Unnas jüdische Gemeinde feiert das Laubhüttenfest unter Polizeischutz

dzSukkot-Fest

In der jüdischen Gemeinde ist die Verstörung über den Anschlag in Halle noch groß. Trotzdem war beim Sukkot-Fest Raum für Geselligkeit, Musik und Freundschaft – auch über kulturelle Grenzen hinweg.

Massen

, 20.10.2019, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Können ein Strauß aus Ästen und der versuchte Anschlag auf die Synagoge in Halle etwas miteinander zu tun haben? Sogar jede Menge, erläuterte Rabbinerin Natalia Verzhbovska bei der Feier zum letzten Tag des Laubhüttenfestes am Sonntag.

Die Angst ist auch in der Unnaer Synagoge da

Der versuchte Anschlag auf eine Synagoge in Halle mit zwei Toten hat auch in der jüdischen Gemeinde in Unna seine Spuren hinterlassen. Die Polizei zeigte mit mehreren Dienstwagen und Beamten am Eingang sowie während der Feier Präsenz. Die Stimmung unter den Besuchern war zwar gut, die Stimmen aber dennoch gedämpft.

„Wir haben die Polizei gerne zu Gast“, berichtete Alexandra Khariakova, aber es sei traurig, wenn sie da sind, weil es seien muss. „Wir fühlen uns hier zuhause“, stellte die Vorsteherin der Gemeinde fest, „und wenn dein Zuhause bedroht ist, dann ist das immer ein Notzustand“.

Der Schock säße besonders bei den Gemeindemitgliedern tief, die aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen seien. „Trotz der Shoa ist Deutschland immer ein Vorbild gewesen“, stellte Khariakova fest, „weil es gezeigt hat, wie ein Land mit der eigenen Geschichte umgehen kann“.

Es braucht die Mischung in der Gesellschaft

Bei ihrer Ansprache und der Zeremonie zum Abschluss des siebentägigen Laubhüttenfestes Sukkot befasste sich Rabbinerin Natalia Verzhbovska zunächst einmal mit dem Wetter. Das war nämlich verantwortlich dafür, dass der Abschluss nicht wie üblich in der Laubhütte stattfinden konnte, die auf dem Außengelände aufgebaut wurde.

In Israel gäbe es vor dem Sukkot-Fest keinen Regen, in Deutschland aber schon – weswegen einige Gemeinden hier sogar die Bitte um Regen aus ihren Gebeten gestrichen hätten.

Ebenfalls an den Regen erinnern soll das Schütteln des Lulav, ein gebundener Strauß aus Dattel-, Myrte- und Weidenzweigen sowie der Zitrusfrucht Etrog.

Unnas jüdische Gemeinde feiert das Laubhüttenfest unter Polizeischutz

Rabbinerin Natalia Verzhbovska erläuterte am Beispiel des Lulav, ein gebundener Strauß aus Dattel-, Myrte- und Weidenzweigen sowie der Zitrusfrucht Etrog, wie sich eine Gemeinde zusammensetzt – und das Unterschiede zwischen den Menschen nicht dazu führen müssen, sich gegenseitig auszugrenzen. © Marcel Drawe

Datteln tragen Früchte, duften aber nicht. Myrte duftet, kann aber nicht gegessen werden. Die Etrog kann beides und die Weide nichts davon. Damit symbolisieren die Pflanzen alle Arten von Gemeindemitgliedern: die Hilfsbereiten wie die Gelehrten; die die beides sind und die, die beides nicht sind.

Doch eine Hierarchie unter ihnen gäbe es nicht. Jeder Mensch in dem Strauß sei gleich wichtig. „Nur zusammen ist es möglich, als Volk zu leben. Ich glaube, heute sprechen wir da nicht nur für das jüdische Volk. Ich glaube, es ist auch eine Antwort auf die Situation heute in Deutschland“, so Verzhbovska.

Wenn man eine Gruppe aus irgendeinem Grund ausschließe, kann die Summe nie so stark sein, wie wenn alle zusammenhalten. Das „Asamblea Mediterranea“ sorgte schließlich für den musikalischen Abschluss.

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