Massen bleibt für Aldi ein Sehnsuchtsland, Lidl in der Standortsuche ein Angstgegner: Bei den Planungen für ein Einkaufszentrum an der Massener Bahnhofstraße gibt es eine faustdicke Überraschung.

Unna

, 05.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lidl statt Aldi – mit dieser Planänderung überrascht Projektentwickler Robert Löer nun die Massener. Mit diesem Wechsel hofft der Immobilieninvestor, Kritiker seines Vorhabens beruhigen zu können. Und auch Lidl würde für ein altes Problem eine elegante Lösung finden.

Kritik an den Plänen für ein neues Einkaufszentrum westlich der Massener Bahnhofstraße kam in den vergangenen Monaten aus zwei Richtungen.

Massener Bürger äußerten Sorge vor zu viel Lärm und Verkehr, kritisierten den Verlust einer Freifläche und warnten vor einer Störung des Ortsbildes in diesem noch recht dörflich wirkenden Teil Massens.

Aber auch im Handel gibt es Unruhe: Der Rewe-Markt am Hellweg sieht sich angesichts einer starken Konkurrenz bedroht. Ob kleinteiligere Handel im Ortskern Nutzen oder Schaden erfahren würde, bewerten die Mitglieder des Massener Gewerbevereins offenbar unterschiedlich.

Investor: Discount-Angebot wächst um „nur“ 400 Quadratmeter

Löers Betreiberwechsel macht die geplante Neuansiedlung an der Bahnhofstraße nicht kleiner, nimmt aber einen Handelsstandort vom Markt, dem bislang ebenfalls eine Konkurrenzwirkung zulasten Massens nachgesagt wurde: den heutigen Lidl-Markt an der Hansastraße.

Lidl sticht Aldi aus: Überraschung für das neue Einkaufszentrum in Massen

Eine fotorealistische Grafik veranschaulicht, wie das neue Einkaufszentrum in Massen aussehen könnte. Das Aldi-Emblem muss man sich nun allerdings wegdenken. An seiner Stelle wird das Lidl-Logo prangen. © Löer Immobilien

Jenes Geschäft war zuletzt Gegenstand eines Rechtsstreites zwischen Lidl und der Stadt Unna. Lidl wollte den Markt über die 800-Quadratmeter-Flächenbegrenzung hinaus erweitern. Die Stadt aber lehnt dies ab – und das von Lidl angerufene Verwaltungsgericht gibt ihr Recht.

Mit dem Umzug an die Massener Bahnhofstraße würde Lidl zumindest näher an die Wohnbevölkerung Massens rücken und seine Verkaufsfläche doch auf nun 1200 Quadratmeter erweitern. Im Saldo allerdings würde das Discount-Angebot in und „bei“ Massen nur um 400 Quadratmeter zunehmen, argumentiert Entwickler Löer. Dies unterstellt natürlich, dass der heutige Lidl-Markt keinen anderen Discounter als Nachnutzer bekommt.

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Aldi ist gegen Lidl wieder einmal zweiter Sieger

Für den bisherigen Interessenten Aldi ist der Zuschlag für den Erzrivalen Lidl eine große Enttäuschung. Aldi bemüht sich seit vielen Jahren um einen Standort im Westen der Stadt, schien nun so nah am Ziel gewesen zu sein, wie nie zuvor – und muss sich nun doch noch von Lidl die Wurst vom Brot nehmen lassen. „Es ist mir nicht leicht gefallen, Aldi das mitteilen zu müssen. Aber ich denke, wir kommen den Kritikern damit sehr entgegen“, erklärt Löer.

Aktualisierte Pläne nehmen Hinweise der Kritiker auf

Und auch sonst scheint der Investor einige Hinweise aus dem Ort aufgegriffen zu sein. Mit Fotovoltaik-Anlagen, Dachbegrünung, Ladestationen für Elektrofahrzeuge und größeren Grünflächen bei reduzierter Parkplatzgröße soll das neue Einkaufszentrum auch einen „grünen“ Anstrich bekommen. Zudem plant Löer nun zehn Wohnungen ein, die „wahrscheinlich“ im sozialen Wohnungsbau entwickelt werden sollen. Erschlossen würden sie von der Kletterstraße aus. Das soll die sonst typischen Nutzungskonflikte zwischen Wohnen und Handel unterbinden.

Edeka hat Mietvertrag unterschrieben

Fest gesetzt bleibt in der Planung allerdings der zweite Hauptnutzer des Einkaufszentrums: Mit Edeka hat Löer inzwischen einen Mietvertrag unterschrieben. Die Kette würde ihren Markt an der Friedenskirche aufgeben und einen 1400 Quadratmeter großen Neubau in Niedermassen beziehen.

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Der Zeitplan des Vorhabens bleibt weiterhin nur vage abzuschätzen. Seit fünf Jahren arbeitet Entwickler Löer bereits an dem Projekt. Nun hat es nach seiner Einschätzung Umsetzungsreife erlangt. In einer der nächsten Sitzungen des zuständigen Fachausschusses könnte Unnas Politik die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschließen. Löer erwartet danach grob geschätzt anderthalb Jahre bis zum Baurecht und dann ein Jahr für die eigentlichen Arbeiten, im Ergebnis also eine Eröffnung der Märkte bis Ende 2022.

Mit dem neuen Einkaufszentrum verbunden wäre vermutlich auch eine neue Verkehrsführung auf dem Massener Hellweg. An der Einmündung der Bahnhofstraße könnte eine neue Ampel errichtet werden, an der Kreuzung mit Klei- und Bismarckstraße könnten die Abbiegespuren neu geordnet werden. Löer legt inzwischen ein Gutachten vor, das sein Konzept als tauglich beschreibt. Es zu prüfen wird aber noch Teil des anlaufenden Verfahrens.

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