Kann man einen Daumen nach eineinhalb Stunden noch annähen? Und lässt sich ein Tresor mit einem alten Ford aus der Verankerung reißen? Antworten gibt seit 20 Jahren „Bang Boom Bang“ – und einige Unnaer haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Film heute Kultstatus hat.

Unna

, 22.08.2019, 14:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war im August 2018, als eine Polizeimeldung die Unnaer aufhorchen ließ: An der Hansastraße hatten Einbrecher versucht, einen Tresor aus dem Gebäude eines Autoverleihs zu holen. Sie brachen ihn aus der Wand, befestigten Spanngurte an dem Tresor und banden diese an ein Auto, um den Tresor auf diese Weise abzutransportieren. Der Plan scheiterte, aber für halb Unna stand fest: Da versucht jemand, „Bang Boom Bang“ zu kopieren. Seit 20 Jahren begeistert der Kultfilm des Unnaer Regisseur Peter Thorwarth die Menschen - und in Unna gibt es einige, die einen ganz besonderen Bezug zu dem Film haben. Und das nicht, weil sie versuchen, Tresore in „Keek“-Manier aufzubrechen.

Video
Trailer von "Bang Boom Bang"

Drehort-Recherche mit Analog-Fotos

„Bang Boom Bang“ im Kino

Film läuft Freitag im Kinorama

  • Seit 20 Jahren läuft Peter Thorwarths Film ununterbrochen in Bochum im Kino; Freitag wird der Unnaer Regisseur dort für sein Werk geehrt.
  • Natürlich läuft der Film an diesem Tag auch in dem Ort, an dem er gedreht wurde: Das Kinorama Unna zeigt „Bang Boom Bang“ am Freitag, 23. August, um 20.15 Uhr. Karten für die Vorstellung gibt es unter www.kino-unna.de

1998 war Stephan Gräwe Anfang 20 und geriet „eher zufällig“ als Praktikant in die Ausstattungsabteilung von „Bang Boom Bang“. „Unsere Aufgabe bestand zunächst darin, viele Wochen vor Drehbeginn auf der Grundlage des Drehbuchs geeignete Drehorte zu finden“, erinnert er sich an die Recherche. Die lief vor 20 Jahren gänzlich anders ab als heute: „Heute würde man mit dem Handy Fotos machen, Videosequenzen drehen, diese auf den Rechner ziehen und hochauflösend präsentieren. Wir hingegen waren ausgestattet mit Kameras, in die man noch einen Film einlegen musste.“ Einige wenige Polaroid-Kameras standen der Ausstattungscrew auch zur Verfügung.

20 Jahre nach „Bang Boom Bang“: Daran erinnern sich Komparsen aus Unna

Im Herbst 1998 wurden in Unna viele Szenen für „Bang Boom Bang“ gedreht. © Archiv

„Reisebüro Unna“

Die Fotos zu machen und ein Fotogeschäft zu finden, welches die Filme von dem einen auf den anderen Tag entwickelte, nahm einen Großteil ihrer Arbeitszeit in Anspruch. Stephan Gräwe erinnert sich noch gut an das Büro, in dem er arbeitete: „Im Büro hatte jedes Film-Motiv ein Stück Wand für sich und so schmückten also mehrere hundert Fotos den Raum.“

Jetzt lesen

Das führte dazu, dass einige Kollegen die Ausstattungsabteilung schon liebevoll „Reisebüro Unna“ nannten, weil es bei den Kollegen viel zu gucken gab. „Regelmäßig kamen dann Regie, Kamera und Produzent vorbei, um zu entscheiden, welcher Drehort möglicherweise passte und welcher nicht“, erzählt Gräwe von der Arbeit am Set.

So kam die Crew an den Kult-Taunus

Besonders bewegt hat ihn die Akquise des legendären grünen Ford Taunus, den im Film „Keek“ alias Oliver Korittke fährt - und mit dem jene berühmte Tresor-Raub-Szene gedreht wurde. Denn mit dem Fahrzeug verbindet sich ein trauriges Schicksal - das Stephan Gräwe direkt miterlebte, denn ein solches Fahrzeug zu finden, gehörte auch in den Aufgabenbereich der Ausstattungsabteilung.

