Kriegsweihnachten in Unna: Dieter Rösel berichtet in seiner Autobiografie

dzErinnerungen

Mit 19 Jahren hat Dieter Rösel Unna verlassen. Die Zeit bis dahin hat er in einer Autobiografie zusammengefasst. Das Buch ist ein Zeugnis für das Leben in Unna im und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Königsborn

, 25.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie war das eigentlich? Weihnachten in Kriegszeiten... Fragen wie diese stellen junge Menschen ihren Großeltern immer wieder mal. Allerdings wird die Zahl der Zeitzeugen immer geringer.

Kriegsweihnachten in Unna: Dieter Rösel berichtet in seiner Autobiografie

Dieter Rösel erinnert sich in „Erlebte Geschichte“ an seine Kindheit und Jugend in Königsborn. © Privat

Einer von ihnen ist Dieter Rösel. Am 23. Juni 1937 im schlesischen Friedland geboren, kam er im Frühjahr 1938 nach Unna, wo seine Omi Emma bereits lebte. Sein Vater hatte sich erfolgreich auf eine Stelle bei der Stadtverwaltung beworben.

Über seine Kindheit und seine Jugend erzählt Rösel in seinem Buch „Erlebte Geschichte“.

Erinnerungen und Tagebuchnotizen

Was er schreibt, basiert zum großen Teil auf eigenen Erinnerungen, aber auch auf Tagebuchnotizen. Es sind kurze Anekdoten, die den Leser in längst vergangene Zeiten ziehen. Dieter Rösel lässt Bilder im Kopf entstehen. Dazu zählen natürlich angsteinflößende wie Luftangriffe und Nächte in Bunkern, aber immer wieder auch romantische.

Kriegsweihnachten in Unna: Dieter Rösel berichtet in seiner Autobiografie

Flugzeuge der 8. US-Bomberflotte werfen über dem Ruhrgebiet ihre explosive Fracht ab. In den letzten acht Kriegsmonaten starben in Unna über 200 Menschen durch solche Angriffe. Auch über diese Zeit berichtet Dieter Rösel. © National Archives Washington/Stadtarchiv Dortmund

Es mag wundern, mit welch schönen Worten der Autor über die Kriegsweihnachten schreibt. Sie zeigen aber auch, wie bedeutend die Familie in einer Zeit war, in der es an vielem Anderen mangelte.

Hintergrund

Der „Königsborner Hof“

Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky weiß, dass das Hotel „Königsborner Hof“ an der Kaiserstraße 114 (heute Friedrich-Ebert-Straße) in Königsborn lag. Es befand sich also in direkter Nähe zum Friedrichsborn. Bevor das Hotel den Namen „Königsborner Hof“ bekam, wurde es offenbar unter einem anderen Namen geführt. Patzkowsky hat herausgefunden, dass es im Ersten Weltkrieg noch als „Westfälischer Hof“ bekannt war. Im Jahr 1956 waren im Hotel „Königsborner Hof“ 16 Bewohner fest gemeldet. Die Herberge hat nichts zu tun mit einem Hotel, das später ebenfalls unter dem Namen „Königsborner Hof“ trug, inzwischen aber auch abgerissen worden ist.

Es ist eine fast schon romantische Vorstellung, wenn sich der Leser das Bild vor Augen führt, das Rösel so beschreibt: „Gerne erinnere ich mich der Kriegsweihnachten. Zu Heiligabend trafen sich alle Verwandten bei uns zu einer kleinen, bescheidenen Feier. Mutter spielte Weihnachtslieder auf dem kavier und Onkel Willi begleitete sie auf der Flöte, während Omi und Tante Herta dazu sangen. Vater und wir Kinder waren das Auditorium.“

Was so behaglich klingt, täuscht natürlich hinweg über die Not und das Elend, das der Krieg mit sich brachte. Dieter Rösel lebte in Königsborn, das er damals als mondän empfunden hat. Bad Königsborn verfügte über ein Badehaus, Kuranlagen, eine Solequelle und viel Grün.

Kriegsweihnachten in Unna: Dieter Rösel berichtet in seiner Autobiografie

Bad Königsborn (hier das Kurhaus) war früher sehr mondän. Hier wuchs Dieter Rösel auf, erlebte die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit. © Werner Niederastroth

Rösels Zuhause war ein Anbau des damaligen Hotels Königsbornerr Hof“ an der Kaiserstraße – der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Das klingt luxuriös, war es aber nicht. Wer einen Beweis sucht, findet ihn im Buch. Für die angelieferte „Volksbadewanne“ aus Zink hatte die Familie eigentlich keinen Platz, nach dem Krieg nutzten die Kinder sie gar als Boot und spielten Kapitän.

Solche zum Teil sehr humorigen Passagen wechseln aber auch mit Berichten über die Not. Nicht nur in den späteren Jahren des Zweiten Weltkriegs mangelte es an Nahrung, auch danach war das leben für die Familie hart. Dieter Rösels Vater war nicht länger Angestellter der Stadtverwaltung, sondern musste auf der Zeche Bönen. Das sollte sich als klug erweisen. Schließlich war Geld nicht mehr viel wert; Kohlen wurden gegen Kartoffeln getauscht.

Das Buch

„Erlebte Geschichte“

  • Das Buch „Erlebte Geschichte“ von Dieter Rösel ist im Frieling-Verlag erschienen. Das Taschenbuch (Paperback) hat 144 Seiten.
  • Das Buch kostet 10,90 Euro und ist unter der ISBN 978-3-8280-3512-6 im Buchhandel erhältlich. Es kann unter www.frieling.de auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Mit seinem Buch liefert Dieter Rösel auf 144 genau das, was er dem Leser auf dem Cover verspricht: „Erlebte Geschichte“. Dieter Rösel lebt heute in St. Augustin, hat aber noch Kontakt in die Stadt seiner Kindheit und Jugend. Wie Unna und insbesondere Königsbor damals waren, beschreibt er in seinem Buch in einer sehr bildlichen Sprache.

Kriegsweihnachten in Unna: Dieter Rösel berichtet in seiner Autobiografie

Ein schönes Thema im letzten Teil des Buches ist der Festumzug zur 700-Jahr-Feier der Stadt Unna im Jahr 1950, an dem auch Dieter Rösel teilnahm. © Archiv

Unna verließ Dieter Rösel, als er im Alter von 19 Jahren zur Luftwaffe eingezogen wurde. Danach arbeitete er im Auswärtigen Amt. Nach seiner Pensionierung und der Aufnahme eines Studiums über „Alte Geschichte“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ist er nun Schriftsteller. Vor seiner Autobiografie hat er bereits ein Buch über Griechenland in der Zeit zwischen 800 und 500 v.Chr. geschrieben. In seinem nächsten Werk will er Reiseerlebnisse schildern.

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