Kreis Unna nimmt alte Mülldeponie in Massen gründlicher unter die Lupe

dzAltlastenfläche

Die Müllbelastung der alten Deponie in Massen will der Kreis Unna eingehender unter die Lupe nehmen. Weitere Untersuchungen sollen erfolgen. Wer die Kosten dafür trägt, ist aber noch unklar.

Unna

, 19.09.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eher zufällig war die Altlastensituation der Felder am Nord-Ende der Bismarckstraße zum Thema geworden. Als Verdachtsfläche steht die ehemalige Deponie zwar schon seit 1988 im Altlastenkataster des Kreises. Aber darin findet sich eine vierstellige Zahl an Flächen, die bislang nicht näher untersucht worden sind. Das war aber in Massen nun geschenen.

Die Felder, unter deren Ackerkrume ein über zwei Jahrzenhte hinweg gewachsener Müllberg liegt, sollen im Rahmen einer Zwangsversteigerung den Eigentümer wechseln. Ein vom Amtsgericht bestellter Experte sollte ein Wertgutachten erstellen, erhielt auf seine Anfrage beim Altlastenkataster die Verdachtsbestätigung und schaltete einen Geologen ein.

Er empfahl, für eine landwirtschaftliche Nutzung mehr Mutterboden aufzutragen und zudem eine Bodenentlüftung einzubauen, die die Ansammlung explosiver Gase verhindern soll.

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Durch dieses an sich zur Wertermittlung der Fläche erstellte Gutachten hat aber auch der Kreis neue Erkenntnisse gewonnen. Die zuständige Stelle für „Wasser und Boden“ hatte das Gericht um Zusendung des Gutachtens gebeten. Sachgebietsleiter Marten Brodersen erkennt nun einen „weiteren Untersuchungsbedarf“.

Zusätzliche Bodenproben sollen Aufschluss darüber geben, ob die Altlasten unter der Deckschicht aus Erde zu einer Belastung in der Ackerkrume geführt haben, die die landwirtschaftliche Nutzung bedenklich erscheinen lassen würden. Auch die Gasaustritte, die der Geologe des Wertgutachters mit der bloßen Nase festgestellt hat, könnten analysiert werden.

Zwangsverwaltung macht die Sache komplizierter

Offen ist die Frage, wer solche Untersuchungen in Auftrag gibt und bezahlt. An sich gelte in solchen Fragen der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“. Aber bei einem Grundstück unter Zwangsverwaltung könnten die Dinge komplizierter liegen. Das will der Kreis nun im Gespräch mit dem Gericht und dem Zwangsverwalter klären.

Eile sei vermutlich nicht geboten, erklärt Marten Brodersen vom Kreis. „Der Altlastenverdacht für diese Fläche scheint nun bestätigt worden zu sein. Aber Anlass, konkrete Maßnahmen zur Sicherung anzuordnen, besteht erst einmal nicht“, sagt er.

Die Ergebnisse einer Beprobung könnten das ändern, wobei der Kreis an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebunden wäre. Eine einfache Nutzungsbeschränkung für den Ackerbau könnte darin bestehen, das Pflügen über eine bestimmte Tiefe hinaus zu untersagen. Aber dies gilt zunächst einmal als ein Beispiel.

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Die sogenannte „Massener Senke“ war von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre hinein als Müllkippe genutzt worden. Als Folge einer Bergsenkung waren dort zwei Seen entstanden. Durch die offizielle Nutzung als Deponie, aber auch durch geduldete „Entsorgung“ privater Abfälle wurden die beiden Senken zugeschüttet. Schließlich zog man eine Erdschicht darüber, die heute zwischen 60 und 80 Zentimetern Stärke hat.

Unberechenbare Müllmischung

Unter dieser Schicht befindet sich eine unberechenbare Müllmischung, möglicherweise auch mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine Haftung auf die Stadt Unna als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Massen zu übertragen, ist vermutlich nicht möglich, erklärte Marten Brodersen vom Kreis. „Die Entsorgungspraxis mit offenen Deponien war damals üblich und entsprach auch der Rechtslage.“

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