Lieder, die erzählen, wie die Welt einmal zur Hölle geworden war

dzMusikverein

Als Meister der leichten Muse war Fritz Beda Millionär geworden. Verschleppt in die Konzentrationslager der Nazis begann der Schlagertexter, das Grauen in Worte zu fassen. Der Musikverein bringt sie zu Gehör.

Unna

, 04.10.2019, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren, das textete Fritz Löhner-Beda in einer sorglosen Zeit seines Lebens um 1925. Dass er später einmal sein Leben in Auschwitz verlieren würde, mag damals nicht einmal eine dunkle Ahnung gewesen sein.

Fritz Beda war einer der bekanntesten Schlager- und Operettentexter seiner Zeit. Doch dieser Prominentenstatus schützte den in Wien lebenden Juden nicht vor der Verfolgung durch die Nazis, im Gegenteil. Bereits einen Tag nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich verhaftete ihn die Gestapo für einen reinen Prominententransport nach Dachau.

Ein Schlagertexter schreibt nun über das Grauen des Nazi-Terrors

Beda durchlief mehrere Konzentrationslager. Seine Stimme, die vorher der fröhlichen Leichtigkeit gewidmet war, erzählte nun vom Grauen dieser Zeit. Auch in den Lagern schrieb Beda Texte. Einige, wie das Buchenwaldlied, schuf er im Auftrag der Aufseher. Andere vermochte er irgendwie aus den Lagern herauszuschmuggeln. Und so überlebten ihn diese Worte. Der Konzertchor des Musikvereins verschafft ihnen Gehör in einem Konzert am 10. Oktober.

Vertont durch den Kamener Musikprofessor Reinhard Fehling ist die Sammlung „Ausgerechnet Fritz Beda“ ein Programm, das Nachdenklichkeit erzeugen wird. Sopranistin Rebecca Engel, neben Tenor Nils Giebelshausen als Solistin engagiert, wird einige Texte Bedas unvertont rezitieren und das Konzert mit Hintergrundinformationen moderieren.

Der Musikverein will ein politisches Zeichen setzen

Die Texte und ihre Geschichte waren für die Sängerinnen und Sänger des Musikvereins eine intensive Erfahrung, wie die Vize-Vorsitzende des Musikvereins, Andrea Nolte, erklärt. „Uns ist es wichtig, dass auch ein Chor politische Signale geben kann. Gerade in dieser Zeit ist das sehr wichtig.“ Am Anfang seien in den Proben auch schon einmal Tränen geflossen. „Inzwischen können wir uns auch an der Musik erfreuen“, sagt Nolte. Instrumental erklingt sie beim Chorkonzert durch die Neue Philharmonie Westfalen.

Zweiter Programmpunkt: „Requiem for the living“

Für seinen Herbsttermin greift der Konzertchor des Musikvereins Unna ein typisches „Novemberthema“ auf. Passend dazu erklingt als zweites Werk des Abends ein „Requiem“, das allerdings einen untypischen inhaltlichen Ansatz verfolgt: Dan Forrests „Requiem for the living“ behandelt das Trauerthema aus der Perspektive der Trauernden, nicht der Toten. Es führt durch die Phasen der Trauer hindurch, damit aber letztlich auch zu Trost und Erlösung.

Fritz Beda war diese Erlösung nicht vergönnt. Am 4. Dezember 1942 wurde er in Auschwitz III zu Tode geprügelt.

Konzertinfo

Ausgerechnet Fritz Beda

  • Das Chorkonzert läuft am kommenden Donnerstag, 10. Oktober, in der Katharinenkirche in der Unnaer Innenstadt. Beginn ist um 19.30 Uhr.
  • Karten kosten je nach Sitzplatz 17 oder 20 Euro. Schüler und Studenten erhalten Ermäßigung auf sechs Euro.
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