Lidl und Edeka in Massen: Politik entscheidet, ob Supermarkt-Investor eine Chance bekommt

dzHandel

Pläne für ein Einkaufszentrum in Massen sind derzeit ein Phantom: Viele Menschen reden über sie, ohne sie wirklich gesehen zu haben. Im Juni aber sollen die Karten auf den Tisch kommen.

Unna

, 19.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Einkaufszentrum an der Massener Bahnhofstraße geistert schon seit vielen Monaten durch die Öffentlichkeit. Dabei steht der Schritt, mit dem so eine öffentliche Debatte normalerweise eröffnet wird, noch aus.

Will der Entwickler irgendwann einmal Baurecht bekommen, muss die Stadtverwaltung einen Bebauungsplan aufstellen. Dafür braucht sie einen Arbeitsauftrag von der Politik. Und um so einem Auftrag ist die Politik bislang noch gar nicht gebeten worden.

So liegen Pläne, die in der Vorbereitung hinter den Kulissen einen recht hohen Reifegrad erlangt haben, unbeurteilt auf Eis. Die Corona-Krise hat die weitere Entwicklung zusätzlich verzögert, hatte doch auch die Politik bis vor kurzem eine Zwangspause von zwei Monaten.

Jetzt lesen

Im kommenden Monat aber soll die Debatte endlich offiziell eröffnet werden. Für den 17. Juni kündigt die Stadt eine Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung an. Und der Vorsitzende Volker König (SPD) stellt in Aussicht, dass es dabei auch um einen „Aufstellungsbeschluss“ gehen wird – um jenen Arbeitsauftrag also, mit dem die Bauverwaltung beginnen kann, auch für ein Einkaufszentrum an der Massener Bahnhofstraße das vorgegebene Verfahren durchzuführen.

Um Massen vor einem Verkehrsinfarkt zu schützen, will der Investor den Knoten aus Hellweg, Bahnhofstraße und Kleistraße umbauen. Das solle nicht nur den zusätzlichen Verkehr des Einkaufszentrums aufnehmen, sondern den Verkehr viel besser fließen lassen, als es heute der Fall ist.

Um Massen vor einem Verkehrsinfarkt zu schützen, will der Investor den Knoten aus Hellweg, Bahnhofstraße und Kleistraße umbauen. Das solle nicht nur den zusätzlichen Verkehr des Einkaufszentrums aufnehmen, sondern den Verkehr viel besser fließen lassen, als es heute der Fall ist. © Udo Hennes

Das Projekt war und ist umstritten. Zusammen mit dem möglichen Aufstellungsbeschluss liegt der Politik im Juni auch der Antrag einer Massener Bürgerinitiative vor, das Ansinnen des Investors zurückzuweisen.

Kritiker führen mehr Verkehr und Lärm, eine unnötige Flächenversiegelung und eine schädliche Konkurrenz zum bestehenden Handel in Massen als Gegenargumente an. Der Investor hält dagegen, er wolle das Angebot in Massen verbessern, mehr Kunden und damit auch mehr Geld im Ort halten. Überdies verspricht er mit seinen Verkehrslösungen eine Situation, die gegenüber der heutigen eine Verbesserung bringen könne.

Jetzt lesen

Dabei hat die großteils „außerparlamentarisch“ geführt Debatte inzwischen etwas Dogmatisches angenommen. Um seinen Kritikern entgegenzukommen, hat Investor Robert Löer den vermeintlichen Mieter Aldi durch Lidl ersetzt, sich von dem Discounter eine Aufgabe des Marktes an der Hansastraße zusichern lassen und überdies die Immobilie an der Kleistraße gekauft, die Edeka bei einem Umzug an die Massener Bahnhofstraße aufgeben würde.

Seine Absicht bestand dabei vor allem darin, die vielfach kritisierte Zunahme an Handelsflächen in und um Massen zu begrenzen. Objektiv gelingt dies, doch dafür argwöhnen die Bürgerinitiative und Unnas Grüne angesichts der Macht, mit der der Entwickler weiträumig den Handel umbaut.

Andererseits gibt es auch Fürsprecher für eine Neuansiedlung, und was sich die Mehrheit der Bevölkerung wünscht, ist nicht ersichtlich.

Die Politik fasst also ein heißes Eisen an, und eine Kontroverse ist absehbar. Möglicherweise gibt es zumindest für die Arbeit an einem Bebauungsplan eine ausreichende Mehrheit. Die SPD wurde von Leserbriefschreibern aus Massen bereits als „unwählbar“ bezeichnet, weil sie ihre Position nicht von den Interessen der Massener Bürger ableite, sondern von denen des Investors. Auch für die CDU deutete Fraktionschef Rudolf Fröhlich unlängst im Rat an, dass die Union zumindest Arbeiten an einem Bebauungsplan erlauben würde: Der Investor habe eine Entscheidung verdient, insofern sollte die Politik noch vor der Sommerpause einen Aufstellungsbeschluss fassen.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Verschiebung der Landeschwelle
Flughafen Dortmund will Maschinen 300 Meter näher an Unna aufsetzen lassen
Hellweger Anzeiger Insektenschutz
Irritation über radikalen Grünschnitt direkt neben dem Mühlhausener Insektenparadies
Hellweger Anzeiger Neue Kandidatur angekündigt
Achim Megger will Unnas neuer Bürgermeister werden: Nach Herzinfarkt gibt er wieder Vollgas
Hellweger Anzeiger Ab 15. Juni
Täglicher Unterricht für Grundschüler: „Wir sitzen dann enger zusammen als in jedem Lokal“