Léon Berben gibt Lehrstunde barocker Orgelkunst

dzUnnaer Orgeltage

Höchst aufschlussreich verlief das zweite Konzert der Unnaer Orgeltage in St. Katharina mit Léon Berben aus Köln - allerdings vor einem sehr kleinen Publikum.

von Rainer Ehmanns

Unna

, 28.06.2019, 12:14 Uhr / Lesedauer: 1 min

Denn der ausgewiesene Fachmann für Alte Musik zeichnet mit Werken „Von Sweelinck bis Bach“ den spannenden Entwicklungsprozess barocker Orgelkompositionen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zu J. S. Bach im 17./18. Jahrhundert. Dabei geht es Berben nicht um den wertenden Vergleich zwischen Bach und seinen Vorgängern, sondern vielmehr um die verbindenden Elemente und Formen, die schon vorhanden sind, aber Bachs Kompositionen bedingt und quasi erst ermöglicht haben.

UNNAER ORGELTAGE

DAS WEITERE PROGRAMM

  • Sonntag, 30. Juni, 16.30 Uhr: Thomas Schmitz (Münster)
  • Donnerstag, 4. Juli, 19.30 Uhr: Prof. Daniel Beckmann (Mainz)
  • Sonntag, 7. Juli, 16.30 Uhr DKM Simon Daubhäußer (Dortmund)
  • Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

Freude am Wohlklang

Schon in Matthias Weckmanns kurzem „Praeambulum primi toni a 5“ sind wesentliche Formelemente hörbar: die barocke Fülle des Klangs mit kernigem Pedalbass geht über in ein Fugato mit zwei Themen. Sweelincks „Fantasia auf die Manier eines Echos“ weist auf gern verwendete Echo-Figuren hin. Berben unterstreicht deren Wirkung mit entsprechend weichen Registern.

Delphin Strungk trägt mit seiner Choralfantasie „Magnificat noni toni: Meine Seele erhebt den Herrn“ als Formelement den Orgelton bei, der zusammen mit immer reicheren Umspielungen und Verzierungen barocke Klangpracht schafft. Berben malt mit deutlichem Registerwechsel strahlende Farben, braucht aber keine überbordende Klangwucht, um Freude am Wohlklang zu erzeugen.

Ausfall des Register-Setzers

Auch in Heinrich Scheidemanns „Praeambulum in G“ führt er die Zuhörer vom schlichten Beginn in die Pracht vollklingender Register. Er weiß zu dosieren, hat auch in Weckmanns „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott!“ eine reflektierte Distanz zur Komposition, deren Möglichkeiten er sensibel auslotet. Dass ein Ausfall des Register-Setzers die Wahl der Register danach stark beeinträchtigt, wie Berben mitten im Konzert erläutert, wäre dem Zuhörer weder bei Buxtehudes reichhaltigem Choralvorspiel „Te Deum Laudamus“ noch in Bachs anschließender Fantasia in c-moll BWV 562, schon gar nicht in dessen üppiger Passacaglia in c BWV 582 aufgefallen. Denn mit dieser vollendeten und beeindruckend gespielten Passacaglia beschließt Berben eine kurzweilige Lehrstunde barocker Orgelkunst!

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