20 Jahre nach „Bang Boom Bang“: Daran erinnern sich Komparsen aus Unna

Der grüne Ford Taunus aus „Bang Boom Bang“: Der kultige Wagen aus dem ersten Thorwarth-Film gehört mittlerweile dem Oldtimerfreak Jörn Gaumann. Er ersteigerte das Auto bei einer Internet-Auktion. © alexander rümelin

„Jeder wurde gebraucht und jeder war für dieses Projekt wichtig. Man merkte, dass sowohl die Schauspieler als auch die Crew und die Komparsen einfach Bock auf dieses Projekt hatten. “
Stephan Gräwe, 1998 Praktikant in der Ausstattungsabteilung bei „Bang Boom Bang“

„Da es noch keine Online-Portale für Fahrzeuge gab, mussten wir viele Oldtimer-Clubs ansprechen und telefonieren“, erinnert er sich. „Endlich fanden wir ,DO-PE 69‘ im Frankfurter Großraum. Ein junger Mann Anfang 20 präsentierte uns einen sehr gepflegten weißen Ford Taunus, der zuvor mit viel Liebe restauriert wurde und einen tollen Eindruck machte.“ Warum der junge Mann das Fahrzeug verkaufte? Er war an Krebs erkrankt und man musste ihm ein Bein amputieren. „Er konnte das Fahrzeug einfach nicht mehr fahren. Dass wir den Wagen für eine professionelle Filmproduktion brauchten und dafür ,seinen‘ Taunus im Visier hatten, machte ihn sichtlich stolz“, erzählt Stephan Gräwe. Dass sein weißer Ford Taunus jedoch grün umlackiert werden würde, brachte keiner der Filmcrew übers Herz, ihm zu sagen.

Der Teamgeist am Set

Die schönste Erinnerung an die Dreharbeiten war für Stephan Gräwe der am Set herrschende Teamgeist: „Jeder wurde gebraucht und jeder war für dieses Projekt wichtig. Man merkte, dass sowohl die Schauspieler als auch die Crew und die Komparsen einfach Bock auf dieses Projekt hatten. Und vielleicht hat dies ja auch seinen Beitrag dazu geleistet, dass dieser Film Kultstatus erreicht hat.“

20 Jahre nach „Bang Boom Bang“: Daran erinnern sich Komparsen aus Unna

Die Dreharbeiten fanden 1998 an verschiedenen Orten in Unna, Holzwickede und Dortmund statt. © Archiv

Holzwickeder Lehrer als Brummifahrer

Kultstatus dürfte wohl auch Uli Bangert bei seinen Schülern erreicht haben: Die „erwischten“ ihren Lehrer nämlich in den Herbstferien 1998 unrasiert, ungewaschen und mit einem Henkelmann auf einem verlassenen Fabrikgelände an der Industriestraße in Unna. Als Komparse spielte der Holzwickeder Bangert einen LKW-Fahrer, der als Zeuge zu dem Tresor-Raub von der Polizei befragt wurde. Blöd nur, dass ausgerechnet, als die Kamera lief und Bangert schilderte, wie er den spektakulären Raub mitbekommen hatte, seine Schüler am Zaun auftauchten und laut riefen: „Herr Bangert, was machen Sie denn da?“ Die Folge: Die Szene musste wiederholt werden und Bangert nach den Herbstferien seinen „störenden“ Schülern ein Autogramm geben.

20 Jahre nach „Bang Boom Bang“: Daran erinnern sich Komparsen aus Unna

In Unna ist Ralf Richter bekannt: Der Schauspieler war 2008 mit diesem Mercedes in Unna unterwegs, um die Drehorte des Films „Bang Boom Bang“ aus dem Jahr 1999 noch einmal zu besuchen. © Roman Grzelak

Kontakt mit berühmten Schauspielern

Auch Uli Bangert verbindet nur schöne Erinnerungen mit den Dreharbeiten: „Ich erinnere mich sehr gerne an den Filmtag und an Dieter Krebs, der unentwegt mit seinem blauen Anorak über den Platz schlenderte und seine Rolle übte. Auch an Martin Semmelrogge in seinem grauen Hausmeisterkittel, an Oliver Korittke mit seinem abgetrennten Daumen und an die Gebrüder Thorwarth, die pausenlos Anweisungen gaben und an die gemeinsamen Pausen mit belegten Brötchen auf den Bierganituren in der Großgarage erinnere mich noch immer.“

Er ist eben eindeutig Kult, Unnas Gaunerfilm. Nur zur Nachahmung vielleicht nicht unbedingt empfohlen- wie das Beispiel der Einbrecher aus dem August 2018 zeigt. Die mussten ihren Tresor nämlich an Ort und Stelle zurücklassen. Ein Daumen wurde aber nicht darin gefunden...

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Mode aus Unna

„My Truck“: So mischt eine Lkw-Werkstatt aus Unna den deutschen Modemarkt auf

Hellweger Anzeiger Senioren-Wohngemeinschaft

Platz für 17 Wohneinheiten nicht nur für Senioren: Busch-Neubau in Lünern Ende 2020 fertig

Hellweger Anzeiger Kunstort Unna

Unnas vielfältige Kunstorte bringen die Menschen in Bewegung, nicht nur in die Innenstadt

Meistgelesen