Die Grundschule Lünern wird trotz des Corona-Falls bei der Stichwahl am 27. September als Wahllokal zur Verfügung stehen. © Borys Sarad
Schulen in Unna

Kurze Beine, weite Wege? In Lünern fehlt Platz für neue Erstklässler

In Lünern gibt es Sorgen unter jungen Familien. Die Grundschule hat fürs neue Schuljahr viele Anmeldungen, aber nicht genug Räume.

In Lünern ist die Grundschule zu klein. Für das kommende Schuljahr werden mehr Kinder angemeldet als die Schule unterbringen könnte. Aus der Elternschaft wird die Sorge laut, dass Kinder in Nachbardörfern eingeschult werden müssen.

36 Kinder: zu viele für eine Klasse

Die Grundschule Lünern ist einzügig, hat also im Moment in jedem Jahrgang eine Klasse. Im kommenden Schuljahr könnten es theoretisch zwei sein. Derzeit liefen und laufen Anmeldegespräche mit Eltern der künftigen Erstklässler. Und nach bisherigem Stand wollen 36 Familien ihre Mädchen oder Jungen in Lünern einschulen – zu viel für eine Klasse.

Das bestätigte Carola Schöfisch, Leiterin des Unnaer Schulverwaltungsamts, im jüngsten Schulausschuss. Die CDU-Fraktion hatte das Thema zur Sprache gebracht. Ortsvorsteher Werner Clodt hatte seine Fraktion über Sorgen von Eltern informiert.

Schulleiter Jörg von Estorff bestätigte unserer Redaktion, er könnte nach dem Stand der Anmeldungen zwei erste Klassen bilden. „Das würde ich auch gerne. Aber es geht aufgrund unserer Räumlichkeiten nicht.“

Politik: Kinder im Dorf lassen!

Familien können ihre Kinder an einer Grundschule ihrer Wahl anmelden. Es gibt schon seit Jahren keine Schulbezirksgrenzen mehr. Gerade in den Landgemeinden aber sollten Kinder die Möglichkeit haben, wohnortnah zur Schule zu gehen, da die Alternativen relativ weit entfernt sind. Das ist nicht nur der Wunsch, der von Eltern zu vernehmen ist, es wurde auch von der Politik sehr deutlich so formuliert. Sebastian Laaser (SPD): „Die Schule ist im Dorf, da müssen wir auch die Kinder im Dorf lassen.“

Rainer Engel (CDU) forderte eine Lösung, „damit Kinder nicht in andere Orte fahren müssen“. Er fragte direkt nach der Möglichkeit, Container aufzustellen. Raummodule lösen bereits an einigen Stellen in Unna schulische Kapazitätsprobleme.

Die Stadt betont, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, dass die Anmeldezahlen sich auch noch verändern können. Die Anmelderunde für das Schuljahr 2022/23 läuft offiziell bis 15. November. Vor Ablauf dieser Frist, nämlich nach den Herbstferien, sollen nun Abstimmungsgespräche mit Schulen und der Schulaufsicht geführt werden, kündigt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld an. „Wir suchen frühzeitig das Gespräch.“

Anmeldeverfahren noch nicht abgeschlossen

Welche Kinder zu welcher Schule gehen können, wie groß wie viele Klassen werden, steht also noch nicht fest. Wie könnte das Problem der Anmeldeüberhänge gelöst werden? Denkbar ist, dass Eltern „umberaten“ werden, damit sie ihre Kinder doch an einer anderen Schule anmelden.

Ebenso denkbar ist, dass doch mehr Kinder aufgenommen werden, dass im Zweifel eine zusätzliche Eingangsklasse gebildet wird. Ob und wie das möglich ist, wird von den räumlichen Gegebenheiten abhängen.

Könnten in Lünern also Raumcontainer aufgestellt werden, wie CDU-Politiker Engel es anregte? Der Schulträger will sich dazu noch nicht festlegen. Grundsätzlich sei die Stadt „daran interessiert, dass jedes Kind möglichst ortsnah beschult werden kann“, so Stadtsprecher Ueberfeld. Jetzt schon eine Zusage zu geben, wäre aber nicht seriös. Erst nach den Abstimmungsgesprächen im Herbst könne man konkreter werden, so Ueberfeld.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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