Kurzarbeitergeld: Über das Coronavirus und die ganz persönliche Finanzkrise

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Normalerweise ist Franz H. in ganz Europa unterwegs. Seit der Tourismus brach liegt, gibt es für den Reisebusfahrer nichts mehr zu tun. Er kriegt Kurzarbeitergeld und sagt: „Es reicht nicht.“

Unna

, 28.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Franz H. (60, Name von der Redaktion geändert) ist „auf Null gesetzt“, wie er sagt. Sein Chef hat keine Arbeit mehr für ihn, das letzte Mal hat der Unnaer Mitte März am Steuer gesessen. Sein Arbeitsplatz ist ein Reisebus: Der 60-Jährige fährt normalerweise Touristengruppen ins europäische Ausland, chauffiert Schulklassen und andere Gruppen durchs Land. Die letzte Fahrt ging nach Schweden, seitdem steht die gesamte Flotte seines seines Arbeitgebers im Depot. Der Tourismus liegt brach.

„Es reicht vorne und hinten nicht mehr.“
Franz H., Reisebusfahrer

„Alle reden von Gastronomien und Hotels, aber keiner fragt, wie wir eigentlich über die Runden kommen“, sagt H., der „im Grunde sehr zufrieden“ mit den Entscheidungen der Regierungen in Berlin und Düsseldorf ist. Doch eine Antwort auf seine ganz konkreten Sorgen konnte ihm bislang weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet geben. „Es reicht vorne und hinten nicht mehr.“

Corona-Krise: Rund 1000 Euro netto als Kurzarbeitergeld

In normalen Monaten verdient er rund 1500 bis 1600 Euro netto, davon bleiben ihm als Kurzarbeitergeld jetzt noch rund 1000 Euro. Spesen und Nebeneinkünfte über den Verkauf von Getränken und Snacks an Bord fallen komplett weg; mit rund 800 Euro beziffert Franz H. das.

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Die monatlichen Fixkosten laufen weiter: Miete, Versicherungen und Kreditraten. Weil schon ohne das Coronavirus nie wirklich viel für die hohe Kante übrig geblieben ist, sind die finanziellen Reserven, von denen er zehren kann, verschwindend gering. „Das geht vielleicht noch zwei Monate, dann ist alles weg“, sagt er.

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Dass er aber schon in zwei Monaten wieder ganz normal seinem Beruf nachgehen kann, bezweifelt er. „Es weiß doch keiner, wie lange das noch so geht“, sagt er. „Selbst wenn die Hotels im August wieder aufmachen dürfen – bis das alles anläuft, die Leute wieder buchen und wir sie wieder fahren, vergeht noch mehr Zeit. Das wird ja nicht schlagartig von jetzt auf gleich wieder bei 100 Prozent sein.“

Kurzarbeitergeld gestaffelt angehoben

Die Bundesregierung hat freilich schon reagiert, hat beim Kurzarbeitergeld nachgelegt. Bisher wurden 60 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens erstattet, Eltern erhielten 67 Prozent. Die Große Koalition hat beschlossen, die Leistung gestaffelt anzuheben: 70 beziehungsweise 77 Prozent ab dem vierten Bezugsmonat, 80 beziehungsweise 87 Prozent ab dem siebten Bezugsmonat – für diejenigen, die zu mindestens 50 Prozent auf Kurzarbeitergeld gesetzt sind.

„Was nützen mir die zehn Prozent mehr ab Sommer, wenn mir vorher schon die Luft ausgeht?“
Franz H.

Franz H. wird also von der Neuregelung profitieren. „Was nützen mir die zehn Prozent mehr ab Sommer, wenn mir vorher schon die Luft ausgeht?“, fragt er. Zumal es bei seinem Arbeitgeber keine Vereinbarung für eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes gibt. „Ich weiß nicht, wie ich bis dahin über die Runden kommen soll“, sagt H. Er geht davon aus, die Auswirkungen der Corona-Krise noch bis ins nächste Jahr zu spüren. „Auf meine 200 Stunden im Monat komme ich frühestens im Frühling nächsten Jahres.“

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