Auf einem Grundstück südlich der Fröndenberger Straße, das der Familie Zabel gehört, soll Wohnbebauung entstehen. Geplant waren ursprünglich vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 25 Wohneinheiten. Jetzt sollen es weniger Wohneinheiten werden. Rosita Steinbiß Mader und Dieter Strate, die unmittelbar an dem Grundstück wohnen, haben trotzdem noch Bedenken. © Hornung
Immobilien in Unna

Kritik an Wohnbebauung auf Zabel-Grundstück: „Stört die Dorfstruktur“

Mehrere Mehrfamilienhäuser sollen auf einem steilen Grundstück in Kessebüren entstehen. Anwohner fürchten um den dörflichen Charakter des Örtchens und inzwischen auch um den Hochwasserschutz.

Die geplante Wohnbebauung auf dem Zabel-Grundstück südlich der Fröndenberger Straße sorgt weiter für Diskussionsstoff in Kessebüren, auch nachdem die Stadtverwaltung die Baupläne modifiziert hat. Durch die Starkregenereignisse im Sommer sind neue Bedenken hinzugekommen.

Dieter Strate von der Bürgerinitiative Kessebüren gehört zu den Kritikern des Projekts. Sein Grundstück grenzt mit dem Garten an das Gelände, das nun bebaut werden soll. Der Anwohner hat die Historie der Baupläne für die Wiese mit starkem Gefälle über Jahre verfolgt. Erstmals gab es 2006 einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Damals plante die Familie Zabel ein Einfamilienhaus, das aus Sicht der Anwohner wesentlich besser mit der Dorfstruktur vereinbar gewesen wäre, als die neuen Pläne.

Im November des vergangenen Jahres wurde dann die Öffentlichkeitsbeteiligung für einen neuen, Ende November 2019 beschlossenen Bebauungsplan durchgeführt. Zu dieser Zeit galt ein Lockdown, die Unterlagen waren 14 Tage online einsehbar.

Kritik an kurzer Frist und Zeitpunkt der Beteiligung

Dieter Strate bemängelt, dass die Frist sehr kurz war und das Verfahren ausgerechnet im Lockdown durchgeführt wurde. Außerdem hätte die Skizze kein klares Bild der Topographie vermittelt, die Höhe der Häuser sei nicht klar beschrieben gewesen. In den Augen des Anwohners möglicherweise „eine gezielte Desinformation“.

Daraufhin hatte sich die Bürgerinitiative Kessebüren Anfang Dezember 2020 mit einem Schreiben an Bürgermeister Dirk Wigant gewendet, in dem die Initiative sowohl die Informationspolitik als auch den Entwurf kritisierte. Bedenken gibt es angesichts der geplanten massiven Bauweise mit Tiefgarage und auch ökologisch mit Blick auf den Artenschutz. Das Vorhaben sei verkehrstechnisch problematisch, der Nutzen stünde in Frage.

Aus der Luft ist deutlich erkennbar, wie schmal das Zabel-Grundstück zusammenläuft. Entlang des Hangs, parallel zur Straße sollen mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen. Am unteren Ende des Grundstücks befindet sich das Haus von Rosita Steinbiß Mader. Die Anwohnerin fürchtet Niederschlagswasser und ein Abrutschen des Hands.
Aus der Luft ist deutlich erkennbar, wie schmal das Zabel-Grundstück zusammenläuft. Entlang des Hangs, parallel zur Straße sollen mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen. Am unteren Ende des Grundstücks befindet sich das Haus von Rosita Steinbiß Mader. Die Anwohnerin fürchtet Niederschlagswasser und ein Abrutschen des Hangs. © Privat © Privat

Dieter Strate glaube nämlich kaum, dass in Kessebüren tatsächlich 25 Wohneinheiten als Mietwohnungen benötigt werden. Mit 25 Wohneinheiten würde das 250-Einwohner-Dorf um mehr als zehn Prozent wachsen. Ältere Kessebürener etwa, die ihre Häuser im Ort irgendwann nicht mehr halten können, zögen aber lieber in die Stadt, wo die Nahversorgung besser ist.

Ausgehend von den massiven Bedenken der Bürgerinitiative, des Heimatvereins und Ortsvorstehers ist einer weiteren öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans politisch nicht zugestimmt worden. Die Baupläne wurden überarbeitet.

Neue Pläne werden in Bürgerversammlung vorgestellt

In der kommenden Woche sollen die Bürger über die neuen Pläne informiert werden. Nach Kenntnis von Dieter Strate sind es jetzt nur noch 15 Wohneinheiten, auch die Tiefgarage sei nicht mehr geplant. Doch das ist der Bürgerinitiative nicht genug: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung, wir wünschen uns aber eine, die mit dem dörflichen Charakter von Kessebüren verträglich ist.“ Dabei denkt Strate etwa an zwei Doppelhaushälften.

Der obere Bereich des Grundstücks ist wesentlich größer als der untere Teil. Trotzdem sollen hangabwärts mehrere Häuser gebaut werden.
Der obere Bereich des Grundstücks ist wesentlich größer als der untere Teil. Trotzdem sollen hangabwärts mehrere Häuser gebaut werden. © Hornung © Hornung

Ähnliche Bedenken teilt Rosita Steinbiß Mader, die am Fuß des Baugrundstücks wohnt. Nachdem während der starken Regenfälle im Juli der Kessebürener Bach, der direkt hinter ihrem Garten fließt, randvoll war, sind weitere hinzugekommen. Ist das Zabel-Grundstück versiegelt, könne das Oberflächenwasser herunterschießen, genau auf ihr Haus zu. Während der Arbeiten, so befürchtet sie, könnte auch der Hang abrutschen. „Ich wohne hier ganz alleine, ich habe Angst.“

Geplant war bisher, ein Regenrückhaltebecken in der Senke zu errichten. Die Betonkonstruktion, so ein weiterer Einwand der Anwohnerin, mache sich auch nicht gut in der Natur. Direkt neben ihrem Haus verläuft ein Wanderweg. In den Morgen- und Abendstunden seien viele Wildtiere zu hören und zu beobachten. Beide Anwohner kennen die konkreten neuen Pläne noch nicht und wollen an der Bürgerversammlung am 6. Oktober teilnehmen.

  • Die Stadt Unna lädt für Mittwoch, 6. Oktober 2021, 17 Uhr zu einer Informationsveranstaltung zum Bebauungsplanentwurf Kessebüren Nr. 3 „Wohnbebauung südlich der Fröndenberger Straße“ ein.
  • Die Versammlung findet im Feuerwehrgerätehaus in Kessebüren, Am Loerweg 1A, statt.
  • Es können ausschließlich Personen teilnehmen, die immunisiert sind, das heißt vollständig geimpft oder genesen, sowie Personen, die ein bescheinigtes negatives Testergebnis nachweisen, das nicht älter als 48 Stunden ist.
Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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