Naturschutz funktioniert trotz Virenkrise: Unnas Kröten wieder einmal gerettet

dzKrötenschutz

Es gibt öffentliches Leben in Unna, das sich nicht einschränken lässt: Amphibien ziehen auch in Corona-Zeiten zu ihren Laichgewässern. Ihr Schutz durch Ehrenamtliche hat trotz allem wieder funktioniert.

Unna

, 19.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Krötenwanderung stand in diesem Jahr trotz der Corona-Krise wieder unter ehrenamtlichem Schutz, der funktioniert hat. „Die Population ist geschützt“, bilanziert Rolf Böttger.

Der Leiter des Unnaer Umweltamts gehört zu den Ehrenamtlichen, die sich in Unna um den Schutz der Krötenwanderung kümmern. Vor allem Erdkröten, aber auch andere Amphibien machen sich im Frühjahr zu Hunderten aus ihren Winterquartieren auf in ihre Laichgewässer. In der Regel nutzen die Tiere immer wieder die Teiche und Tümpel für die Fortpflanzung, aus denen sie selbst einst gekrabbelt sind. Problem: Straßen, die die Wanderwege durchschneiden werden für die Kröten zur Todesfalle.

Schutz mit kniehohen Zäunen

In Scharen würden die Tiere alljährlich totgefahren. Sehr wahrscheinlich gäbe es in bestimmten Gebieten keine nennenswerten Bestände dieser wandernden Amphibien mehr, wenn sich nicht ehrenamtliche Naturschützer um sie kümmern würden. Wenn absehbar ist, dass die Wanderungen bevorstehen, stellen die Freiwilligen kniehohe Zäune entlang der betroffenen Straßen auf. Die Kröten laufen davor und gehen instinktiv seitwärts auf der Suche nach einer Öffnung. Sie plumpsen dann in bereitgestellte Eimer. Die Hauptarbeit der Ehrenamtlichen besteht darin, die Gefäße regelmäßig zu leeren. Sie tragen die Tiere darin über die Straße und lassen sie auf der sicheren Seite weiterkriechen.

Dieses Krötenpaar - Weibchen unten, kleineres Männchen oben - hat sein Laichgewässer sicher erreicht. Ehrenamtliche Helfer machen das in Unna möglich.

Dieses Krötenpaar - Weibchen unten, kleineres Männchen oben - hat sein Laichgewässer sicher erreicht. Ehrenamtliche Helfer machen das in Unna möglich. © picture alliance / Jens Büttner/

Aber wie funktioniert dieses Engagement im Frühjahr 2020, in dem das Coronavirus das menschliche Leben so dramatisch einschränkt? Es funktioniert, resümiert Rolf Böttger. Wenige, ausgewählte Freiwillige hätten die Zäune zuletzt betreut. Die Helfer hätten dabei größtmögliche Distanz zueinander gewahrt, versichert Böttger. Und die heiße Phase sei nun zu Ende. Deutlich über 1000 Amphibien hätten in Nordlünern ihre Laichgewässer erreicht, berichtet Böttger. „Die Hauptwanderung ist durch.“ Schutzzäune werden oder wurden wieder abgebaut.

So viel Interesse wie nie zuvor

Der Amphibienschutz bewegt inzwischen wieder viele Menschen, wie es auch andere Natur- und Klimaschutzthemen tun. Diese Erfahrung macht auch Naturschützer Rolf Böttger. Was Neugierige oder Helfer angeht, habe er in diesem Jahr so viele Anfragen bekommen wie noch nie. Zuletzt habe er aber alles absagen müssen wegen der Corona-Einschränkungen. „Das ist schade“, sagt Böttger. Als die Einschränkungen des öffentlichen Lebens inklusive Schulschließungen noch nicht so massiv waren, habe das Krötenschutzprojekt in Nordlünern auch durchaus Publikum gehabt. Eltern mit Kindern seien dort gewesen, auch eine Schulklasse, berichtet Böttger. „Das hat sich dann natürlich alles geändert.“

Lehrer sichern Notbetreuung

In Billmerich ist der Krötenschutz traditionell ein ganz besonderes Thema für Kinder. Die Betreuung von Schutzzäunen ist in der Liedbachschule Teil des Stundenplans. Auch diese Schule ist freilich wie alle anderen geschlossen. Doch auch die Billmericher Kröten haben es geschafft in diesem Jahr, wie Andreas Förster vom Nabu berichtet.

Amphibien

Dauerschutz im Bornekamp

  • Die größte Krötenpopulation in Unna lebt im Bornekamp. Und dort ist die Gefahr durch Autoreifen inzwischen nur noch sehr gering: Der für Kröten wichtigste Abschnitt der Bornekampstraße ist dauerhaft für den Verkehr gesperrt.
  • Wo noch Autos fahren dürfen, erleidet die Amphibienpopulation nach Einschätzung von Experten nur geringe Verluste.

Förster verantwortet den Amphibienschutz in Billmerich. Seinen Hauptberuf übe er derzeit notgedrungen mobil aus. So habe er die Chance, selbst einen Teil des Krötenzaun-Dienstes zu leisten. Er berichtet außerdem von einer Notbesetzung aus der Lehrerschaft. Zudem sei die Zahl der anfallenden Tiere mit 200 bis 250 insgesamt überschaubar im Vergleich zu anderen Standorten.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Unnalieferts.de
Bei Zurbrüggen wird die Krise zum Wachstumsbeschleuniger für den Online-Shop
Hellweger Anzeiger Corona-Krise
Trotz Coronavirus: Viele Eisdielen sind wieder geöffnet – mit Sicherheitsvorkehrungen
Hellweger Anzeiger Ärger in Massen
Entsetzen über Baumfällung in Massen: 100 Jahre alte Esche muss Bauprojekt weichen