Massener Schrottplatz räumt Halle für den Kampf gegen altes Kokerei-Gift

dzTeerölsanierung

Die Teeröl-Sanierung im Massener-Norden war ein Projekt, das bislang viel Geduld verlangt hat. Nun muss der Autoverwerter vor Ort die Halle räumen, die über das belastete Erdreich gebaut wurde.

Unna

, 30.08.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Firma Mairitsch ist die Beseitigung der Altlasten aus Massens Kokerei-Zeiten eine echte Herausforderung. Seit 2002 nutzt sie das ehemalige Militärdepot für den Betrieb einer Autoverwertung. Grundstück und Gebäudebestand sind an sich üppig. Aber die Teerölsanierung trifft ausgerechnet ein Gebäude von „strategischer“ Bedeutung. Eine Werkstatt mit Hebebühne, wie sie in einem Autobetrieb nun einmal nötig ist, findet offenbar nur in dem Gebäude die richtige Deckenhöhe, das nun vor dem Abriss steht.

Nach dem Abriss der Halle gibt es frischen Boden

Die Räumung der Werkstatt läuft bereits und soll in Kürze abgeschlossen sein, erwartet Ludwig Holzbeck, Dezernent für Bauen und Umwelt bei der Kreisverwaltung. Danach könne die seit vielen Jahren vorbereitete Beseitigung der Kokerei-Abfälle endlich in die entscheidende Phase gehen: Die Ausschreibung der Arbeiten, der Abriss der Gebäude und der Austausch des belasteten Bodens sollen dann anlaufen.

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Bereits im vergangenen Jahr lief „Phase 1“ der Sanierung. Mit einem Großlochbohrer wurden 300 Löcher im Durchmesser von zwei bis acht Metern in die Erde getrieben, um Erde auszutauschen. Für „Phase 2“ muss aber das Gebäude an der Dortmunder Straße weichen. Am Ende sollen 6000 Kubikmeter belasteter Boden ausgetauscht sein.

Gift-Müll verseucht seit über 90 Jahren das Erdreich

Mit der gut sechs Millionen Euro teuren Sanierung beheben der Kreis und der Altlastensanierungsverband AAV ein Umweltproblem, das bereits seit 93 Jahren bestehen dürfte. Von 1912 bis 1926 gab es vor Ort eine Kokerei der nahen Zeche. Bei ihrem Abriss scheint ein Klärteich an der Dortmunder Straße als Müllbehälter genutzt worden zu sein. Allerlei Unrat und wohl auch etliche Schadstoffe gelangten in das Loch, das später abgedeckt wurde. Die Wehrmacht baute später ein Materiallager auf dem Gelände – auch auf einem Teil des Grundstücks, der als besonders belastet gilt.

Streit um das Sanierungskonzept

Das Konzept der Sanierung ist durchaus umstritten. Flächeneigentümer Matthäus Mairitsch befürchtet, dass der Bodenaustausch nur einen Teil der Schadstoffe erfasst. Er hegt Zweifel daran, dass der Klärteich der alleinige Ort des Schadstoffeintrages war. Und auch ein Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hat, deutet Benzol-Belastungen an einer anderen Stelle des Grundstücks an.

Ludwig Holzbeck verteidigt das vereinbarte Konzept: Dass in der Kokerei nicht erst beim Abriss, sondern schon im Betrieb „gesuppt“ wurde, schließe er nicht aus. „Wir würden aber kein solches Millionenprojekt anschieben, wenn wir uns nach mehreren Gutachten und Jahren der Gespräche immer noch unsicher wären.“ Handlungsbedarf sei in jedem Fall gegeben.

Erhebliche Belastungen des Bodens sind auf dem Grundstück schon in den 1980er-Jahren nachgewiesen worden. Damalige Grenzwerte wurden um das 660-Fache überschritten. Durchdringendes Grundwasser spült die Schadstoffe aus und leitet sie ins Gewässersystem aus Körne und Seseke. Noch am Klärwerk in Kamen waren erhöhte Werte im Bachwasser festzustellen.

Matthäus Mairitsch indes ärgert sich über die Auswirkungen für den Familienbetrieb, den er mit seiner Frau vor 54 Jahren „von Null an“ aufgebaut habe. Der Autokrandienst habe bereits seinen Betrieb eingestellt und 16 Mitarbeiter freigesetzt. Auch der Schrottplatz stehe vor erheblichen Problemen.

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