Kritik an Fußgängerampel in Unna: zu lange Wartezeiten

dzFriedrich-Ebert-Straße

An einer Fußgängerampel in Königsborn müssen Fußgänger zu lange warten, meinen Kritiker. Aus Sicht der Verwaltung hat der Autoverkehr Vorrang.

Königsborn

, 11.10.2018, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Wartezeiten sind Fußgängern an Ampeln zuzumuten? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Zumindest eine Rückmeldung aus dem Rathaus aber hat jetzt Antragsteller Michael Griesohn-Kluth bekommen, der sich um die Ampel an der Luisenstraße in Königsborn sorgt. Nach seiner Beobachtung müssen Fußgänger zu lange auf Grün warten. Die Anregung, die Ampel anders zu schalten, ist drei Jahre alt, Baudirektor Michael Ott entschuldigte sich am Mittwoch im für Verkehr zuständigen Fachausschuss, dass Ergebnisse einer Prüfung bisher nicht kommuniziert worden seien. Dies holte er nach: Maximal 75 Sekunden müssten Fußgänger zu Schwachlastzeiten an der Luisenstraße auf Grün warten. Bei starkem Verkehr liege die Wartezeit bei maximal 90 Sekunden. Diese Zeiten seien „nichts besonderes“, so Ott, auch am Verkehrsring müssten Fußgänger so lange warten.

Letztlich muss abgewogen werden, welcher Verkehr wie stark eingeschränkt werden soll. Und die Stadt ist der Ansicht, dass der Kfz-Verkehr auf der Achse Friedrich-Ebert-Straße nicht noch mehr eingeschränkt werden sollte. Ott erinnerte daran, dass über diese Straße auch ein großer Teil des ÖPNV abgewickelt wird. Der Antragsteller steht den Bündnisgrünen nah, und in ihren Reihen fand er im Ausschuss einen Fürsprecher. Es sei wichtig, in dieser Frage die Perspektive der schwächeren Verkehrsteilnehmer einzunehmen, sagte Grünen-Ratsherr Björn Merkord. Die Wartezeiten würden als zu lang empfunden, manche Fußgänger fühlten sich an das Rotlicht nicht gebunden und gingen einfach bei Rot über die Straße. Die größte Gefahr bestehe darin, dass Kinder es in solchen Fällen den Erwachsenen nachmachten.

Häufig stünden Schulkinder morgens zudem im giftigen Abgasdunst, so Griesohn-Kluths Beobachtung. Denn das „intelligente Ampelsystem“ sei zwar mit Kameras, Sensoren und Funk ausgestattet, „aber leider auf dumm geschaltet“, schrieb er uns im Nachgang des Verkehrsausschusses. Eine Taktung bei Stau und zäh fließendem Verkehr funktioniere nicht. Fußgänger müssten also warten, selbst wenn Autos gar nicht vorankommen, eine Beschleunigung des Verkehrs sei überhaupt nicht zu beobachten, meint der Königsborner.

Um zu Fuß gehen attraktiver zu machen, hat das Umweltbundesamt verschiedene Vorschläge entwickelt: beispielsweise die Verankerung der fußläufigen Erreichbarkeit im Planungsrecht, die Einführung der Regelgeschwindigkeit Tempo 30 innerorts, Erhöhung der Bußgelder für fußgängerfeindliches Verhalten oder die Festlegung baulicher Mindeststandards für Fußwege oder Ampelschaltungsphasen, bei denen die Zu-Fuß-Gehenden nicht das Nachsehen haben. Der komplette Inhalt einer aktuellen Pressemitteilung des Umweltbundesamts ist hier zu finden.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Stadtverwaltung
Die „Bauverhinderungsbehörde“ bringt Bürgermeister Werner Kolter in Rage
Meistgelesen