Das Lebenszentrum Königsborn braucht mehr Platz. Für den Ausbau seiner Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderungen soll ein Neubau entstehen – nicht weit vom Stammsitz am Zimmerplatz.

Königsborn

, 26.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 140 Jahren betreut das Lebenszentrum Königsborn benachteiligte Menschen. Was als gemeinnütziger Verein entstand, der sich zunächst vor allem um kranke Kinder kümmerte, ist mittlerweile zu einem ganzen Netzwerk von Einrichtungen geworden, in denen rund 520 Mitarbeiter sich um Menschen mit Behinderungen kümmern.

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Doch das Lebenszentrum stößt an seine Grenzen: der Platzbedarf der einzelnen Einrichtungen wird immer größer, weil die Nachfrage gestiegen ist. Die Fachklinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, das Autismus-Therapie-Zentrum oder auch das Haus Königsborn, in dem schwerstbehinderte Erwachsene wohnen: Sie sind nur ein paar Beispiele für Einrichtungen des Lebenszentrums, die stark angefragt werden und dementsprechend mehr Platz brauchen.

Im Überblick


Das Lebenszentrum Königsborn

  • Das Lebenszentrum Königsborn wurde 1880 als gemeinnütziger Verein gegründet. Mittlerweile zählen neun Einrichtungen zum Lebenszentrum.
  • In der Lebensarche wohnen schwerst mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche; die Andreas-Fröhlich-Schule besuchen schulpflichtige Kinder der Lebensarche; im Haus Königsborn wohnen schwerstbehinderte Erwachsene; das Netzwerk „Konzepte für Kinder“ forscht und hilft bei Kindervernachlässigung; das Sozialpädiatrische Zentrum ist eine ambulante Einrichtung für Kinder und Jugendliche; die Ambulanten Dienste Königsborn unterstützen Familien, in denen Angehörige mit Behinderungen leben; die Kita Königsborn ist die größte Kita im Kreis Unna mit einem heilpädagogischen Schwerpunkt; in der Fachklinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie werden behinderte und chronisch kranke Kinder betreut und behandelt und das Autismus-Therapie-Zentrum ist auf Autismusspezifische Frühtherapie spezialisiert.
  • Aktuell hat das Lebenszentrum 520 Mitarbeiter, bietet 135 Kita-Plätze, hat 154 Patienten in stationärer Behandlung, betreut 135 Familie ambulant und stellt 8100 Behandlungsscheine aus.

„In der Fachklinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie ist es beispielsweise so, dass dort nicht nur das Kind als Patient aufgenommen wird, sondern wir immer öfter auch Eltern und Geschwister mitunterbringen müssen“, nennt Lebenszentrum-Geschäftsführer Michael Radix ein Beispiel. Die Lebenssituationen der jungen Patienten seien oft schwierig, daher sei sinnvoll, die Eltern mit im Krankenzimmer unterzubringen. Hinzu komme, dass sich die Fallzahlen in der Fachklinik in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben – ohne, dass dies räumliche Auswirkungen gehabt hätte.

Nicht nur der Fachklinik fehlt es an Platz: Die Lebensarche, in der schwerst mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche bis zu ihrem 25. Lebensjahr wohnen können, wurde schon von 50 auf 60 Plätze aufgestockt. Doch der Bedarf ist noch größer, wie Michael Radix sagt. Auch im Erwachsenenbereich steigen die Fallzahlen: „Wir bekommen beispielsweise im Autismus-Therapie-Zentrum immer mehr Anfragen, ob wir auch Erwachsene betreuen. Doch dafür haben wir aktuell keinen Platz.“

Anbau nicht möglich

Eigentlich also müsste das Lebenszentrum anbauen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Doch der Platz am Stammsitz am Zimmerplatz ist begrenzt, beziehunsgweise gar nicht erst vorhanden. „Der Platz ist voll, hinzu kommt eine extrem angespannte Parkplatzsituation, die wir schon jetzt haben. Würden wir unsere Parkplatzflächen bebauen, verschärfen wir die Parkplatzsituation“, erklärt Radix.

Doch keine 500 Meter vom Lebenszentrum entfernt könnte die Lösung liegen: Das Grundstück der ehemaligen Harkortschule wäre für das Lebenszentrum der ideale Platz, um dort das Haus Königsborn neu zu bauen. „Das Haus Königsborn ist als Wohneinrichtung für behinderte Erwachsene die einzige unserer Einrichtungen, die autonom ist, die also auch ohne unmittelbaren Anschluss an das Hauptgebäude funktioniert“, erklärt Radix.

In der ehemaligen Harkortschule befindet sich aktuell das Förderzentrum Unna. Mit der Fertigstellung des Bildungscampus Königsborn soll das Förderzentrum dorthin umziehen.

In der ehemaligen Harkortschule befindet sich aktuell das Förderzentrum Unna. Mit der Fertigstellung des Bildungscampus Königsborn soll das Förderzentrum dorthin umziehen. © Udo Hennes (Archiv)

Aktuell befindet sich in dem Schulgebäude das Förderzentrum des Kreises Unna, das aber mit Fertigstellung des Bildungscampus Königsborn dorthin umziehen soll. Im Herbst 2021 sollen die Gebäude des Bildungscampus bezugsfertig sein – damit wäre die ehemalige Harkortschule frei. Das Gelände zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Vaersthausener Straße gehört der Stadt.

„Wir sind jetzt 140 Jahre alt. Der Neubau wäre eine Investition in die nächsten 140 Jahre.“
Michael Radix, Geschäftsführung Lebenszentrum Königsborn

In ersten Entwurfsplänen, die der Geschäftsführer des Lebenszentrums jetzt der Politik vorstellte, ist der Neubau von Haus Königsborn als dreiteiliger Gebäudekomplex mit Gründächern zu sehen. „Wir könnten hier auf 60 Plätze aufstocken und zudem Plätze für alternative Wohnformen wie zum Beispiel Wohngemeinschaften vorhalten“, sagt Radix. So könne dem zunehmenden Fokus auf eine höhere Selbstständigkeit der Bewohner Rechnung getragen werden.

Das „alte“ Haus Königsborn würde nach diesen Plänen für die Nutzung durch die Lebensarche umgebaut werden. Deren Flächen wiederum könnten dann so gestaltet werden, dass die Fachklinik und das Sozialpädiatrische Zentrum den dringend benötigten Platz bekämen.

„Wir befinden uns in den Anfangsplanungen“, betont Michael Radix, „erstmal müssen wir gucken, wie die Politik dazu steht und dann müssen wir uns mit der Stadt über einen Preis unterhalten.“ Auch wenn der Platzbedarf schon jetzt groß ist und die Zeit eigentlich drängt, sieht Radix den Neubau an dieser Stelle als langfristige Investition in die Zukunft: „Wir sind jetzt 140 Jahre alt. Der Neubau wäre eine Investition in die nächsten 140 Jahre.“

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