Fast ein Jahr nach der großen Zukunftskonferenz für die Kultur in Unna beginnen Stadt und Politik damit, Ergebnisse umzusetzen. Viel Konkretes steht nicht im Raum – und dafür fehlt dann auch noch Geld.

Unna

, 07.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die „Zukunftskonferenz“ sollte frischen Wind bringen in Unnas Kulturwesen. Hatte sich die einst so innovative Kulturstadt mit inhaltlicher Erstarrung und zähen Spardebatten schon selbst infrage gestellt, ging es bei dem Wochenendworkshop Ende März 2019 um nicht weniger als einen radikalen Umschwung: Ohne den Rotstift des Stadtkämmerers im Hinterkopf zu haben, sollten sich Kulturschaffende und kulturell Interessierte damit befassen, was die Kulturstadt Unna in Zukunft ausmachen könnte. 100 Teilnehmer kamen und machten engagiert mit. Danach wurde es zäh.

Nach der Konferenz ist vor der Konferenz

Fast ein Jahr nach der Konferenz befasst sich Unnas Kulturausschuss mit der Umsetzung der Ergebnisse. 13 Empfehlungen hatte die Konferenz unter der Moderation des Experten Peter Landmann seinerzeit erarbeitet. Die konkreteren davon haben das Problem, dass ihre Umsetzung Geld kosten würde. Und bei den anderen sieht es danach aus, als wäre der Planungsprozess nur der Anstoß für den nächsten Planungsprozess.

Schon beim bislang letzten Auftritt von Landmann im Kulturausschuss hatte man den Eindruck, dass sich der Experte intensiv um weitere Moderationsaufträge bewerben wollte. Die „Zukunftskonferenz“ solle es zur „Verstetigung“ des Prozesses künftig regelmäßig alle zwei Jahre geben. Zudem finden sich in der Liste der Empfehlungen auch Vorschläge für ein „Gesamtkonzept kulturelle Bildung“, einen „Konzeptionsworkshop fürs ZIB“, eine Weiterentwicklung der Bibliothek zu einem „Dritten Ort“ und einen Planungsprozess für die Ertüchtigung des Museums. Statt konkreter und umsetzungsfähiger Ideen für neue Kulturangebote hat die Arbeit von Landmanns Büro „Take Part“ zunächst einmal Anlässe für weitere Tagungen gegeben, mit denen ein fachlicher Begleiter Geld verdienen kann.

Für den i-Punkt im ZIB empfiehlt Experte Peter Landmann nach der Zukunftswerkstatt vor einem Jahr eine neue Ausstattung. Doch angesichts nötiger Investitionen schiebt die Stadt dies auf die Jahre 2021/22.

Für den i-Punkt im ZIB empfiehlt Experte Peter Landmann nach der Zukunftswerkstatt vor einem Jahr eine neue Ausstattung. Doch angesichts nötiger Investitionen schiebt die Stadt dies auf die Jahre 2021/22. © Udo Hennes

Unnas Mangel an dieser begrenzten Ressource wird dort zum Problem, wo die Empfehlungen der ersten Zukunftskonferenz ein wenig konkreter werden. Empfehlungen, den i-Punkt im ZIB mit neuer Technik auszustatten, verschiebt die Stadt bereits jetzt „aufgrund der Höhe des investiven Volumens“ auf 2021/22. Andere halbwegs konkrete Aufgaben hinterlegt die Stadt nun in einem Papier für den Kulturausschuss mit zusätzlichem Personalbedarf – und einem entsprechenden Finanzierungsvorbehalt.

Experte empfiehlt zwei weitere Vollzeitstellen für die Kulturarbeit

„Eine vollständige Umsetzung des Kulturentwicklungsplanes setzt eine entsprechende personelle Besetzung voraus“, heißt es in der aktuellen Drucksache 1785/20. Zwei neue Vollzeitstellen hatte Experte Landmann der Stadt vorgeschlagen. Eine solle sich um die Kulturentwicklung, die andere um das Kulturmarketing in Unna bemühen.

Für letztere stellt auch die Stadt in ihrem Papier klar, dass diese „für die Außenwirkung der Stadt Unna relevante und wichtige Aufgabe nur dadurch gewährleistet werden (könne), dass im neuen Haushalt 2021 eine neue Stelle geschaffen wird“. Die Haushaltsdebatte nach der Kommunalwahl könnte in dieser Hinsicht spannend werden, der Fortgang der Kulturentwicklung von ihrem Ausgang abhängen.

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Im Idealfall wäre es zumindest die Marketingstelle, von der sichtbare Ergebnisse ausgehen könnten. Landmann schlägt vor, das kulturelle Angebot in Unna unter einer gemeinsamen Dachmarke zu bündeln, gemeinsam zu bewerben und auf einer Internetseite einen Online-Ticketverkauf anzubieten. Es wäre das kleine Einmaleins des Marketings, das nun in Unna zur Anwendung käme.

Zwar gibt es mit der „Unna Marketing GmbH“ bereits eine Organisationseinheit in der Stadt, die über entsprechende Kompetenzen verfügt. Doch an der Eigenständigkeit von Stadtmarketing, Rathaus-Kulturbereich und der Soziokultur der Lindenbrauerei will auch Landmann nichts infrage stellen. Im Gegenteil: Von früheren Gedankenspielen, Kulturbereich und Stadthalle zu fusionieren, sollte Unna noch einmal mit einem klarstellenden Beschluss abstand nehmen. Notwendig ist dies eigentlich nicht, da der Status quo auch dann bestehen bleibt, wenn die Stadt keine Änderung beschließt.

Ein Kulturrat hat sich bereits gegründet. Er soll Vertreter verschiedener Spielarten von Kultur miteinander vernetzen und der Kultur im Ganzen eine Stimme geben – auch für die Diskussion mit der Stadt.

Ein Kulturrat hat sich bereits gegründet. Er soll Vertreter verschiedener Spielarten von Kultur miteinander vernetzen und der Kultur im Ganzen eine Stimme geben – auch für die Diskussion mit der Stadt. © Nogaj

Was nun konkret zur Umsetzung kommt beziehungsweise schon gekommen ist, ist überschaubar. Am Schnellsten tätig geworden sind diejenigen, die die Kultur in Unna unmittelbar veranstalten und organisieren: Die Gründung eines Kulturrates ist bereits erfolgt. Als nächstes folgt ein „Beirat“ für die Kulturentwicklung, in dem Mitglieder des Kulturrates, Vertreter der Ratsfraktionen sowie Stadtmarketing, Kulturbereich, Lichtkunstzentrum, Literaturbüro und Stadtbibliothek vertreten sind. Dieses Gremium soll als Unterstützung des Kulturausschusses zwei bis viermal im Jahr tagen. Über die Kultur in Unna wird also noch viel gesprochen werden. Ob das irgendwann zu irgendetwas führen wird, bleibt abzuwarten.

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