Lastwagenfahrer bekommen Autos als Belohnung für Treue zu Unnaer Firma

dzSpedition

Immer mehr Versandhandel, immer mehr Güterverkehr – doch die Laster fahren will niemand. Eine Spedition, die Fachkräftemangel vermeiden will, muss ihren Leuten heute etwas Besonderes bieten.

Unna

, 16.12.2018, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer beruflich einen Lastwagen fahren möchte, hat derzeit gute Karten. Die Speditionsbranche leidet unter Fachkräftemangel. In der Industrie gibt es praktisch keine Lagerhaltung mehr, die Lager sind auf der Straße. Der Versandhandel boomt. Was gebraucht wird, sind große Laster mit ausgebildeten Fahrern. Zahlreiche Stellen in der Region sind nicht besetzt. Eine Logistikfirma in Unna aber hat keine Schwierigkeiten. Helmut Hüttenbraucks DH Logistik hat in den vergangenen drei Jahren nur zwei von 35 Fahrern verloren, nicht etwa wegen Unzufriedenheit, sondern „weil sie weggezogen sind“, sagt Hüttenbrauck. „Wir haben keinen Fahrermangel und relativ wenig Fluktuation“, erklärt der Chef.

Autos als Belohnung

Und wie macht er das? „Belohnung und Wertschätzung“ seien die Stichworte. Auf den Hof von DH-Logistik ist die Belohnung am Samstag angerollt –  in Form von 25 nagelneuen Opel Astra. Diese Firmenwagen können die Mitarbeiter nutzen, wenn sie das Angebot ihres Chefs annehmen. Sie müssen sie versteuern, hätten dadurch aber immer noch einen erheblichen Kostenvorteil, so Hüttenbrauck. Die Autoaktion geht bei ihm schon in die zweite Runde. Vor drei Jahren verteilte er die erste Flotte Firmenwagen an seine Leute. Wie geplant gehen diese geleasten Autos nun zurück, und die neuen sind da.

10.000 Kilometer pro Jahr stehen den Fahrern jeweils zur Verfügung. Rechnungen für Inspektionen oder Reparaturen müssen sie nicht bezahlen. Für Helmut Hüttenbrauck geht diese Rechnung auf. Er zahle mehr als den Mindestlohn, sieht die besondere Wertschätzung seiner Fahrer aber auch als Grund dafür, dass er sie halten kann. Bevor er die Autoaktion einführte, sei die Lage schwieriger gewesen.

Schlechtes Image

Der Beruf des Lastwagenfahrers hat kein besonders gutes Image. Die Brummilenker werden oft als Verursacher von Staus und Lärm betrachtet. Gleichzeitig müssen sie einiges in Kauf nehmen, um ihre Arbeit zu machen, das ist auch Hüttenbrauck klar. Seine Firma liefert nicht nur deutschlandweit, sondern auch in die Benelux-Staaten, nach Österreich und in die Schweiz. Arbeit weit weg von zu Hause, Nächte, die im Laster verbracht werden müssen, das gehört einfach zum Job.

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Und die Rahmenbedingungen werden nicht besser. „Wer um 17 Uhr noch keinen Parkplatz hat, bekommt ein Problem“, sagt Hüttenbrauck. Die Fahrer müssen regelmäßig Pausen einlegen. Rastplätze aber sind bekanntlich oft überfüllt. Nicht umsonst gibt es deutschlandweit Bemühungen, neue Rastanlagen zu bauen. Auch in Unna-Afferde an der A1 soll eine solche Anlage entstehen. „Der Staat kommt dem Bedarf nicht nach“, sagt Hüttenbrauck.

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