Die S-Bahngleise teilen die Nordstraße in Massen in zwei Abschnitte. Fußgänger haben sich hier einen Weg durch Hecken freigekämpft - einen sehr gefährlichen. © Hennes
S-Bahn

Lebensgefährliche Abkürzung: Fußgänger nutzen Trampelpfad über Bahngleise

In Massen ist ein wilder Bahnübergang entstanden. Eine Abkürzung über die S-Bahn-Gleise wird offenbar rege genutzt. Eine Politikerin schlägt Alarm.

Der Mensch neigt zur Bequemlichkeit und mag keine Umwege. Im Massener Westen werden Fußgänger dazu gezwungen, manche haben aber eine Abkürzung entdeckt. Sie führt nur 300 Meter vom Bahnhof entfernt über die Gleise und kann wohl ohne Übertreibung als lebensgefährlich bezeichnet werden.

Ratsfrau geht Hinweis auf Trampelpfad nach

Die Massener SPD-Ratsfrau Renate Nick wies die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses auf die Stelle hin. Sie habe von Bürgern Hinweise erhalten, dass zwischen dem nördlichen und dem südlichen Abschnitt der Nordstraße ein Trampelpfad entstanden sei. Tatsächlich sind dort, wo jeweils ein Zaun endet, die Sträucher einer an sich dichten Hecke zur Seite gebogen. So sind zwei Lücken entstanden und ein Pfad, den offenbar viele als Abkürzung nutzen. Die Politikerin regte in der Ausschusssitzung an, dass die Stadt das Gespräch mit der Bahn suche, um das Sicherheitsproblem zu lösen.

Sorge: Kinder laufen hinterher

„Bisher ist dort zum Glück nichts passiert“, sagte Nick im Gespräch mit unserer Redaktion. So weit soll es aber nun nicht kommen, indem der Weg weiterhin genutzt wird. Nicks Sorge: „Wenn Erwachsene das vormachen, laufen Kinder hinterher.“ Früher sei dort einmal ein Bahnübergang gewesen, nun dürfe die Stelle natürlich nicht mehr so genutzt werden.

Ob eine Nachpflanzung sinnvoll ist, um die Hecke zu schließen, auch wer sich darum gegebenenfalls kümmert, wird sich nun zeigen müssen. Augenscheinlich könnte es auch sinnvoll sein, den vorhandenen Zaun zu verlängern.

Nicht das erste Sicherheitsproblem

An derselben Bahntrasse, auf der anderen Seite des Massener Bahnhofs, hatte die Stadt Unna vor nicht langer Zeit noch ein ähnliches Sicherheitsproblem gelöst: In Höhe der Bismarckstraße gab es keine Absicherung der Gleise, was unter anderem der Ortsvorsteher und der Polizei-Bezirksbeamte als gefährlich einstuften. Die Stadt Unna ließ kurzerhand einen Zaun errichten, damit vor allem spielende Kinder nicht auf die Gleise laufen.

Gefahr von Zügen wird unterschätzt

Die Bundespolizei, zuständig für die Sicherheit an Gleisanlagen, warnt immer wieder davor, Schienen abseits von Bahnübergängen zu betreten oder zu queren. Fahrende Züge seien eine unterschätzte Gefahr, heißt es in einer Dauerwarnung auf den Seiten der Bundespolizei. Ein Hauptgrund sei, dass Schienenfahrzeuge meist viel zu spät wahrgenommen würden. „Züge nähern sich fast lautlos. Ein elektrisch betriebener Zug – selbst mit über 200 Stundenkilometern – ist für das menschliche Ohr erst wahrnehmbar, wenn er bereits vorbeifährt!“

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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