsste klar geworden sein, dass wir durchaus bereit sind, auch konsequente Schritte zu gehen, um die Qualität im SPNV zu sichern“, lässt sich nun VRR-Vorstandssprecher Ronald R. F. Lünser zitieren. „Fehlende Triebfahrzeugführer sind in der Branche ein bekanntes Problem, das dringend über Ausbildungsprogramme behoben werden muss. Jedoch kann Keolis realistisch binnen drei Monaten keine rund 60-80 Mitarbeiter qualifizieren und somit keinen verlässlichen Fahrbetrieb garantieren. Umso unverständlicher ist es, dass seit Vertragsabschluss im Jahr 2016 das Unternehmen nicht in der Lage ist, die notwendigen Rekrutierungen von Personal umzusetzen“, so Lünser.

Keolis: Zahlen stimmen nicht

Keolis weist die Vorwürfe zurück. Der Fachkräftemangel sei ein grundsätzliches Problem, das alle Bahnverkehrsunternehmen betreffe, sagte Keolis-Sprecherin Nicole Pizzutti im Gespräch mit unserer Redaktion. Zum Umgang mit diesem Problem habe Keolis einen „soliden Plan“. Details wolle das Unternehmen in Kürze bekannt geben. Pizzutti kündigt eine umfassende Information der Öffentlichkeit voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag an. Vorab erklärte sie: Die Zahlen, die der VRR nun zu nicht besetzten Stellen bei Keolis nennt, seien falsch.

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„Schockiert“ über Pressemitteilung

Über die Kommunikation des VRR sei man bei Keolis „zutiefst enttäuscht und schockiert“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Es sei „nicht partnerschaftlich“, dass man derart wichtige Informationen den Medien entnehmen müsse und erst danach direkt informiert werde.

Bauarbeiten

Züge am Wochenende entfallen

Auf der Bahnlinie RB 59 zwischen Soest und Unna, die auch von der Eurobahn betrieben wird, kommt es in Kürze zu Unregelmäßigkeiten wegen Bauarbeiten. Keolis kündigt Maßnahmen der Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz an. In den Abendstunden sollen vom 21. September um 9 Uhr bis zum 23. September um 2 Uhr Züge ausfallen. Es gibt Schieneneratzverkehr mit Bussen. Hier stehen mehr Infos.
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